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Das Wehrgeschichtliche
Museum in Rastatt

1934 gegründet, ist das Museum seit 1956 im Rastatter Schloss untergebracht. Die Zeitspanne von 1500 bis 1918 wird dem Besucher mit Präsentationen verschiedenster Art nahe gebracht. Das Wehrgeschichtliche Museum verfolgt das Ziel, das Verhältnis von Staat, Gesellschaft und Militär darzustellen. Es versteht sich nicht als reines Militärmuseum, sondern bindet die Militärgeschichte in die gesellschaftlichen Zusammenhänge der jeweiligen Zeit ein. Eine Fülle von Uniformen, Blank- und Feuerwaffen, Fahnen, Orden und historischen Dokumenten hat das Museum, für welches bis 1996 allein das Bundesverteidigungsministeriums verantwortlich zeichnete, im Laufe der Zeit gesammelt. Die Sammlungsstücke vermitteln die Beziehungen zwischen Soldaten und Zivilisten, sowie zwischen Militärgeschichte und Wirtschafts-, Sozial- und Technikgeschichte.

Zu ihnen zählen auch Hut, Jacke und Gürtel einer der Symbolfiguren der
Revolution von 1848/49. Friedrich Hecker trug diese Kleidungsstücke, als er mit Abertausenden "Einigkeit und Recht und Freiheit" für das deutsche Volk einforderte.

Mehr Infos:
www.wgm-rastatt.de




Aufregung um Heckers Gürtel

Im Sommer 2004 kristallisierte sich heraus, dass sich das Bundesverteidigungsministerium nicht nur gänzlich aus dem Rastatter Museum zurückziehen wolle. Es wurde auch die Absicht bekannt, den Gürtel des badischen Freiheitshelden in das Militärhistorische Museum nach Dresden bringen zu lassen. Hut und Jacke Heckers befinden sich im Besitz des Landes Baden-Württemberg und könnten demnach in Rastatt bleiben. Der zum Bundeseigentum zählende Gürtel soll aus dem Ensemble verschwinden.

Friedrich Hecker

Friedrich Hecker in seiner Uniform

Das Badische Tagblatt berichtete am 23. Juli 2004 über dieses Vorhaben. Um zu verhindern, dass der Gürtel in "irgendeinem Depot in Sachsen" (BT 23.7.2004) landet, hat www.bad-bad.de sich am 23.7.2004 an den zuständigen Parlamentarischen Staatssekretär im Verteidigungsministerium Walter Kolbow gewandt:

Thema:  Friedrich Heckers Gürtel im Wehrgeschichtlichen Museum von Rastatt
Datum:  23.07.04t

An: walter.kolbow@bundestag.de

Kopie an:   posteingang@bundespraesident.de
Kopie an:   wolfgang.thierse@bundestag.de
Kopie an:   ute.vogt@bundestag.de
Kopie an:   nicolette.kressl@bundestag.de
Kopie an:   gkaufmann@t-online.de
Kopie an:   information@wgm-rastatt.de
Kopie an:   redra@badisches-tagblatt.de


Sehr geehrter Herr Kolbow,

das Badische Tagblatt hat berichtet, "der Bund" wolle sein Engagement im Wehrgeschichtlichen Museum in Rastatt aufgeben. Dies allein mutet den Durchschnittsbürger schon etwas merkwürdig an, da er ergänzend zur Kenntnis erhält, das Militärhistorische Museum in Dresden solle für 35 Millionen Euro umgebaut werden.

Völlige Verständnislosigkeit stellt sich ein ob des Vorhabens, den Gürtel, den Friedrich Hecker - Symbolfigur der Badischen Revolution von 1848/49 - getragen hat, von Rastatt nach Dresden "umzuziehen".

