Theater Baden-Baden    
Am Goetheplatz 1    
76530 Baden-Baden    


  

  

  

Baden-Badener Theatergeschichte

"Im Leben das Spiel - im Spiel das Leben" formulierte
Hannes Tannert 1962 in der Festschrift zum hundertjährigen Bestehen des so genannten "Kleinen Theaters" der Kurstadt.

Festschrift 100 Jahre Theater Baden-Baden

Eng verwoben sind Leben und Theaterspiel in Baden-Baden schon länger. Bereits im 17. Jahrhundert wurden Theaterspiele von Jesuitenschülern im heutigen Ratssaal aufgeführt, und im
Neuen Schloss war 1656 eine "Neue Hofbühne" eingerichtet. Von 1694 bis 1769 fanden alljährlich Passionsspiele, das "Theatrum", auf dem Marktplatz um die Stiftskirche herum statt. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts wurden regelmäßig Theateraufführungen im Promenadenhaus präsentiert und ab 1805 wurde die stadteigene Sägemühle für französische Theateraufführungen genutzt.

Nach den Plänen des badischen Baumeisters
Friedrich Weinbrenner entstand im Jahr 1810 ein größtenteils aus Holz bestehendes Theater neben dem damaligen Promenadenhaus im heutigen Kurgarten.

Der von Großherzog Ludwig beschlossene Bau eines neuen "Conversationshauses", des heutigen
Kurhauses, bedeutete das Aus für das Weinbrenner-Theater. Es wurde abgerissen und ein neues Theater 1822 im rechten Flügel des "Conversationshauses" eingerichtet.

Anfangs wurden während der Saison periodische Vorstellungen gegeben. Von 1828 an fanden in den Sommermonaten regelmäßige Vorstellungen statt, und nachdem Jean Jacques Bénazet die
Spielbank-Konzession erhalten hatte, wurde ganzjährig mit verschiedenen Ensembles Theater gespielt.

Ein notwendiger Umbau des "Conversationshauses" im Jahr 1855 führte zu Oscar Edouard Bénazets Vision eines dem Ruf der Stadt als "
Sommerhauptstadt Europas" gerecht werdenden Theaters.

Es sollte noch sieben Jahre dauern, bis die Großherzogliche Regierung und der Spielbankpächter Oscar Edouard Bénazet in Verbindung mit der Stadtverwaltung das heute noch bestehende Gebäude nach den Plänen des französischen Architekten Charles Antoine Couteau haben fertig stellen lassen.

Am 8. August 1862 nahm eines der schönsten Theater Europas mit einer eigens vom französischen Komponisten
Hector Berlioz zur Eröffnung komponierten Oper seinen Betrieb auf.

Zehn Jahre lang war kaum ein Unterschied zwischen der Theaterkultur an der Seine und der an der Oos auszumachen. Gastspiele der "Comédie française", der "Opéra comique", der "Bouffes Parisiennes", des "Théâtre italien" und "des Théâtre Palais Royal" prägten das Kulturleben.


Charles Couteau

Charles Antoine Couteau
Architekt des Theaters



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Nach dem Deutsch-Französischen Krieg und dem Spielbankenverbot in Deutschland im Jahr 1872 änderten sich auch die Theaterverhältnisse in der Kurstadt. Gastspiele deutscher Ensembles, vor allem des Karlsruher Hoftheaters, bestimmten den Spielplan.

Ein umfangreicher Umbau des Kurhauses in den Jahren 1912 bis 1917 führte zu zwei weiteren Spielstätten mit Bühne und zu der Vorstellung, die Stadt müsse ein eigenes Theaterensemble haben.

1918 wurden die "Städtischen Schauspiele" gegründet, die dem ersten Intendanten Hans Waag die Arbeit mit einem 40köpfigen Ensemble ermöglichten. In der Spielzeit 1919/20 verwirklichte die Truppe 72 Premieren, die sowohl im Theater als auch im so genannten "Großen Bühnensaal", dem heutigen "Bénazet-Saal", das Publikum erfreuten.

1923 übertrug das Land Baden der Stadt neben der
Kunsthalle und der Lichtentaler Allee auch das Theatergebäude. Zuschüsse für den Theaterbetrieb waren schon vor dieser Transaktion notwendig. So waren beispielsweise 1918 den "Städtischen Schauspielen", die "einfach wie ein Naturereignis entstanden", so vom seinerzeitigen Oberbürgermeister Reinhard Fieser festgestellt, 140000 Mark Jahreszuschuss zugestanden worden.

