Undank ist der Welt Lohn

Seit 1858 werden im Baden-Baden nahe gelegenen Iffezheim Galopprennen veranstaltet. Dem französischen Jockey-Club oblag seinerzeit die renntechnische Leitung.

Die "Courses de Bade" von einst haben sich zur "Großen Woche" und dem "Frühjahrsmeeting" des 20. Jahrhunderts entwickelt, die auch zu Beginn des dritten Jahrtausends als Internationale Galopprennen Baden-Baden auf dem Rennplatz Iffezheim ausgetragen werden. Unterstützt wird das Rennsportereignis seit Jahrzehnten durch eine Vielzahl an gesellschaftlichen und kulturellen Veranstaltungen in der internationalen Urlaubs- und Bäderstadt.

Die Iffezheimer Galopprennen, veranstaltet vom Internationalen Club e.V. mit der noblen Adresse Lichtentaler Allee 8 in Baden-Baden, sind Leistungsprüfungen im Sinne des Deutschen Tierzuchtgesetzes und werden somit im öffentlichen Auftrag durchgeführt. 

Die Hauptfinanzierungsquelle dieser Leistungsprüfungen sind gesetzlich konzessionierte Pferdewetten. Dies hat zur Folge, dass nicht nur Züchter und Pferdeliebhaber die Galopprennen verfolgen, sondern auch dem Glücksspiel zugetane Zeitgenossen.

Züchtern, Pferdeliebhabern und Glücksrittern soll auf einem Rennplatz ein angenehmes Ambiente geboten werden. So wurden in Iffezheim unter anderem Tribünen errichtet, deren "feinste", die Clubplatztribüne, am Zerfallen war. Eine neue sollte unbedingt her. Pläne wurden geschmiedet, Kosten berechnet und Finanzierungsquellen aufgetan.

Der vom gesetzlich vorgeschriebenen Charakter her gemeinnützige Rennverein Internationaler Club e.V. ging auch die Stadt Baden-Baden um finanzielle Unterstützung für das 10,2 Millionen Euro teure Vorhaben an. Trotz
katastrophaler Haushaltslage wurden dem Bittsteller in uneigennütziger Manier 1,02 Millionen Euro an Zuschuss von Stadtverwaltung und Gemeinderat zugesagt. Im Mai 2003 konnte der Rennverein alle notwendigen Verträge unter Dach und Fach bringen. Am Ende des letzten Renntages der "Großen Woche" 2003 kamen eigens ausgegebene Hämmerchen beim Abriss der Clubplatztribüne zum Einsatz. Zum "Frühjahrsmeeting" 2004 soll die neue Clubtribüne für einen komfortablen Aufenthalt auf dem Rennplatz sorgen.

Kaum war die Clubplatztribüne abgerissen, veröffentlichte der Internationale Club e.V. die Renndaten für das Jahr 2004. Das "Frühjahrsmeeting" wurde von ihm auf den Zeitraum 22. bis 30. Mai festgelegt. Ein Blick auf den Kalender zeigt, dass dieses Leistungsprüfungsereignis am Pfingstsonntag 2004 endet.

Nun wartet Baden-Baden bekanntlicherweise nicht nur mit den Highlights der Pferderennen auf, sondern bietet neben Thermen, Landschaft und Klima ein vielfältiges kulturelles Programm, das seit fünf Jahren durch hochkarätige Darbietungen im Festspielhaus bereichert wird. Die
"Herbert von Karajan Pfingstfestspiele" zählen vornehmlich dazu. Diese werden, wie der Name schon sagt, um Pfingsten herum veranstaltet. Im Jahr 2004 in der Zeit vom 27. Mai bis 6. Juni.

Damit werden zwei für Baden-Baden und die Region äußerst bedeutsame Großveranstaltungen an vier Tagen kollidieren. Der Konjunktiv "würden kollidieren" erscheint überflüssig, da der gemeinnützige Verein Internationaler Club e.V. trotz engagierter Intervention ausgesprochen eigennützig auf der Terminbeibehaltung beharrt. Innerhalb der kommenden zehn Jahre soll das "Frühjahrsmeeting" noch weitere zwei Mal in die Pfingstfestspielzeit fallen.