Aufsehen um einen Gürtel sei unangebracht, könnte argumentiert werden. Diesem gilt jedoch entgegenzusetzen, der Gürtel, der die Kleidungsstücke Heckers im Wehrgeschichtlichen Museum in Rastatt komplettiert, gehört zum (An)Fassbaren dieses Streiters für eine freiheitliche Demokratie und gegen kleinstaaterische Engstirnigkeit im 19. Jahrhundert. Für viele unfassbar wird deshalb sein, dass einem solchen kleinstaatlichen Denken im Zeitalter des vereinten Deutschlands und der Europäischen Union durch das Entfernen des Gürtels Genüge getan werden soll.

Für "den Bund", also eigentlich uns alle, stellt sich die - unseres Erachtens klar zu verneinende - Frage: Wollen wir uns wirklich diese Blöße geben?

Mit freundlichen Grüßen
Wolfgang Peter
Baden-Baden im Internet
www.bad-bad.de

Rika Wettstein
Redaktion des ultimativen Stadtführers
Baden-Baden im Internet
www.bad-bad.de




Am 1. September 2004 antwortete Herr Kolbow:

Sehr verehrte Frau Wettstein,
Sehr geehrter Herr Peter,

für Ihre gemeinsame E-Mail vom 23. Juli 2004, mit der Sie die Verlagerung der Exponate von Rastatt nach Dresden beklagen, die beim Wehrgeschichtlichen Museum Rastatt im Eigentum des Bundes stehen, danke ich Ihnen.

Nicht der Bund, die Stadt Rastatt hat die Grundvereinbarung vom 12. Dezember 1996, in der die Rechte und Leistungen  der  Zuwendungsgeber  für  das Wehrgeschichtliche Museum Rastatt geregelt sind, mit Ablauf des 31. Dezember 2004 gekündigt.

Dieser Sachverhalt ist auch für die Bewertung der Frage der Rückführung der Exponate  des  Wehrgeschichtlichen Museums Rastatt, die im Eigentum des Bundes stehen, maßgeblich. Mit Ablauf des 31. Dezember 2004 entfällt die vertragliche Grundlage für die  Exponatleihgaben des Bundes auf Grund der Kündigung durch den Oberbürgermeister der  Stadt Rastatt. Zugleich entfällt damit auch die Grundlage für die Gewährung des für die   Pflege der Bundesexponate vorgesehenen Barzuschusses in Höhe von 51.000 Euro. Daher müssen die Exponate vom Bund als Eigentümer zurück genommen werden.

Sicherlich wird es möglich sein, einzelne Exponate des Bundes, die für die Darstellung der Militärgeschichte des deutschen Südwestens wichtig sind, zum Beispiel den Gürtel Friedrich Heckers, mit Hilfe noch abzuschließender Leihverträge über den 31. Dezember 2004 hinaus in Rastatt zu belassen.

Zu gegebener Zeit, wenn feststeht, dass das Wehrgeschichtliche Museum Rastatt von den beiden verbleibenden Zuwendungsgebern, Land Baden-Württemberg und Stadt Rastatt, weitergeführt werden kann, wird über eine solche Überlassung von Leihgaben des Bundes entschieden.

Ich hoffe, dass diese Informationen für Sie dienlich sind.

Mit freundlichen Grüßen
gezeichnet Unterschrift
Walter Kolbow


 


Harald Besinger kommentierte am 24. Juli 2004 im Badischen Tagblatt:

Die Rastatter und ihr Museum...

Eigentlich ist Verteidigung ja Bundessache. Und alles, was mit Soldaten und Kriegen zu tun hat, gehört demzufolge logischerweise ins Verteidigungsressort. Doch dass das Verteidigungsministerium 1996 die alleinige Verantwortung für das Rastatter Wehrgeschichtliche Museum abgab, hat der Einrichtung im Rastatter Südflügel nur gut getan: Aus einer vor allem unter militärischen Aspekten eingerichteten Waffenschau (die Bundeswehr karrte fast täglich Busladungen von Soldaten an) wurde so ein Museum, das neben der Wehrgeschichte auch die sozialen Aspekte der Geschichte darstellt - und das in einer Weise, die das Museum für jeden auch nur halbwegs an Geschichte Interessierten sehenswert macht.

