Das Ei des Hippokrates

Was ein Ei ist, weiß jeder. Was sich hinter dem Begriff Hippokrates verbirgt, ist wohl einer wesentlich geringeren Anzahl an Menschen, vornehmlich aus der Schar der Heilkundigen stammend, bekannt. Dass Hippokrates, der Diener des griechischen Heilgottes Asklepios, im 5. Jahrhundert vor Christus ein Gelübde gegenüber diesem Gott und allen weiteren Göttern des Olymp abgelegt hat, seine Heilkunst nach seinen besten Kräften zum Wohle der Mitmenschen einzusetzen, müsste zumindest den Schulmedizinern geläufig sein, da sich diese auch im 3. Jahrtausend nach Christus dazu verpflichten, gemäß dem Eid des Hippokrates zu verfahren.

Womit, wie Karl-Heinz Claus schlussfolgert, der griechische Priesterarzt der Antike der Medizin ein dickes Ei ins Nest gelegt hat, nämlich "ständig Diener der Menschheit und der im Menschen wirkenden Natur zu sein".

Diese Erkenntnis belegt der Autor auf humorvolle Weise, indem er einen Streifzug durch die Entwicklungsgeschichte des Menschen und die der Heilkunst und -kunde unternimmt. Ein umfangreiches, vielfältiges Wissen muss sich hinter den kurzweilig formulierten Kapiteln verbergen, wird bereits nach der Lektüre der ersten Seiten klar, schwingt er doch offenbar mühelos zwischen den Urahnen des Menschen und deren Gepflogenheiten bis zu truppenärztlichen Untersuchungen der Neuzeit hin und her. Oder aber er spannt den Bogen von mosaischen Hygienebestimmungen bis zu den Lazarettzügen des Zweiten Weltkriegs, von der Badekultur der Römer bis zum Kampf verantwortungsbewusster Ärzte um hygienische Bedingungen in den Spitälern des 19. Jahrhundert, von
Paracelsus, Christoph Wilhelm Hufeland und Robert Koch zum guten, alten, menschlichen Landarzt, der zuweilen heute noch zu finden ist.

Man könnte meinen, sich in geselliger Runde zu befinden und einem toleranten Sachverständigen auf dem medizinischen Sektor zu lauschen, oder mit eben jenem ausgedehnte Wanderungen durch Feld und Flur zu unternehmen, während er dieses Kraut oder jene Beere in seiner oder ihrer heilkräftigen Wirkung erklärt und amüsante Geschichten darum windet.

Am Ende der Geschichten lässt Karl-Heinz Claus Hippokrates höchstpersönlich auf das Ei im Nest hinweisen und ihn sich mit dem modernen Leben auseinandersetzen. Etliche mahnende Worte folgen einer kritischen Bestandaufnahme und gipfeln in der Feststellung, es sei inhuman, dass unter anderem das als Pflegestätte bewährte alte Hospital zu einer medizinischen Reparaturwerkstatt werde, um mit den Worten zu enden:

"Es ist andrerseits ein Irrtum zu glauben, Gesundheit und Krankheit seien ausschließlich abhängig von dem, was der Doktor tut. Ihr irrt, wenn ihr meint, die krankhafte Schuld auf die Umwelt abschieben zu können: Es gibt keine Heilung, wenn ihr nicht selbst dazu beitragt!"

Einen Irrtum begeht sicherlich niemand, der sich durch diese kleine Kulturgeschichte der Gesundheit zu vergnügtem Schmunzeln und heiterer Nachdenklichkeit anregen lässt.


Das Buch ist im
Pro Business Verlag erschienen.

Rezension:
Rika Wettstein, Baden-Baden

Über den Autor:

Karl-Heinz Claus, verstorben am 20. Dezember 2005, war Jahrzehnte lang in der Pharmaindustrie in leitender Position tätig und lebte viele Jahre in Baden-Baden. Im Rahmen seiner Tätigkeit, die auch das Erkennen sich entwickelnder Trends beinhaltete, erwarb er sich ein umfangreiches Wissen zum Komplex Gesundheitspflege, das er in Fachbüchern, Fachartikeln und Fachvorträgen wiedergab.

Als Ergebnis seiner ein ganzes Berufsleben dauernden Beschäftigung mit der menschlichen Gesundheit kann die "Kleine Kulturgeschichte der Gesundheit": "Das Ei des Hippokrates" gewertet werden.


Das Ei des Hippokrates

Das Ei des Hippokrates
Kleine Kulturgeschichte der Gesundheit
Von Karl-Heinz Claus
276 Seiten, zahlreiche Illustrationen, Festeinband mit Schutzumschlag, Pro Business Verlag

Gleich bestellen



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