Baden-Badener: Wir sind Consul

Als Joseph Kardinal Ratzinger am 19. April 2005 zum Papst gewählt worden war, jubelte die größte deutsche Boulevardzeitung gewissermaßen stellvertretend für alle Deutschen: „Wir sind Papst“.

Am 24. September 2007 wurde auf Burg Eberstein der Erste Bürgermeister Baden-Badens, Klaus Michael Rückert, in den „Kreis der Consule“ der Vereins Römergarde Baden-Baden e.V. aufgenommen. Und wie titelte die Lokalredaktion des Badischen Tagblatts am 26. September? Nicht überschwänglich: „Wir sind Consul“, sondern ganz profan: „Burg Eberstein verwandelt sich in Römer-Lager“. Dabei hätte es doch allen Grund zu freudigem Überschwang gegeben.

Der seit dem Jahr 1998 aktive Verein, der sich laut Satzung der kulturellen Brauchtumspflege verschrieben hat und sich vornehmlich mit dem Ursprung Baden-Badens in der Tradition der römischen Kaiser und Legionen, die Baden-Baden gründeten, befasst, hat bereits etliche mehr oder weniger bekannte Mitmenschen mit der Consul-Würde ausgezeichnet, beispielsweise die ehemalige Oberbürgermeisterin Sigrun Lang, als erste Titelträgerin während ihrer Amtszeit geehrt, den „Muntermacher der Nation“ Tony Marshall, den FDP-MdB Patrick Meinhardt, Brigitte Goertz-Meissner, in Personalunion Chefin der Stadtvermarktungsfirma, des Kongresshauses und der städtischen Veranstaltungsgesellschaft, sowie seit September 2006 den im Juni 2006 ins Amt gekommenen Oberbürgermeister Wolfgang Gerstner.

Just dieser hielt die Laudatio auf Klaus Michael Rückert und begrüßte ihn als würdiges Mitglied „im Kreis der bedeutenden Persönlichkeiten bereits ernannter Consule“. (Badisches Tagblatt, 26.09.2007)

Der Text der Ehrenurkunde besagt unter anderem:
„Dieser Titel bedeutet eine karnevalistische Ehrung und zeigt die Verbundenheit seines Trägers zur Römer-Garde e.V. in brauchtümlicher, sowie auch fasnachtlicher Tradition.“

Es empfiehlt sich, sich in Erinnerung zu rufen, welche Funktion und welche Stellung die Consuln im antiken Rom hatten. Das Consulat war das höchste zivile und militärische Amt in der Beamtenlaufbahn des Römischen Reiches. Zwei Consuln wurden pro Jahr vom Volk gewählt.

Da nun unsere beiden ranghöchsten Stadtbeamten, der eine von den Bürgern, der andere vom Gemeinderat gewählt, dem erlauchten Zirkel der kulturellen Brauchtumspflege, die ohne Weiteres auch als Narretei empfunden werden kann, angehören, ließe sich in Anlehnung an die BILD-Euphorie des Jahres 2005, in diesem Fall gewissermaßen stellvertretend für alle Baden-Badener, doch bestens konstatieren: „Wir sind Consul“.

Von Rika Wettstein, Baden-Baden


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