Das Erbe Reinhold Schneiders am Markgraf-Ludwig-Gymnasium

Für das Erbe Reinhold Schneiders am Markgraf-Ludwig-Gymnasium war der 17. Mai 1985 ein besonderer Tag: Die Reinhold-Schneider-Stiftung verlieh zum Abschluß ihres Studienwettbewerbs 1984/85 an drei MLG-Schüler Preise (Anna-Kathrin Bernhardt, Jens Müller, André Niemann).

Zum ersten Mal hatten Schülerinnen und Schüler des MLG an diesem schon seit vielen Jahren durchgeführten Wettbewerb teilgenommen. Er ist Heinrich Ludewig, Freund Reinhold Schneiders und Initiator der Reinhold-Schneider-Stiftung zu verdanken. Ludewig möchte es jungen Menschen ermöglichen, sich eigenständig mit dem Erbe Reinhold Schneiders auseinanderzusetzen.

Nach der eindrucksvollen Freiburger Preisverleihung (mit Prof. H. Tödt, Heidelberg und Bischof A. Schönherr, DDR), fand im Dietrich-Bonhoeffer-Saal in Baden-Baden eine Lesung aus den preisgekrönten Arbeiten statt. "Das Erbe des christlichen Widerstands" stand im Mittelpunkt dieses Abends. Dabei wurde auch (von OStRin Mattes) ein Kapitel aus Reinhold Schneiders "Las Casas von Karl V." gelesen.

Es wäre für Schülerinnen und Schüler sicher eine interessante Aufgabe, im Jahre des 500-jährigen Jubiläums der Entdeckung Amerikas und zum 100-jährigen Jubiläum des MLG aus diesem großen Protest Reinhold Schneiders gegen die Unterjochung der Indianer - zugleich geschieht sein Protest gegen den Gewissensterror der Nationalsozialisten - einige Szenen zu gestalten. Das Erbe Reinhold Schneiders kann an seiner ehemaligen Schule also auf verschiedene Weise lebendig erhalten werden - durch Teilnahme am Wettbewerb der Reinhold-Schneider-Stiftung ebenso wie durch Beschäftigung mit seinen Schriften.

Eine dritte Möglichkeit, das Erbe des bedeutendsten "Ehemaligen" lebendig zu erhalten, wäre die, unsere Schule nach ihm zu benennen. Einen ersten Versuch dazu gab es im Vorfeld jenes Studienwettbewerbs Mitte der 80-er Jahre. Mehrheitsfähig war der Vorschlag damals (noch?) nicht. Aber warum sollte heute nicht darüber gesprochen werden?
Natürlich ist uns das "MLG" als Name vertraut und bürgt für Qualität. Aber wenn wir den "Türkenlouis", den alten Haudegen, als Namenspatron unserer Schule mit Reinhold Schneider, dem "Gewissen Deutschlands" in schwieriger Zeit, vergleichen - gäbe es da keine Gründe, auch Reinhold Schneider als Namensgeber in Erwägung zu ziehen? Und wenn wir sehen, wie zufällig der Name "Markgraf-LudwigGymnasium" in der Nachkriegszeit zustandegekommen ist - wäre es da, im Jubiläumsjahr, nicht vorstellbar, gemeinsam neu nachzudenken? Was Hermann Hesse in Calw recht ist, könnte Reinhold Schneider in Baden-Baden billig sein. Ich kann mir jedenfalls manche Schule vorstellen, die sich glücklich schätzen würde, sich nach einem so bedeutenden "Ehemaligen" nennen zu können.

Über jede Namensüberlegung hinaus aber wird es wichtig sein, daß der Geist und das Erbe Reinhold Schneiders an unserer Schule eine Heimstatt haben: Einer Welt, die ihre Konflikte oft mit Gewalt zu lösen versucht, setzt er die Achtung vor der Würde des Menschen, vor der Freiheit des Gewissens und den Geist der Versöhnung entgegen.

So dem Erbe ihres ehemaligen Schülers Reinhold Schneider verpflichtet, kann unsere Schule getrost in ihr zweites Jahrhundert gehen. Und - wer weiß? - vielleicht holt sein Name sie in diesem 2. Jahrhundert doch noch ein ...

Dekan Manfred Wahl, Offenburg
Lehrer am MLG von 1969-1987

Beitrag in der Festschrift zum 100-jährigen Bestehen des Markgraf-Ludwig-Gymnasiums Baden-Baden im Jahr 1992


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