Doch wer weiß das schon in Rastatt und Umgebung? Wie viele Rastatter haben das WGM im Südflügel des Schlosses schon besucht, seitdem es vor einigen Jahren ganz neu eingerichtet wurde? 100? 1 000? Oder waren es gar 2 000? Sehr viele können es jedenfalls nicht gewesen sein. Denn sonst würde die Bevölkerung die seit Jahren anhaltende Diskussion um die Finanzierung des Museums und speziell die jüngsten Ereignisse nicht so teilnahmslos hinnehmen. Eine Volksbewegung, die sich für das WGM einsetzt, ist nicht einmal in Ansätzen zu erkennen.

Das hat OB Klaus Eckhard Walker, seit je her mit einer feinen Antenne für alles ausgestattet, was dem Volk (und damit alle acht Jahre den Wählern) wichtig ist, schon lange erkannt. Seit Jahren hat er kaum eine Gelegenheit ausgelassen, darauf hinzuweisen, dass das WGM keine kommunale Aufgabe sei. Die (Nicht-) Reaktion der Bevölkerung gab ihm da Recht. Denn Widerspruch gab es nicht. Und es steht zu befürchten, dass außer den üblichen Verdächtigen niemand etwas vermissen wird, wenn es das WGM irgendwann gar nicht mehr gibt.




Bund bleibt beim Ausstieg/Stuttgarter Ministerium soll prüfen, ob auf Dauer "ein lebendiges Museum betrieben werden kann"

WGM: Zukunft ungewiss

Noch nicht entschieden ist, wie es mit dem Wehrgeschichtlichen Museum (WGM) weitergeht: Bei der gestrigen Aufsichtsratssitzung der WGM-GmbH änderte sich am vom Bundesverteidigungsministerium angekündigten Ausstieg nichts.

Manfred Walz, Präsident der Oberfinanzdirektion Karlsruhe und Vorsitzender des Aufsichtsrats, informierte über den Verlauf der Sitzung: Der Vertreter des Bunds, der an der Sitzung teilnahm, habe kein Mandat für Verhandlungen über den bereits verkündeten Ausstieg gehabt. Für Walz kam dieser Ausstieg insofern nicht überraschend, als der Bund schon vor Jahren deutlich gemacht hatte, dass er über sein Engagement in Rastatt (51 000 Euro plus drei Personalstellen) nachdenken werde, wenn einer der Gesellschafter seine Leistung reduziere. Dies sei nun geschehen: Die Stadt hat ihren Beitrag auf 140 000 Euro, das Land seinen Anteil auf 220 000 Euro reduziert. Anlass der ganzen Misere sei es gewesen, dass die Stadt die vom WGM genutzten Räume in der Karlschule für sich reklamiert hatte. Jahrelang habe er, so Walz, versucht, dies ohne Kündigung der Grundvereinbarung hinzubekommen. Nun habe die Stadt die Grundvereinbarung gekündigt und damit "den ganzen Trouble ausgelöst".

Dass die Stadt nun ein Stockwerk in der ehemaligen Standortkommandantur für Zwecke des WGM anbiete, sei für ihn kein Entgegenkommen, betonte Walz: Für Magazinzwecke stehe der landeseigene Marstall beim Schloss zur Verfügung. "In den passt alles rein." Die Stadt wolle jedoch den Marstall für Events erhalten. Deshalb habe sie Räume in der Standortkommandantur angeboten.

Der GmbH-Geschäftsführer Kai Uwe Tapken habe in der Sitzung betont, dass das Museum auch unter den veränderten Bedingungen (360 000 Euro jährlich von Land und Stadt) weiter betrieben werden könne. Dagegen habe er, so Walz, dem Landesministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst einen Prüfungsauftrag gegeben:

Das zuständige Referat im Ministerium soll untersuchen, ob unter den jetzigen Bedingungen "ein lebendiges Museum betrieben werden kann".

Badisches Tagblatt, 28.7.2004



Rastatter Schloss
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