Was wäre Baden-Baden
ohne seine Visionäre?

Sie ist schon etwas besonderes, die kleine Stadt an der Oos, und sie zieht Visionäre regelrecht an.

Vor beinahe 2000 Jahren wurde die Vision luxuriösester
Badekultur umgesetzt und damit dem von der Natur so reich bedachten Fleckchen Erde eine besondere Bedeutung im römisch besetzten Germanien verliehen.

Visionäre wie
Paracelsus beschäftigten sich im Mittelalter mit der Erforschung der Heilkraft des Thermalwassers ebenso wie Jahrhunderte später der bedeutende Chemiker Robert Bunsen, dessen Schüler Oskar Rößler gemeinsam mit dem Physiker Hans Friedrich Geitel einem bis dahin unbekannten radioaktiven Stoff im Baden-Badener Thermalwasserschlamm auf die Spur gekommen ist.

Eine Vielzahl von Künstlern ließ und lässt sich vom Reiz des Oostals dazu verführen, Visionen in Schrift, Bild und Ton umzusetzen, wodurch der Name Baden-Baden für immer mit einem Kunstwerk verknüpft wird.

Die Vision, ein großes
Opernhaus zu errichten, wurde verwirklicht und beschert der Stadt langsam wieder einen besonderen Stellenwert in der internationalen Kunstszene, der allerdings noch lange nicht an den des 19. Jahrhunderts zur Glanzzeit als "capitale d'été" heranreicht, als die Herren Bénazet die Vision, Baden-Baden zum Zentrum des europäischen Glücksspiels werden zu lassen, realisierten.

Nach dem Zweiten Weltkrieg entdeckten Visionäre in Sachen Wirtschaft den Charme der Stadt. Seit Jahrzehnten werden in regelmäßigen Gesprächen der Wirtschaftskapitäne der Republik im gepflegten Ambiente eines prachtvollen Palais' die Weichen für Wirtschaftsprojekte, die wiederum Auswirkungen auf Gesellschaft und Politik haben, gestellt. Diskret, versteht sich, ohne öffentliches Aufsehen zu erregen, und dennoch von großer Bedeutung für die Stadt, die wegen dieser Diskretion als "Geheimtipp" gehandelt wird.

Und in eben dieser diskreten Umgebung tummeln sich im Juni 2002 Nachwuchskräfte der deutschen Industrie- und Handelskammern in einem Seminar, in welchem es um "Führungsfragen, Teambildungsfragen, um Strategien, Visionen" (Badisches Tagblatt, 1. Juni 2002) geht. Die visionären Teilnehmer dieses Seminars stellen sich einer besonderen Herausforderung und haben unter Einbeziehung des örtlichen Einzelhandels und der Stadtbürokraten "top secret" die Ausrichtung eines Weihnachtsmarktes am 7. Juni 2002 geplant.

Welche Vision, welche Herausforderung!

Zu hoffen bleibt, dass diese Herausforderungsbewältigung "top secret" nur im engsten lokalen Bereich Beachtung findet, da sonst die Vision: "durch diese Aktion wird das Ansehen der Stadt, das von vielen nicht visionär ausgerichteten Zeitgenossen bereits erheblich beschädigt worden ist, weiteren Schaden erleiden", durchaus Wirklichkeit werden könnte.

Hätten sich die Herrschaften Visionäre zum Beispiel der Herausforderung "Belebung des Fremdenverkehrs unter spezieller Berücksichtigung einer bevorzugten Klientel" oder der Herausforderung "optimale Nutzung des ehemaligen Franzosenviertels" angenommen, hätte die Stadt sicherlich allen Grund gehabt, ein derartiges Engagement dankbar zu würdigen.


Rika Wettstein, Juni 2002


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