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Bühl - Religion/Synagoge

Die Gemeinde Bühl gehörte anfangs zum Bistum Straßburg. Unter Markgraf Bernhard III. und Philibert sowie unter baden-durlachischer Verwaltung ab 1594 gab es reformatorische Bestrebungen, doch wurden die katholischen Gottesdienste nicht eingestellt. Ab Mitte des 17. Jahrhunderts kehrte die Bevölkerung jedoch wieder zum Katholizismus zurück. Die Gemeinde gehörte ab 1808 zum Bistum Konstanz und ab 1821 zum neu gegründeten Erzbistum Freiburg. Bühl wurde dem Dekanat Baden-Baden zugeordnet. Im Stadtgebiet gibt es heute folgende Pfarrgemeinden bzw. Kirchen: Seelsorgeeinheit Bühl-Stadt mit den beiden Stadtpfarreien St. Peter und Paul (Kernstadt) und St. Maria (Kappelwindeck), St. Gallus Altschweier (Kirche 1863 erbaut), St. Matthäus Eisental (Kirche 1828 erbaut), St. Dionysius Moos (Kirche 1788 erbaut), St. Carolus Neusatz (Kirche 1912 erbaut) und St. Karl Borromäus Neusatz, St. Johannes der Täufer Vimbuch (Kirche 1889 erbaut; zuständig auch für Balzhofen, Oberbruch und Oberweier, wobei es in Oberweier eine Kapelle von 1720 gibt, die 1896 umgebaut wurde) und "Zum Hl. Blut" Weitenung (Kirche erbaut 1923).

Anfang des 19. Jahrhunderts zogen auch wieder Protestanten nach Bühl. Eine evangelische Gemeinde gab es ab 1850, die zunächst von Illenau aus versorgt wurde. Einen eigenen Pfarrer gab es ab 1854. Zwei Jahre später erhielt die Gemeinde ein Bethaus und ab 1892 eine eigene Kirche, die 1967 neu erbaut wurde (die heutige Johanneskirche). Die Gemeinde gehörte zunächst zum Kirchenbezirk Rheinbischofsheim, heute zu Baden-Baden und Rastatt. Zur Johannesgemeinde Bühl gehören auch die Protestanten aus einigen Stadtteilen Bühls. Die evangelischen Gemeindeglieder der Stadtteile Altschweier, Neusatz und Sand gehören jedoch zur Christusgemeinde Bühlertal, zur der auch noch Ottersweier gehört.

In dem bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts zur Markgrafschaft Baden gehörenden Bühl bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938. Ihre Entstehung geht bis in das 16. Jahrhunderts zurück. Erstmals werden 1579 Juden in der Stadt genannt. Nach einer vorübergehenden Ausweisung nach 1622 gab es 1698 wieder elf jüdische Haushalte mit 90 Personen, 1721 waren es siebzehn Familien. 1827 wurde Bühl Sitz eines Bezirksrabbinates, zu dem bis zu 15 jüdische Gemeinden in der Umgebung gehörten. Rabbiner Dr. Baruch Mayer wurde auf Grund seiner Verdienste zum Ehrenbürger der Stadt ernannt. Die höchste Zahl jüdischer Einwohner wurde um 1864 mit 301 Personen erreicht. Bis um 1900 ging die Zahl durch Abwanderung auf 226 zurück. Bereits im 19. Jahrhundert bestanden zahlreiche jüdische Handels- und Gewerbebetriebe, die von großer Bedeutung für das wirtschaftliche Leben in der Stadt waren. Um 1933 gab es im Besitz jüdischer Familien noch Branntweinbrennereien, Textilgeschäfte, Viehhandlungen, Eisenwarenhandlungen und Haushaltsgeschäfte, eine jüdische Gastwirtschaft und anderes mehr. Auf Grund der Judenverfolgungen und -ermordungen in der NS-Zeit kamen von den 1933 in Bühl lebenden 72 jüdischen Einwohnern mindestens 24 ums Leben.

Das jüdische Wohngebiet lag bis ins 19. Jahrhundert hinein im Bereich des Johannesplatzes und den anschließenden Seitengasse (Hänferdorf).

Ende des 17. Jahrhunderts verzeichnete die jüdische Gemeinde von Bühl bereits elf Haushaltungen mit 90 Personen. Spätestens dann waren mehr als zehn religionsmündige jüdische Männer in der Stadt, die für die Feier eines Gottesdienstes nötig waren. 1696 behauptete der Barbier Franz Oser in Bühl, der sich im Streit mit dem Schutzjuden Joseph Jacob befand, dass dieser in seinem Haus unmittelbar neben der Kirche eine "teufflische Synagoge" eingerichtet habe, in der ein "Lumpengesindlein, alle Sabbat-, Sonn- und Feiertage" zusammenkäme. 1705 ersteigerte Joseph Jacob das Gasthaus zum Adler. Ihm wurde damals vorgeworfen, zum "Nachteil der christlichen katholischen Religion" eine Synagoge einrichten zu wollen. Es bleibt unklar, ob sich tatsächlich in einem der Häuser ein Betsaal der jüdischen Gemeinde befand bzw. untergebracht werden sollte.

Spätestens seit 1723 hatte die jüdische Gemeinde einen Betsaal im Wohnhaus von Schmaul und Isak Bodemer. Es handelte sich um das frühere Gebäude Schwanenstrasse 18, ein "dreistöckiges Eckhaus am Ende der Schwanen- früher Kornlaubgasse, am Gewerbekanal". Der Betsaal dürfte im dritten Stockwerk oder im Dachgeschoss des Hauses gewesen sein. Im Untergeschoss war möglicherweise ein rituelles Bad vorhanden. 1927 wurde dieses Haus bei der Modernisierung des Johannesplatzes abgebrochen.

