Baden-Baden, der Wind und die Infrastruktur

Es ist mittlerweile eine Binsenweisheit: Der Natur, eigentlich mehr dem Menschen zuliebe müssen Alternativen für all die belastenden technischen Errungenschaften des 20. Jahrhunderts gefunden und eingesetzt werden. Zur Debatte stehen unter anderem Windkraftanlagen als Stromlieferanten an Stelle von Atom- und Kohlekraftwerken.

Auch in der Region wurden Städte und Gemeinden aufgerufen, so genannte Vorrangflächen für die Errichtung von Windkraftanlagen auszuweisen. Dieser Aufruf erzeugte viel Wind und Gegenwind in den jeweiligen Parlamenten.

Baden-Badens Stadtregierung und Gemeinderat
konnten sich für einen solchen Flächenausweis nicht erwärmen und lehnten ihn ab.

Beifall für diese Entscheidung erhielten die Nein-Sager von der für die Industrie- Handels- und Dienstleistungsbetriebe in der Region zuständigen IHK Karlsruhe. Am 16. Oktober 2003 war im Badischen Tagblatt zu lesen: "Die Errichtung von Windkraftanlagen, insbesondere in Baden-Baden, würde die intakte touristische Infrastruktur, die für Baden-Baden die zentrale ökonomische Basis bildet, erheblich beeinträchtigen."

Mit Infrastruktur ist gemeinhin der notwendige wirtschaftliche und organisatorische Unterbau einer hoch entwickelten Wirtschaft gemeint, also die Gesamtheit aller Einrichtungen, die als Grundvoraussetzung für das Funktionieren der Wirtschaft einer Gesellschaft gelten. Dazu gehören im Wesentlichen Verkehrswege jeder Art, Gas-, Wasser- und Stromversorgung, Bildungs- Gesundheits- und Freizeiteinrichtungen und entsprechende Organisationsstrukturen. Die touristische Infrastruktur muss demzufolge die Gesamtheit solcher Einrichtungen, bezogen auf das Reisewesen, umfassen.

Diese touristische Infrastruktur soll gemäß der Verlautbarung der IHK Karlsruhe im Oktober 2003 intakt sein. Im April 2002 waren vom Arbeitskreis Tourismus Baden-Baden eben dieser IHK Karlsruhe zur
Situationsbeschreibung der Stadt Äußerungen zu lesen, wie:

"1993 wurden noch 877394 Übernachtungen registriert, doch dann ging es, entgegen allen Trends, steil bergab, und 1997 wurde mit nur noch 703158 Übernachtungen ein historischer Tiefststand erreicht."

"Einst wurde Baden-Baden das Flaggschiff des deutschen Bäderwesens genannt, doch diese Zeiten sind schon lange vorbei. Als Kur- und Bäderstadt hat sie keine Vorbildfunktion mehr, gilt es eher als warnendes Beispiel dafür, dass die Änderung gewachsener Strukturen als Anpassung an die Entwicklung zwar sinnvoll sein kann, aber behutsam und mit viel Fingerspitzengefühl durchgeführt werden muss."

Mit der Infrastruktur kann es also nicht so sehr weit her sein, wenn wirtschaftliche Erfolge in der Reisebranche ausbleiben. Das Nicht-Intakte in der Infrastruktur geht sogar so weit, dass im Jahr 2004
zwei Großveranstaltungen auf zeitlichen Kollisionskurs gebracht werden.

"Der kaufmännische Grundsatz, geht es dir schlecht, dann musst du werben, hat nach wie vor seine unabdingbare Gültigkeit." (Arbeitskreis Tourismus Baden-Baden der IHK Karlsruhe, April 2002)

Womit soll Baden-Baden werben? Mit der extremen Verkehrsdichte? Mit höchsten Ozonwerten im Hochsommer? Mit einer Luftqualität, welche die Gefahr mit sich bringt, das Prädikat "Heilbad" zu verlieren?

Werben kann die Stadt eigentlich nur mit ihrer einzigartigen Schönheit. Dieser wird sicherlich kein Abbruch getan, wenn abgaslose Energieerzeuger aufgebaut werden. Solche Anlagen müssen weder im Kurgarten noch auf dem Golfplatz errichtet werden.

Wer weiß? Vielleicht entwickeln sich die "Monster" ja auch zu Besuchermagneten: Sieh an! Die internationale Urlaubs- und Bäderstadt begibt sich auf den Fortschrittspfad, was eine natur- und menschenverträgliche Infrastruktur angeht!

Rika Wettstein, Oktober 2003



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