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Oberrheingraben

Oberrheingraben (blau) von Basel bis Frankfurt; im Nordwesten die Kölner Bucht. Farbgebung = digitales Höhenmodell (Abbildung: WIKIPEDIA)


BADEN-BADEN   Umgebung


Die Rheinebene

Die vom Rhein durchflossene Oberrheinische Tiefebene - häufiger Oberrheingraben oder Rheingraben oder Rheintalgraben oder verkürzt Rheinebene genannt - ist ein 300 km langes und 30 bis 45 km breites, tektonisch entstandenes Tal in Südwestdeutschland. Sein südwestliches Viertel gehört zur Region Straßburg und Colmar/Mülhausen (
Elsass), sein südlichster Teil bei Basel zur Nordwestschweiz. Der nördlichste Teil reicht bis ins Rhein-Main-Gebiet mit der Metropole Frankfurt am Main.

Der Oberrheingraben stellt einen seit etwa 45 Millionen Jahren aktiven Grabenbruch dar, eine mindestens 20 km tiefe Einsenkung der Erdkruste. Gelegentliche leichte Erdbeben und alte Lava-Ablagerungen an den Grabenrändern zeugen von der immer noch vorhandenen tektonischen Aktivität der Region.

Der Graben gehört zu einer langen, geologisch teilweise bis Afrika wirkenden Schwächezone der Erdkruste. Ähnlich wie zahlreiche Sedimentbecken wurde diese Zone beim langsamen Absinken (sporadisch einige mm pro Jahr) gleichzeitig durch fluviatile Sedimentation aufgefüllt. Diese inzwischen verfestigten Schichten gehören vor allem zum Tertiär. Bei Karlsruhe sind sie etwa 5 bis 10 km mächtig. Ihr Verlauf und ihre abschwächende Wirkung auf das Erdschwerefeld ist seit langem ein wichtiges Forschungsthema für Geodäsie und Geophysik

Im Süden ist die Oberrheinische Tiefebene am breitesten - bei Freiburg im Breisgau und
Straßburg über 40 km - und wird dort nach Osten durch den Schwarzwald begrenzt, im Westen durch die Vogesen. Sein etwas schmälerer Nordteil (nur beim Kraichgau 40 km) wird östlich vom Odenwald begrenzt, westlich vom Pfälzerwald und dem rheinhessischen Hügelland.

Der Rhein fließt von Südosten - von Schaffhausen und dem Bodensee her - als Hochrhein zu, wird in der breiten Ebene Oberrhein genannt und verlässt sie im Nordwesten als Mittelrhein.

Dort, wo er bei Mainz in den Rheingau eintritt, endet der Rheingraben orografisch. Das Tal verengt sich um fast 99 Prozent und bildet bei Koblenz und bis Bonn das Durchbruchstal im Bereich einiger erdgeschichtlich alter Gebirge (Rheinisches Schiefergebirge: Hunsrück, Eifel, Taunus und Westerwald). Diese Landschaft des "Mittelrhein" hat die UNESCO im Jahr 2002 zum Weltkulturerbe erhoben.

Infolge der geringen Höhe über dem Meeresspiegel (im Mittel um 150 m) und der schützenden Gebirge an den Flanken herrscht in der Oberrheinischen Tiefebene ein sehr mildes, um den
Kaiserstuhl im Süden schon fast mediterranes Klima. Am 5. August 2003 wurde in Möhlin (Schweiz), im südöstlichsten Teil der Oberrheinischen Tiefebene, mit 40,3° C die höchste Temperatur nördlich der Alpen gemessen.

Bis ins 19. Jahrhundert waren die rheinnahen Gebiete durch Sümpfe und häufige Überschwemmungen charakterisiert und für Landwirtschaft und Bebauung schlecht geeignet. Dies änderte sich mit der Begradigung des Rheins zwischen 1817 und 1876 durch Johann Gottfried Tulla und seine Nachfolger. Manche der ursprünglichen Rheinwindungen blieben als Altrhein-Arme erhalten, wie z.B. der
Taubergiessen, und sind heute teilweise renaturiert, wie auch die Wasserqualität des Rheins allmählich wieder steigt.

Die Tiefebene ist durch die Sedimentierung ungewöhnlich glatt, sodass der Rhein bis zur Regulierung vor 150 Jahren zahlreiche Mäander und Sumpflandschaften bildete.

Der Südosten des Rheingrabens heißt Breisgau. Der fruchtbare, 557 Meter hohe
Kaiserstuhl nordwestlich von Freiburg ist ein vulkanisches Massiv von 110 km². Es ragt wie eine Insel aus der badischen Rheinebene auf und ist vermutlich durch das Absinken früherer Gesteine entstanden, die sich - wie noch heute in vielen Vulkanzonen zu beobachten - im Sinken erhitzten und einen Magmastrom nach oben öffneten.

Die Form dieses relativ jungen Gebirges, das sich trotz Erlöschen des Vulkans und anhaltendem Absinken noch 400 Meter über das Rheintal erhebt, ähnelt einem nach Südwesten geöffneten Hufeisen. Die Hänge sind von fruchtbaren Lößböden bedeckt, wo im milden Klima Rebkulturen und empfindliche Obstsorten gedeihen, aber auch mediterrane Pflanzen.

Städte und bekannte Orte in der oberrheinischen Tiefebene:
Großstädte im Oberrheingraben (rheinabwärts)
Basel (Schweiz)
Mülhausen (Frankreich)
Freiburg im Breisgau (Deutschland)
Straßburg (Frankreich)
Karlsruhe (Deutschland)
Heidelberg (Deutschland)
Mannheim (Deutschland) '
Ludwigshafen am Rhein (Deutschland)
Darmstadt (Deutschland)
Frankfurt am Main (Deutschland)
Wiesbaden (Deutschland)
Mainz (Deutschland)

Andere Städte und bekannte Orte (rheinabwärts):
Colmar, Breisach, Bötzingen, Emmendingen, Wyhl, Ettenheim, Schwanau, Lahr, Neuried, Weil am Rhein und Offenburg.

Ab Straßburg: Schiltigheim, Haguenau (beide F), Baden-Baden, Rastatt, Weingarten (Baden), Bruchsal, Landau in der Pfalz, Neustadt an der Weinstraße, Speyer, Hockenheim, Schifferstadt und Schwetzingen.

Ab Ludwigshafen/Mannheim: Frankenthal (Pfalz), Worms, Lorsch, Gernsheim, Rüsselsheim, Neu-Isenburg, Offenbach am Main und Oberursel (Taunus).

Zwei bedeutende deutsche Wirtschaftsregionen liegen in der Oberrheinischen Tiefebene, das Rhein-Neckar-Dreieck mit Mannheim, Ludwigshafen und Heidelberg sowie das Rhein-Main-Gebiet mit Frankfurt, Mainz und Wiesbaden.


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