1821 begann die jüdische Gemeinde Bühl mit Planungen, "statt der bestehenden baufälligen Synagoge eine neue in einem angenehmeren Style zu erbauen. Sie hat hierzu ein geeignetes Judenhaus gekauft und nach der Baustelle einen Bauriss verfertigen lassen, den wir anmit gehorsamst vorlegen" (Schreiben des Amtes Bühl an das Großherzoglich Badische Landesdirektorium vom 21.1.1822). Die geschätzten Baukosten von 6000 Gulden wollte die Gemeinde aus eigenen Mitteln aufbringen. Da der Gemeinde gleichzeitig aufgetragen wurde, ein neues rituelles Bad anzulegen, verschob sich zunächst der Baubeginn der Synagoge. Schließlich beschloss man mit Zustimmung der Behörden, zuerst die Synagoge und zu einem späteren Zeitpunkt das Bad zu erstellen. Als Baumeister konnte der Architekt J. Wagner aus Baden-Baden gewonnen werden.

Die neue Synagoge entstand 1823 in Nachbarschaft zur "alten Judenschule". Es wurde ein repräsentatives Gebäude erstellt, dessen klassizistische Fassadengestaltung sich aus der umliegenden Wohnbebauung heraushob. Im Winter wurden die Gottesdienste in einem Betsaal abgehalten, weil die weiträumige Synagoge zu kalt war.

1858 ist die Synagoge renoviert worden. Anlässlich der Wiedereröffnung stiftete das Ehepaar Joseph und Henriette Bielefeld eine kostbare Menora. Zwei Jahre später wurde diese Stiftung von Ehepaar Bielefeld ergänzt durch einen großen goldenen Leuchter. In ihm gab es ein rotes Glasgefäß zur Aufnahme des ständigen Öllichtes für die Verstorbenen und sechs darüber emporragende Lichthalter zur Aufnahme der jeweiligen Jahrzeitkerzen. In den 1850er Jahren wurden in vielen Synagogen des Landes wesentliche Veränderungen in der gottesdienstlichen Ordnung und der Vortragsweise der Melodien durchgeführt. Gleichzeitig wurde ein Harmonium in der Synagoge angeschafft. Nach einem Bericht von 1856 wurden im Bühler Gottesdienst die hebräischen Gesangstücke nach den "Braunschweiger Melodie" gesungen, einzelne einstimmige Tonsätze nach den in Mannheim eingeführten Melodien. Als Gebetbuch verwendete man "so weit als möglich" das Mannheimer Gebetbuch. 1858 wurde ein Synagogenchor gegründet. All diese Veränderungen machten auch dem Bühler Vorsänger David Brandeis einiges zu schaffen. Anlässlich seines 25-jährigen Dienstjubiläums berichtete die "Allgemeine Zeitung des Judentums" 1859: "Der hiesige Vorsänger David Brandeis, ein Mann der alten Schule und im hohen Greisenalter stehend, hat sich mit größter Selbstverleugnung und Hingebung der großen Bemühung unterzogen, welche die seit einigen Jahren schon und namentlich seit der Aufnahme einer Physharmonika (= Harmonium) bei dem hiesigen Gottesdienste eingeführte Ordnung und Vortragsweise ihm auflegen...".

Ein besonderes Jubiläum stand am 1. August 1898 an. Der Synagogenchorverein feierte sein 40-jähriges Bestehen. Unter Leitung von Kantor Bruchsaler wurde ein Konzert in der Synagoge veranstaltet, bei dem die Chöre verschiedene Beiträge darboten. Die Synagoge war angesichts des großen Interesses an diesem Konzert völlig überfüllt.

In der NS-Zeit kamen bereits 1935 Übergriffe gegen die Bühler Synagoge vor. In der Pogromnacht 1938 wurde die Synagoge am Vormittag des 10. November angezündet. Die Aktion wurde von der Kreisleitung der nationalsozialistischen Partei durchgeführt. Die Feuerwehr war angewiesen worden, nur die Nachbargebäude zu schützen. Der Großteil des Synagogeninventars wurde bei dem Brand zerstört. Jugendliche zertrümmerten mit Steinen die Fenster des Rabbinates. In den Tagen nach der Zerstörung der Synagoge ließ die Stadtverwaltung die Brandruine samt den Gebäuden des Meierhofs und der jüdischen Schule abtragen. Die Kosten von 1400 Mark musste die jüdische Gemeinde bezahlen. Da sie über dieses Geld nicht mehr verfügte, entschloss sie sich, das Grundstück der Synagoge hierfür zu verkaufen.

Beim Synagogenbrandprozess nach 1945 wurde ein Beteiligter am Novemberpogrom, ein Mitarbeiter der Kreisleitung zu vier Monaten Gefängnis verurteilt. Der Mann, der die Synagoge anzündete, erhielt eine fünfjährige Zuchthausstrafe.

Das Synagogengrundstück wurde 1983 neu überbaut (an der Stelle der ehemaligen Synagoge heute ein Eiscafé). Am 10. November 1983 wurde von dem damals amtierenden Oberbürgermeister Wendt und Repräsentanten des Oberrates der Israeliten in Baden ein Gedenkstein zur Erinnerung an die Synagoge enthüllt (Johannesplatz 10).

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