Ulrich Wendt

Eine kleine Geschichte von Asche,
Dünger und Wolken

60 Jahre ist er alt geworden, Ulrich Wendt, OB der Kurstadt von 1990 bis 1998, zuvor OB der Zwetschgenstadt Bühl, deren Leitung er vom altgedienten OB Erich Burger (1957 - 1981) übernommen hatte.

Es scheint der Lokalpresse ein Anliegen gewesen zu sein, dieses Jubiläumsereignis zu würdigen. Das Badische Tagblatt publizierte am 14. Juni ein Interview mit dem Alt-OB, das so manche Baden-Badener Bürger zum Beiseitelegen der Frühstückslektüre gebracht hat und einen bewog, in einem Leserbrief seine Meinung dazu zu äußern:

Peinlichkeit nicht zu überbieten

Es gibt Verstöße gegen den guten Stil, auf die man nicht gekommen wäre, bis man ihnen dann eben doch begegnet. Ein solcher Stilbruch ist das Interview mit Ex-OB Ulrich Wendt. Natürlich kann keiner etwas dagegen haben, an den 60. Geburtstag eines früheren Oberbürgermeisters unserer Stadt zu erinnern, und es soll ihm ja auch durchaus dazu gratuliert werden, aber irritierend ist die gewählte Form, ist das Gespräch. Das sorgt nicht gerade für Distanz, erweckt den Eindruck von Friede, Freude, Eierkuchen?

Die Tatsache, dass Ulrich Wendt vor sieben Jahren nicht ein zweites Mal gewählt worden war, war schließlich kein Betriebsunfall. Das war eine Abwahl, das war die bewusste Entscheidung der Bürger gegen einen amtierenden Oberbürgermeister. Sie hatten genug von dessen hochfliegenden Visionen, die - wie man inzwischen weiß - dazu angetan waren, die Stadt an den Rand des Ruins zu führen.

Diesen Mann kann man nicht danach fragen, was er von der Arbeit seiner Nachfolgerin hält. Diese Frage, verehrte Redaktion, nehmen Sie es mir nicht übel, hätten Sie nicht stellen dürfen. Und Ulrich Wendt hätte sein siebenjähriges Schweigen, wenn er denn klug gewesen wäre, auch besser nicht gebrochen. Erst so zu tun, als wolle er das und dann doch loszulegen, spricht nicht für Souveränität. Genauso wenig wie der versteckte Hinweis auf die eigenen Verdienste.

Und dass Sie, liebe Redaktion, dann auch noch danach fragen, ob der Ex-OB denn meine, dass einer seiner Parteifreunde der richtige Nachfolger für seine Nachfolgerin sein könnte! Musste das sein?

Ich jedenfalls kann mir nicht vorstellen, dass Dr. Rückert immer schon davon geträumt hat, ausgerechnet von Ulrich Wendt zum Kandidaten für das Amt des OB in Baden-Baden promoviert zu werden.

Badisches Tagblatt, 17.6.2005

Am 16. Juni meldeten die Badischen Neuesten Nachrichten, Ulrich Wendt solle mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet werden. Die Stadtverwaltung bestätige, dass ein entsprechender Antrag vorliege. "Wir sperren uns nicht" war die stellvertretende Rathaussprecherin zitiert. Weiter hieß es in der Meldung: "Dem Vernehmen nach hat die CDU-Fraktionsvorsitzende Ursula Lazarus die Ehrung angeregt, unter anderem wegen der Verdienste Wendts als Oberbürgermeister bezüglich der Neuordnung der Bäder- und Kurverwaltung."

Auch diese Meldung wurde mit einem Leserbrief bedacht:

Die Seilschaft Ursel-Uli funktioniert vorbildlich. Für seine Verdienste als Oberbürgermeister wegen der Neuordnung der Bäder-und Kurverwaltung schlägt Frau Ursula Lazarus Herrn Ulrich Wendt für das Bundesverdienstkreuz vor. In anderen Medien war noch zu lesen, daß unter Anderem Verdienste bei der EnBW und heim Bau des Festspielhauses zu würdigen seien. Dazu ist zu sagen:

Die Neuordnung der BKV fiel in die Amtszeit von Herrn Wendt. Er hat hier seinen Job als OB ausgeübt und nichts anderes. Was soll denn an diesem Werk so herausragend sein? An diesem und an den Folgen des Festspielhauses hat die Stadt Baden-Baden heute noch schwer zu tragen. Wenn die Stadt Baden-Baden hart an der Grenze der "Roten Karte" seitens des Regierungspräsidiums steht, sind dies größtenteils Altlasten aus der Amtszeit von Herrn Wendt - natürlich in Zusammenarbeit mit Frau Lazarus. Dass Herr Wendt eine zweite Amtszeit nicht antreten konnte, war wohl ein klares Wählervotum. Oder führt man in Kreisen der CDU diesen "wahltechnischen Betriebsunfall" auf die Unmündigkeit oder Unfähigkeit der Wähler zurück?

