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Biografie Hans Goltz

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Am 12. Juli 1944 wurden mit Wohnung und Atelier das gesamte Jugendwerk meiner Mutter bei dem Luftangriff auf München vernichtet. So ist das, was der »Völkische Beobachter« schrieb, buchstäblich grauenvolle Wirklichkeit geworden. 

Meine Großmutter Gertrude Goltz und ich wurden als Totalgeschädigte nach Thurnsberg/Obb evakuierten und kamen im August 1945 nach München zurück. Obwohl die Militärregierung (6870 DISCC) unsere Rückkehr nach München ausdrücklich befürwortet hatte, wurde uns am 28.11.45, nach Ablauf von 6 Wochen, die Rückkehrbewilligung von der Stadt München verweigert - und damit auch die weitere Zuteilung von Lebensmitteln in München. Erst ein Brief des St. M. f. Unt. u. Kult. vom 5. Dez. 1945 an den zuständigen Stadtrat brachte Abhilfe.

Dann lebte ich bis 1952 mit meiner Mutter und meiner Halbschwester Tabitha, wie bereits bercihtet, unter absolut menschenunwürdigen Bedingungen in einem Zimmer im Hause Kaulbachstrasse 92/III in München, wo meine Mutter schon 1944 eingewiesen worden war. Am 24. März 1952 wurde mein ebenfalls farbiger Halbbruder Niel geboren.

"Negerkinder unerwünscht?" fragte REVUE (Nr. 50/1952):  "Kein Vermieter wird sich bereit finden, Fräulein Goltz als Mieterin aufzunehmen", stellte das Städtische Wohnungsamt in München fest, ...Inzwischen soll Charlotte Goltz nur eine »Sonderunterkunft« in einer Baracke erhalten." Auch die Stadt München als Vermieter nicht?

Daraufhin wurden wir in ein anderes Elendsquartier eingewiesen, in der Zornedinger Straße. Dort waren die rassistischen Übergriffe noch viel härter, als in der Kaulbachstrasse. Schließlich bekamen wir eine Wohnung in der "Maikäfersiedlung", wo wir alle bis zum Erwachsenenalter bleiben mussten. Auch diese Wohnung war nichts weiter als eine Notwohnung, ohne Heizung, ohne Bad.

"Da die Firma Hans Goltz glaubwürdig und amtbekannt keinen aktiven Vermögenswert dazu gewonnen hatte, sah ich mich gezwungen, da mein eigenes bildhauerisches Werk restlos vernichtet und ich mit T.B.C. und drei Kindern auf Einkommen nicht rechnen konnte, mit denen ich die Forderungen meines Bruders hätte erfüllen können, am 29. Dezember 1960 mein Vertragsverhältnis zu kündigen."  So schreibt meine Mutter am 24.09.1968 an das Ausgleichsamt München.

Von dort wurde ihr gesamter Kriegssachschaden nach der 13. FeststellungsDV, die die Feststellung von Verlusten eines bildenden Künstlers an eigenen Erzeugnissen durch Anknüpfung an die Einkünfte des Geschädigten in den Jahren 1937 bis 1939 regelt,  auf RM 1.094,-- festgestellt. Dabei wurde offenbar nicht berücksichtigt, dass sie in den entscheidenden Jahren 1937/38/39 keine Einkünfte nachweisen konnte. Die Gründe sind bekannt. Wer sie nicht sieht, ist blind. Die Hinnahme eines solchen Bescheides bedeutet nichts anderes, as die Billigung des NS-Unrechts, zumindest sehe ich das so. 

Meine Mutter stellte im Oktober 1972 einen Antrag auf Entschädigung nach dem BEG wegen Schadens an Körper und Gesundheit, an Vermögen und im beruflichen Fortkommen. Dieser wurde aus formellen Gründen (Fristversäumung) abgelehnt, eine Klage beim LG München I und die Berufung zum OLG München blieben erfolglos. Leider existiert im Freistaat Bayern kein eigener Härtefonds für NS-Opfer, die aus formellen Gründen keine Entschädigung erhalten konnten.

Allen Widrigkeiten zu Trotz war es mir gelungen, eine gediegene Reputation als Gitarrist zu schaffen, bis mich das Verfolgtenschicksal meiner Mutter einholte.

Ich kann nichts dafür, dass sich meine wirtschaftliche Situation als Studiomusiker krass verschlechtert hat. Substitutive Technologieträger haben nicht nur uns Studiomusiker vom Arbeitsmarkt verdrängt. Eine bittere Ironie des Schicksals ist darin zu sehen, dass man mir 1987 eine Anerkennung als Musiklehrer für Gitarre von Amts wegen versagt hat, und mir 13 Jahre später, als ich schon (für hiesige Verhältnisse) zu alt war, diese amtliche Anerkennung zugestanden hat; dabei hat 2000 keine andere Qualifikation als 13 Jahre früher vorgelegen.

Auch meine weiteren Initiativen, z.B. die öffentlich anerkannten Projekte 200 Jahre Odessa, Farblichtmusik (Förderpreis DEMOKRATIE LEBEN 1997 des Deutschen Bundestages) oder Ausstellungsforum für junge Künstler wurden in keiner Weise gebührend gefördert, wie z.B. nach Art. 140, Z. 2 der Verfassung des Freistaates Bayern.
Ich bin 1943 geboren und habe unter unsäglichen Demütigungen und Entbehrungen Musik studiert, und bin, vielen Kritikern zufolge, ein guter Gitarrist geworden. Allerdings ging es ab Mitte der 80er Jahre wirtschaftlich bergab. Wie viele Studiomusiker hat auch mich die Elektronikwelle weitgehend in die Defensive gedrängt. Ein Standbein waren für mich seither meine "Einsätze" am Staatstheater am Gärtnerplatz, in München. Wo in den Produktionen dieses Hauses Gitarre notwendig  wurde, da hat man mich engagiert. Und da geschah dann das für mich immer noch Unfassbare. 1999 brachte das Theater das Werk eines zeitgenössischen Komponisten mit einem äußerst schwierigen Gitarrenpart aus "Wenn die Zeit über die Ufer tritt", dabei zog ich mir eine Ulnaris Parese zu, eine Berufserkrankung. Nur genoss ich nicht den Schutz der Staatlichen Unfallversicherung, ein Umstand, auf den ich von Amtswegen niemals hingewiesen worden war. Auch ein Rechtsstreit, den ich vorm Arbeitsgericht auszutragen leider gezwungen war, "konnte" keine Abhilfe schaffen. (Eine Ristitutionsklage wäre, so denke ich, angesagt.) So bin ich beim Bayer. Staatstheater am Gärtnerplatz in Ungnade gefallen, nur weil ich unseren Grundgesetz für bindend halte: gleiches Recht für jeden, der gemeinsam mit anderen eine Gesamtleistung erbringt. So bin ich durch eine völlig ungerechtfertigte Ausgrenzung ausgeschaltet und in meiner Berufstätigkeit und Altersversorgung schwer geschädigt. Auch dies sehe ich als Diskriminierung, mit anderen Worten: als "Hineinhauaktion".

 

 


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