2500 Sitzplätze umfasst das Festspielhaus. Während der Pfingstfestspiele buchen einige hundert auswärtige Gäste nicht nur Festspielhausveranstaltungen sondern auch Hotelzimmer. Circa 70000 Menschen besuchen das "Frühjahrsmeeting", wovon
gemäß einer Studie ungefähr die Hälfte in der Region übernachtet, davon wiederum um die 50 Prozent in Baden-Baden. Pro Nacht würden somit mehr als 2000 Rennbahnbesucher ihr müdes Haupt in kurstädtischen Herbergen zur Ruhe betten wollen.

Baden-Badens Hotellerie bietet zwar mehr als viereinhalb Tausend
Übernachtungsmöglichkeiten. Diese sind jedoch in unterschiedlichen Preis- und Komfortkategorien angesiedelt. Engpässe bei den gewünschten Übernachtungsmöglichkeiten zeichnen sich ebenso ab wie Probleme der Gastronomie, einer Flut von Verköstigungswilligen Herr zu werden. Ein überdurchschnittlich hohes Verkehrsaufkommen droht darüber hinaus die ohnehin stark gefährdete Luftqualität des Heilbades Baden-Baden zu belasten.

Dies alles dient nicht unbedingt dazu, das Renommee der Stadt zu fördern. Ganz zu schweigen davon, dass der Anregung des Arbeitskreises
Tourismus Baden-Baden der IHK Karlsruhe vom April 2002: "Wieder 'Wir'-Gefühl entwickeln" erkennbar nicht nachgekommen wird.

Zu hoffen bleibt, die Verantwortlichen des Internationalen Clubs e.V. erkennen die Abträglichkeit ihrer Terminierung für das Baden-Badener Gemeinwohl und entwickeln, auch in Würdigung des zu leistenden finanziellen Kraftaktes durch die Kommune zum Wohl des Rennvereins, noch rechtzeitig das notwendige "Wir-Gefühl" mit dem für sie positiven Nebeneffekt, der Feststellung: "Undank ist der Welt Lohn!" entgegen treten zu können.

Rika Wettstein, September 2003

Lesen Sie dazu unser Mail
an einen Teil der Gemeinderats-Mitglieder



Für das Jahr 2005 hat der Internationale Club e.V. offenbar ohne Beratschlagung mit Hotellerie, Gastronomie und Einzelhandel entschieden, den ersten Renntag des Frühjahrsmeetings und der Großen Woche vom traditionellen Freitag auf den Samstag zu verlegen. Umsatzeinbußen von fast einer Million Euro habe die einheimische Hotellerie dadurch zu verzeichnen gehabt, lässt das Badische Tagblatt vom 16.9.2005 wissen. Viele Renngäste waren bislang an den Donnerstagen angereist und hatten an den rennfreien Samstagen Einzelhandel und Gastronomie der Stadt belebt, was im Jahr 2005 nicht mehr der Fall war.

Für den vierten Renntag im Frühjahrsmeeting ist seit Bestehen dieses Renntermins der Preis der Baden-Badener Hotellerie ausgelobt. Wegen der unkooperativen Haltung des Internationalen Clubs e.V. wollen die Hoteliers ihre finanzielle Beteiligung an diesem Preis einstellen.



Meldungen in der Lokalpresse vom 20. September 2005 zufolge, sieht die Rathausspitze so gut wie keine Möglichkeiten, Einfluss auf die Terminplanungen des Internationalen Clubs e.V. zu nehmen, während der Arbeitskreis Tourismus der IHK Karlsruhe Kooperationen und frühzeitige Terminabsprachen zwischen den verantwortlichen Veranstaltern fordert. "DIese sind zwingend erforderlich, um die nicht ausgelasteten Potenziale Baden-Badens zukünftig optimal zu nutzen und der Kur-, Kultur- und Kongressstadt zu deutlich mehr Wirtschaftskraft zu verhelfen, der sie dringend bedarf.", wird der Vorsitzende des Arbeitskreises in den BNN vom 20.9.2005 zitiert.



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