Nach diesem "wahltechnischen Betriebsunfall" wurde Herr Wendt im "Politikersozialnetz" von Herrn Goll, damals Vorstandsvorsitzender der EnBW, aufgefangen. Herr Wendt war - wie viele andere auch - Mitarbeiter bei der EnBW und vornehmlich beim Aufbau der Niederlassung in Berlin beschäftigt. Was soll daran bundesverdienstkreuzwürdig sein? Gibt es denn in Baden-Baden keine Personen, denen aufgrund ihres ehrenamtlichen Engagements in gemeinnützigen oder sozialen Institutionen das Bundesverdienstkreuz verliehen werden sollte? Herr Wendt hat in einem Interview mit dem BT eine erneute Kandidatur aufgrund seines Alters verneint. Diese Altersüberlegung sollte man der Antragstellerin auch ins Stammbuch schreiben. Es ist an der Zeit, Platz für jüngere, zeitnahere Kandidaten zu machen. Alter darf kein Privileg sein.

Wie gesagt, die Seilschaft funktioniert noch vorbildlich. Heute schlägt Ursel Uli vor, in Bälde schlägt Uli Ursel vor. So funktioniert das - lieber Wähler!

Badische Neueste Nachrichten, 21.6.2005

Am 20. Juni 2005 ließ das Badische Tagblatt die Leser an einer Geburtstagsfeier Ulrich Wendts im Schlosshotel Bühlerhöhe teilhaben. Die Schlagzeile lautete:

"Bilanz einer Lebensleistung
über den Wolken des Alltags".

Zu diesem Beitrag rührte sich offenkundig niemand aus der Leserschar, obwohl einiges zurechtzurücken wäre. Beispielsweise die "landesweit beachtete Bühler Stadtkernsanierung" (BT, 20.6.2005), die Ulrich Wendt zugeschrieben wird. Dies trifft indes nur bedingt den Kern, zeigte sich Ulrich Wendt während seiner Amtszeit als Bühler OB doch eher als Erfüllungsgehilfe seines Amtsvorgängers, der mit seinen Mitarbeitern in zäher Klein- und Überzeugungsarbeit diese Sanierung in die Wege geleitet hatte.

Der Jubilar selbst führte als Beispiel für seine Arbeit das Baden-Badener Festspielhaus an und meinte dazu wörtlich: "In diesem Haus ruht meine Asche. Aber sie düngt gut." (BT, 20.6.2005)

Nimmt man dieses Zitat wörtlich, mag man verdutzt bemerken: Asche entsteht bei Verbrennungen. Warum ruht des Herrn Wendt Asche im Festspielhaus, wenn er doch offenbar quicklebendig und unversehrt seinen Geburtstag begeht?

Des Weiteren kann die Frage aufkommen, warum Ulrich Wendt das Festspielhaus als Aschenort anführt. Welche Art von Asche ist in diesem überdimensionalen Aschenbecher aufbewahrt? Fruchtbare? Von Ulrich Wendt produzierte Asche, die gut düngt?

Ist es nicht eher so, dass der "
Wendtsche Dünger" das Festspielhaus der Gefahr ausgesetzt hat, in "Schall und Rauch" aufzugehen? Und ist es nicht weiter so, dass die Baden-Badener Bürger viele Euro als Düngemittel zum Erhalt des Festspielhauses einsetzen mussten und müssen, um im Jahr 2020 den bisherigen Hauseignern fruchtbare 20 Millionen Euro wegen des unter Ulrich Wendts Regie vereinbarten Erwerbs des zweitgrößten Opernhauses Europas zu überlassen, sollte sich kein anderer Kaufinteressent finden?

Die nächste Frage drängt sich förmlich auf: Wer profitiert von dem guten Dünger, den Ulrich Wendt in Form seiner Asche im Festspielhaus deponiert hat? Der Durchschnitts-Baden-Badener mag spontan antworten: "Die Bürger sicher nicht."

"Über den Wolken des Alltags" hat der zweimalige Ex-OB Bilanz seiner Lebensleistung gezogen. Der Lokalpresse sei Dank, dass sie den unter den Wolken des Alltags sich mühenden Bürgern ein Bild von der Abgehobenheit vom Alltag ihres gewesenen Ober-Bürger-Meisters vermittelt hat.

Rika Wettstein, Juni 2005



Am 24. Oktober 2005 wurde Ursula Lazarus mit der Goldenen Ehrenmedaille der Stadt Baden-Baden ausgezeichnet. Sie habe sich in besonderer Weise um die Stadt verdient gemacht, würdigte OB Sigrun Lang die amtierende Fraktionsvorsitzende der CDU im Gemeinderat, in welchem Ursula Lazarus seit 30 Jahren aktiv ist. (BNN, 25.10.2005)


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