Braucht Baden-Baden Gefälligkeitsatteste?

Baden-Baden, genauer "Baden-Baden, Spielcasino", steht zur Wahl in der
"Unsere Besten"-Aktion des ZDF, die sich in der siebten Auflage im Jahr 2006 der Lieblingsorte der Deutschen annimmt. Im Jahr 2003 war die Antwort auf die Frage "Wer ist der größte Deutsche?" geklärt worden. Konrad Adenauer machte damals das Rennen. Er gehörte zu zehn Finalisten, die von Paten in einer Freitagsfernsehschau vorgestellt wurden.
Nun soll es der Stadt Baden-Baden offenbar so ergehen wie ihrem Ehrenbürger, wenn der Wille der städtischen Marketingchefin richtig interpretiert wird. Am 29. Juli 2006 titelten die Badischen Neuesten Nachrichten:

"Stimmen für Baden-Baden gesucht - Tourismuschefin ruft zur Teilnahme am ZDF-Spiel mit Städte-Kür auf"
und vermeldeten, die Tourismuschefin werbe bei Bürgern und Gästen um eine fleißige Beteiligung am Wettbewerb, denn
"Ein Platz weit oben sollte der Hauptgewinn für alle Baden-Badener sein, die ihre Stadt lieben."

Der Wochenendkommentar der BNN, der die Aufnahme Baden-Badens in die ZDF-Aktion ebenfalls zum Thema hatte, endete gar mit den Worten:
"Beim Spielen gilt schließlich die Devise der Olympischen Spiele 'dabei sein ist alles' und zu jedem Wettstreit gehört der Mut zur Niederlage. Aber gewinnen ist natürlich viel, viel besser und deshalb versprechen wir unserer Tourismuschefin ganz fest, dass wir alle mitspielen und alle, die wir kennen, ebenfalls, und dann am 22. September Baden-Baden als neue deutsche Lieblingshauptstadt feiern."

Ja potz Blitz mögen manche, welche sich - angeregt durch die bereits im Fernsehen angelaufene Werbung für die Aktion - bereits schlau gemacht hatten, bei der Lektüre gedacht haben. Haben die Herrschaften überhaupt mitbekommen, wie der ZDF-Abstimmungsvorschlag aussieht?

Baden-Baden, Spielcasino

Das ZDF lässt abstimmen über "Baden-Baden, Spielcasino" und nicht über "Baden-Baden, Kur-, Bäder- und Kulturstadt", um weiter zu sinnieren, ob es die schöne Stadt im Oostal wirklich nötig hat, mit einer Art Gefälligkeitsattest ausgestattet zu werden.

Diejenigen, denen Baden-Baden gefällt, werden der Stadt ohnehin die Treue halten.

Und diejenigen, die das eine oder andere an Verbesserungsvorschlägen vorzutragen haben, werden sich wohl kaum frohgemut ans Pro-Abstimmen machen, zumal wenn sie mitbekommen haben, dass der Lieblingsort "Spielcasino" zu Debatte steht, sondern eher eine Art Etikettenschwindel ausmachen.

Über das Wochenende ist dann doch in der gesamten Internet-Vorschlagsliste, die auch Zuschauernominierungen enthält, zwischen "Bad Zwischenahn, Zwischenahner Meer" und "Baden-Baden, Spielcasino" "Baden-Baden, Lichtentaler Allee", allerdings kommentarlos, eingefügt worden, womit zwei "Lieblingsorte" in Baden-Baden zur Abstimmung angeboten sind.

Und wer am Montag darauf das Badische Tagblatt aufschlug, der konnte sich abermals wundern: " 'Lieblingsorte': Baden-Baden macht mit" erfuhr die Leserschaft ebenso wie:
"bittet Tourismus-Chefin Brigitte Goertz-Meissner dringend um die Unterstützung aller Bürger". (BT, 31.07.2006)

Wer der dringenden Bitte um Unterstützung mittels Internet-Abstimmung nachkommen will, sieht sich dem Problem ausgesetzt, nicht für Baden-Baden an sich, sondern entweder für die
Lichtentaler Allee oder das Spielcasino votieren zu müssen.

Sollte dennoch dem Appell derart zahlreich Folge geleistet werden, dass Baden-Baden wirklich unter den ersten zehn Lieblingsorten der Republik landet, so darf erwartungsvoll spekuliert werden, ob ein möglicher Pate oder eine mögliche Patin die Vorstellungsaufgabe ähnlich souverän meistert wie weiland Guido Knopp im Falle Konrad Adenauers. Dieser hatte es nämlich einfacher. Er hatte ein Plädoyer für die Person Konrad Adenauer zu halten. Ein Plädoyer für Baden-Baden als Gesamtgebilde ist vom derzeitigen Sachstand her gesehen unvorstellbar.

Rika Wettstein, Juli 2006



Fast 350000 Menschen haben sich an der Aktion beteiligt, war am 22. September 2006 in der ZDF-Show "Unsere Besten" "Lieblingsort der Deutschen" zu erfahren. 150 Vorschläge stammten vom ZDF selbst mehr als 450 bemerkenswerte Orte waren zusätzlich von Zuschauern nominiert worden.

Das Rennen in der Gunst der Deutschen machte der Kölner Dom, gefolgt vom Brandenburger Tor in Berlin und der Schlosskirche in Wittenberg. Das Baden-Badener Spielcasino landete auf Platz 13.


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