Der Verlust einer Sammlung, ganz ohne Paukenschlag

Fast auf den Tag genau ein Jahr nach der mit gehörigem Medieninteresse begleiteten Eröffnung des Hauses für die Sammlung Frieder Burda findet sich am 20.10.2005 im Badischen Tagblatt auf der ersten Seite ein 19zeiliger Bericht über "Eine Erfolgsgeschichte", die auf einen ausführlichen Bericht im Kulturteil verweist.

"Ein Jahr Museum Frieder Burda" wird gewürdigt. Da stutzt der Leser und erinnert sich daran, dass in den Medien im vergangenen Jahr und in der Folgezeit Sätze wie "Es ist ein guter Tag für sein ‚kleines Museum', wie er den Neubau nennt, der offiziell Museum Sammlung Frieder Burda heißt." (www.stimme.de) zu lesen gewesen waren.

Um der Zeitungsredakteure Wohl besorgt, wird schleunigst der Kulturteil aufgeblättert. Und siehe da: "Sammlung in Museum umbenannt" prangt aus dem Text entgegen, dessen Überschrift die Botschaft enthält: "Schöne Kunst kommt mit 'Paukenschlägen' ".

Das wörtliche Zitat des Hausherrn zur Umbenennung stimmt nachdenklich:
"Ich habe festgestellt, dass ich mit dem Begriff Sammlung nicht weiterkomme, weil die Leute nichts damit anfangen können, aber mit dem Museum fängt jeder etwas an."

Wer sich derart motiviert auf die Spuren des Begriffes Museum macht, wird beispielsweise im Begriffswörterbuch des guten alten Duden fündig. Dort steht in einer Ausgabe aus dem Jahr 1970:

"Museum, das, Museen: Sammlung von (künstlerisch, historisch) wertvollen Gegenständen, die besichtigt werden kann."

Insofern war's wohl kein Verlust an Logik, dem Museum die Sammlung aus der ehedem offiziellen Bezeichnung zu nehmen.

Museum Burda

So fotografiert am 30. Oktober 2005:
Am Eingangsbereich des Museums Frieder Burda sollte nun logischerweise auch "Museum Frieder Burda" stehen.

Ratlosigkeit wird sich bei all denjenigen breit machen, die sich ein knappes Jahr an die offizielle Bezeichnung gehalten haben. Was passiert mit den Druckwerken und anderen Medienpräsentationen, die vor dem 20. Oktober 2005 entstanden sind? Nachbessern geht wohl nicht, denn die Kreationen stammen allesamt aus der Zeit vor dem Sinneswandel des Mäzens. Ein Nachbessern bedeutete einen Eingriff in deren Authentizität. Denkbar wäre allenfalls für den Fall möglicher Beanstandungen, einen Zusatz anzubieten in Form von beispielsweise: entstanden vor dem 20.10.2005.

Eine weitere Alternative böte die Orientierung an den Copyright-Hinweisen des Fotodienstes der Museumseigenen Internetseite, die unter anderem besagen:

"Das Museum Frieder Burda lehnt jede Verantwortung für die Gebühren an VG-Bildkunst, ProLitteris; ADAGP etc. ab."

Eine Abwandlung könnte lauten: XYZ lehnt jede Verantwortung für eine nicht aktuell zutreffende Bezeichnung des Museums ab.

Dem Bereich der schönen Kunst mögen auch kaum die Vorhaben des vergangenen Jahres hinsichtlich der Staatlichen Kunsthalle zuzurechnen zu sein, denn eines, wozu in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung bereits seinerzeit kommentiert wurde, ist ohne Paukenschlag dahin gegangen:

"Mit dem ihm eigenen Gespür für Ironie hat Klaus Gallwitz, der Gründungsdirektor des Museums, innerhalb seiner Eröffnungspräsentation der Sammlung, die bewußt in beiden Häusern eingerichtet wurde, dem bereits vielbeschworenen Miteinander ein kleines mahnendes Zeichen gesetzt. Er hat Gerhard Richters Bild "Kerze" von 1982 gleich neben die Museum und Kunsthalle, Neues und Altes, Privates und Öffentliches verbindende sogenannte "Baden-Badener Brücke" gehängt. Stiftet er damit zum Gelingen des neuen Bundes eine Kerze? Oder wollte er all jenen symbolisch ein Licht aufstecken, die an einem solchen zweifeln?" stand in der FAZ zur Museumseröffnung im Jahr 2004.

Im BT des Jahres darauf wird es "amtlich": "Gemeinsame Ausstellungen mit der Kunsthalle nicht geplant", ist über den "Paukenschlägen" gedruckt.

Neben vielem anderen bemerkt Frieder Burda in seiner Jahresbestandsaufnahme, die Kurstadt sei passé. Baden-Baden sei mit dem Festspielhaus, dem Museum Frieder Burda und der Staatlichen Kunsthalle zu einer Kunst- und Kulturstadt geworden.

Nimmt man des Erfolgsbeispiel Baden-Badens aus dem 19. Jahrhundert, so scheint, die Internationale Urlaubs- und Bäderstadt verkrafte alles "Schöne" in Kunst und Kultur:

Neben den drei bereits genannten Institutionen die Thermen, die Traditionshotels, das Theater, die Philharmonie, den SWR, das Stadtmuseum, die Musikschule, den Bücherbus, das Baldreit-Stipendium und all die anderen Facetten ihres vielfältigen Kunst- und Kulturangebots, und zwar ohne Paukenschlag.

Rika Wettstein, Oktober 2005



Die Lokalpresse wartete am 5. November 2005 mit folgender Meldung auf:
"In Anerkennung seiner vielfältigen Verdienste, insbesondere für 'die große Bereicherung des kulturellen Angebots in Baden-Baden', erhält der Kunstsammler Frieder Burda die Ehrenbürgerwürde der Stadt Baden-Baden. Der kurstädtische Gemeinderat hat diesen Beschluss im nichtöffentlichen Teil der letzten Sitzung einstimmig gefasst.
Oberbürgermeisterin Sigrun Lang wird Burda den Ehrenbürgerbrief noch in diesem Jahr in einer kleinen Feierstunde überreichen, so das Stadtpresseamt in einer Mitteilung."



Am 29. November 2005 erhielt Frieder Burda in seinem Museum den Ehrenbürgerbrief aus der Hand von OB Sigrun Lang. Sie würdigte seine "Liebe zur Heimat" (BNN, 30.11.2005) und schätzte das Wirken Burdas als "wahren Glücksfall" (BT, 30.11.2005) ein.

"Der Geehrte selbst betonte, er tue sich schwer mit Ehrungen, nehme auch keine Orden an. Allerdings sei das einstimmig vom Gemeinderat beschlossene Ehrenbürgerrecht etwas Außergewöhnliches. 'Ich bin gerührt und bewegt auf eine ganz besondere Weise', sagte Burda." (BT, 30.11.2005)


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