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Die
Donaueschinger Musiktage
Wer nach
Orten fragt, die für die Musikentwicklung des
20. Jahrunderts bedeutsam waren und sind, wird
rasch auf den Namen Donaueschingen stoßen -
des Ortes, den schon Thomas Mann als Zentrum neuer
Musik literarisch verewigt hat.
Die 1921 unter fürstlicher Protektion
neugegründeten Donaueschinger Musiktage
existierten fünf Jahre lang als Zentrum
zeitgenössischer Kammermusik - mit Paul
Hindemith als prägender Figur, aber auch mit
Uraufführungen von Berg, Schönberg und
Webern. 1950 gelang ein diesen Blütejahren
adäquater Neubeginn in Zusammenarbeit mit dem
Südwestfunk, der sein Orchester zur
Verfügung stellte und damit einen neuen
Programmschwerpunkt einbrachte.
So konnten wichtige Orchesterwerke nicht nur der
klassischen Moderne (wie Hindemith, Strawinsky und
Schönberg), sondern auch von jüngeren
Komponisten bekannt gemacht werden: Von
Pierre Boulez,
Karlheinz Stockhausen, Luigi Nono und Iannis
Xenakis waren in den fünfziger Jahren
skandalumwitterte Uraufführungen
instrumentaler Werke zu hören. Danach setzten
Krzysztof Penderecki und György Ligeti,
später auch Wolfgang Rihm in
Orchester-Uraufführungen neue Akzente.
Viele renommierte Komponisten aus der zweiten
Hälfte des 20. Jahrhunderts sind hier auch
mehrfach zu hören gewesen, so daß ihre
kompositorische Entwicklung in verschiedenen
Stationen dokumentiert werden konnte, sei es in
neuen Perspektiven, sei es in der
Weiterführung früherer Ansätze. Etwa
in Spätwerken Luigi Nonos aus den achtziger
Jahren, die sich im Instrumentalen und in der
mikroskopisch feinen live-elektronischen
Verarbeitung auf das Innenleben der Klänge
konzentrieren. Oder im live-elektronischen work in
progress "Repons" von Pierre Boulez, das
(ähnlich ambitioniert wie die 1958
uraufgeführte, später zurückgezogene
vorinstrumental-elektronische Komposition
"Poésie pour pouvoir") nach
Möglichkeiten der Verbindung vokaler und
technisch produzierter Klänge sucht.
In den Donaueschinger Programmen aber finden sich
auch Spuren von Ansätzen, die über die
traditionellen, vokal-instrumentalen Klangmittel
und Aufführungsformen und über die
Grenzen der Musik hinausführen: experimentelle
Zufallsmusik (John Cage 1954), musique
concrète (Pierre Schaeffer und Pierre Henry
1953), Neues Hörspiel, Musikfilme,
Multimediaprojekte (Mauricio Kagel, Dieter
Schnebel, Josef Anton Riedl), neuerdings auch
Klanginstallationen verschiedener
Künstler.
Die Vielfalt des Gleichzeitigen verbindet sich in
Programmen aus neuester Zeit mit Ansätzen
thematischer Strukturierung - wie "Musik und
Sprache" oder "Poesie der Abstraktion". Das Konzept
bleibt offen - aufgeschlossen für das
Unerwartete, Neue. (Text: SWR)
Die Donaueschinger Musiktage finden jedes Jahr am
dritten Wochenende im Oktober statt.
Mehr Infos zu den Donaueschinger
Musiktagen.
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