|
|
|
In der Leipziger Volkszeitung vom 17. Juli 2003 schreibt Sven Heitkamp: Dresden-Manager: Wir wollen nicht in Schönheit sterben Jörg Gillenberg kam Anfang Juni nach Dresden, seit zwei Wochen ist er offiziell Geschäftsführer des City Management Dresden e.V. Ein schöner Job in einer schönen Stadt. Doch was der 38-jährige Hamburger, studierter Soziologe und Betriebswirt, in der Landeshauptstadt bisher hörte und sah, hat ihn und 14 namhafte Geschäftsleute aus der Innenstadt bereits veranlasst, einen Hilferuf ans Rathaus zu richten: den "Dresdner Appell". "In der Stadt wird zu viel politisiert und zerdiskutiert", sagt Gillenberg und meint: Es kommt zu wenig voran. "Dresden ist eine wunderschöne Stadt. Aber wir wollen nicht in Schönheit sterben", sagt der Chef des City-Vereins, dem 85 Firmen, Hotels, Einzelpersonen und Institutionen angehören. Es herrsche eine konservative Grundhaltung, die sich auch im Stadtrat widerspiegele. Oft würde um Bauprojekte lang und sehr emotional debattiert. Für Investoren sei es aber wichtig, dass es keine verzögernden Streitereien gebe. "Die wollen ja keine Diskussionsrunden moderieren, sondern investieren und Geld verdienen. "Beispiele lassen sich viele finden: Der Altmarkt im Stadtkern, der Neumarkt zu Füßen der Frauenkirche, der Wiener Platz vorm Hauptbahnhof als Tor zur ohnehin verkorksten Prager Straße, die Waldschlössschenbrücke und der Kulturpalast: alles Projekte, die seit Jahren in der zerstrittenen Kommunalpolitik erfolglos rauf und runter dekliniert werden. Die Unterzeichner des höflich formulierten "Dresdner Appells" bitten den Planungsausschuss des Stadtrates nun, die "Vision einer Premium Stadtmarke Dresden vergleichbar mit Berlin, Heidelberg, Hamburg oder Baden-Baden für die kommenden Jahre umzusetzen". Dies bedeute aber ein entscheidungsfreudiges, investorenfreundliches und kompromissfähiges Klima und eine innerbehördlich koordinierte, schnelle Verwaltung. Gerade in der Stadtgestaltung und beim Tempo von Entscheidungen müsse Dresden in der bundesweiten Konkurrenz gut abschneiden. Sie seien kein Nörgelverein, betonten führende Lobbyisten der Geschäftsleute, aber es müsse ein Ruck durch die Innenstadt gehen. Ansonsten sei der Zug für die City bald abgefahren. Der Verein will künftig parlamentarische Rundgänge zu den Brennpunkten organisieren und "City Teams" gründen, die sich um Themen wie Sicherheit und Sauberkeit in der Stadt kümmern sollen. Im Rathaus ist man sich des Problems bewusst. "Wir müssen in der Tat versuchen, Entscheidungen stärker zu forcieren", räumte Kai Schulz, Sprecher von OBM Ingolf Roßberg, ein. Im Stadtrat werde bisher jede Bordsteinverlegung zum Politikum gemacht. Schulz: "Wir müssen zur Sachlichkeit zurückkehren." Insider machen aber auch eine teilweise schlampige Verwaltungsarbeit dafür verantwortlich, dass sich die Streitereien endlos ausweiten. Der Rathaussprecher gibt auch dieses Manko zu. Verwaltungsvorlagen müssten so gut sein, dass Klarheit bestehe: "Da ist das Ende des Weges noch nicht erreicht." Man könne allerdings angesichts leerer Kassen auch nicht erwarten, dass die Baulücken binnen 15 Jahren geschlossen sind. Schulz: "Das hat im Westen auch 40 Jahre gedauert. Es gilt, Realismus zu bewahren." Zurück |
|
|