Trotz beeindruckender Leistungen, die auch in der Fachpresse ganz Deutschlands gewürdigt wurden, entbrannten immer wieder Diskussionen um die Zuschüsse für Theater-, Opern- und Operettenensemble, und die Frage um die Abschaffung der Ensembles stand immer wieder zur Debatte. Letztendlich wurde 1928 das Opern- und Operettenensemble aus Kostengründen aufgegeben. Die "Städtischen Schauspiele" spielten nur noch im Theater, während die Karlsruher Oper die Freunde des Musiktheaters zweimal wöchentlich im Kurhaus bediente. Im Sommer 1940 wurde das Theaterensemble entlassen.

Nach dem
Zweiten Weltkrieg förderte die französische Besatzungsmacht das Wiederaufleben des Baden-Badener Kulturbetriebs. Auch der Theaterbetrieb wurde wieder aufgenommen und nach der Wiedereinsetzung der Bäder- und Kurverwaltung dem Verantwortungsbereich dieser öffentlich-rechtlichen Institution eingegliedert.

Hannes Tannert, der von Kennern als die Ideallösung für das Baden-Badener Theater bezeichnet wurde, setzte sich energisch für eine ordentliche finanzielle Ausstattung der Theaters ein, was unter anderem 1952 zur Gründung einer Patronatsgesellschaft für das Theater führte. Die Diskussion um die Aufrechterhaltung eines eigenen Theaterensembles riss allerdings nicht ab. Die so genannte Reform der Bäder- und Kurverwaltung ließ die Stadt im Jahr 1994 wieder die alleinige Verantwortung für das Theater übernehmen, was sich allerdings keineswegs beruhigend für die
Ensemblemitglieder und den Theaterbetrieb auswirkte.

"Im Leben das Spiel - im Spiel das Leben" ist in jeder Hinsicht in Baden-Badens Theater nach wie vor aktuell.

Von Rika Wettstein, Baden-Baden




Am 23. Februar 2005 meldete das Badische Tagblatt:

Intendantin: "Wo diese Summe herkommen soll..."

Neben den mit der Verabschiedung des Haushaltsplans 2005 bereits für das laufende Jahr in Kraft getretenen Einsparungen sieht das ebenfalls verabschiedete Haushaltssicherungskonzept weitere finanzielle Einsparungen bis zum Jahr 2008 vor. Betroffen davon sind unter anderem auch das Theater, die Baden-Badener Philharmonie und die Stadtbücherei. Bei den jeweiligen Institutionen bemüht man sich zwar, wie jetzt Nachfragen unserer Zeit ergaben, die geforderten Einsparungen umzusetzen, doch gebe es Grenzen.

Den Spielplan korrigieren, in dem ein größeres Stück durch ein kleineres ersetzt werde, die anstehende Renovierung des Bühnenbodens verschieben:

Das sind zwei der Überlegungen, die Baden-Badens Theaterintendantin Nicola May nach eigener Aussage durch den Kopf gehen - bei der Suche nach Möglichkeiten, wie die geforderten 50000 Euro im Jahre 2005 im Theateretat eingespart werden können. Das Haushaltssicherungskonzept sieht darüber hinaus vor, dass im Bereich des Theaters ab der Spielsaison 2006 / 2007 jährliche Kosten in Höhe von 250 000 Euro einzusparen seien - ausgehend vom Etat 2005. Entgegen dieser Vorgabe geht May, wie sie versicherte, jedoch davon aus, dass das Theater bis zum Jahr 2008 insgesamt 250 000 Euro einsparen müsse.

"Ich sehe die finanzielle Not der Stadt und weiß, dass gespart werden muss. Doch wo diese Summe herkommen soll, weiß ich nicht", sagt die Intendantin. Sie sei bestrebt, möglichst gute Bedingungen für das Haus zu haben. "Und ein attraktives Programm will ich auch bieten", erklärte May. Wenn es ohne größere strukturelle Veränderungen nicht gehe, sei eine kulturpolitische Entscheidung seitens der kommunalen Gremien nötig, meinte May, die mit Verwaltung und Gemeinderat sprechen und die im Haushaltssicherungskonzept vorgeschlagene stärkere Kooperation mit anderen Häusern prüfen will.

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