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![]() Eine kleine Geschichte von Asche, Dünger und Wolken 60 Jahre ist er alt geworden, Ulrich Wendt, OB der Kurstadt von 1990 bis 1998, zuvor OB der Zwetschgenstadt Bühl, deren Leitung er vom altgedienten OB Erich Burger (1957 - 1981) übernommen hatte. Es scheint der Lokalpresse ein Anliegen gewesen zu sein, dieses Jubiläumsereignis zu würdigen. Das Badische Tagblatt publizierte am 14. Juni ein Interview mit dem Alt-OB, das so manche Baden-Badener Bürger zum Beiseitelegen der Frühstückslektüre gebracht hat und einen bewog, in einem Leserbrief seine Meinung dazu zu äußern:
Am 16. Juni meldeten die Badischen Neuesten Nachrichten, Ulrich Wendt solle mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet werden. Die Stadtverwaltung bestätige, dass ein entsprechender Antrag vorliege. "Wir sperren uns nicht" war die stellvertretende Rathaussprecherin zitiert. Weiter hieß es in der Meldung: "Dem Vernehmen nach hat die CDU-Fraktionsvorsitzende Ursula Lazarus die Ehrung angeregt, unter anderem wegen der Verdienste Wendts als Oberbürgermeister bezüglich der Neuordnung der Bäder- und Kurverwaltung." Auch diese Meldung wurde mit einem Leserbrief bedacht:
Am 20. Juni 2005 ließ das Badische Tagblatt die Leser an einer Geburtstagsfeier Ulrich Wendts im Schlosshotel Bühlerhöhe teilhaben. Die Schlagzeile lautete: "Bilanz einer Lebensleistung über den Wolken des Alltags". Zu diesem Beitrag rührte sich offenkundig niemand aus der Leserschar, obwohl einiges zurechtzurücken wäre. Beispielsweise die "landesweit beachtete Bühler Stadtkernsanierung" (BT, 20.6.2005), die Ulrich Wendt zugeschrieben wird. Dies trifft indes nur bedingt den Kern, zeigte sich Ulrich Wendt während seiner Amtszeit als Bühler OB doch eher als Erfüllungsgehilfe seines Amtsvorgängers, der mit seinen Mitarbeitern in zäher Klein- und Überzeugungsarbeit diese Sanierung in die Wege geleitet hatte. Der Jubilar selbst führte als Beispiel für seine Arbeit das Baden-Badener Festspielhaus an und meinte dazu wörtlich: "In diesem Haus ruht meine Asche. Aber sie düngt gut." (BT, 20.6.2005) Nimmt man dieses Zitat wörtlich, mag man verdutzt bemerken: Asche entsteht bei Verbrennungen. Warum ruht des Herrn Wendt Asche im Festspielhaus, wenn er doch offenbar quicklebendig und unversehrt seinen Geburtstag begeht? Des Weiteren kann die Frage aufkommen, warum Ulrich Wendt das Festspielhaus als Aschenort anführt. Welche Art von Asche ist in diesem überdimensionalen Aschenbecher aufbewahrt? Fruchtbare? Von Ulrich Wendt produzierte Asche, die gut düngt? Ist es nicht eher so, dass der "Wendtsche Dünger" das Festspielhaus der Gefahr ausgesetzt hat, in "Schall und Rauch" aufzugehen? Und ist es nicht weiter so, dass die Baden-Badener Bürger viele Euro als Düngemittel zum Erhalt des Festspielhauses einsetzen mussten und müssen, um im Jahr 2020 den bisherigen Hauseignern fruchtbare 20 Millionen Euro wegen des unter Ulrich Wendts Regie vereinbarten Erwerbs des zweitgrößten Opernhauses Europas zu überlassen, sollte sich kein anderer Kaufinteressent finden? Die nächste Frage drängt sich förmlich auf: Wer profitiert von dem guten Dünger, den Ulrich Wendt in Form seiner Asche im Festspielhaus deponiert hat? Der Durchschnitts-Baden-Badener mag spontan antworten: "Die Bürger sicher nicht." "Über den Wolken des Alltags" hat der zweimalige Ex-OB Bilanz seiner Lebensleistung gezogen. Der Lokalpresse sei Dank, dass sie den unter den Wolken des Alltags sich mühenden Bürgern ein Bild von der Abgehobenheit vom Alltag ihres gewesenen Ober-Bürger-Meisters vermittelt hat. Rika Wettstein, Juni 2005 Am 24. Oktober 2005 wurde Ursula Lazarus mit der Goldenen Ehrenmedaille der Stadt Baden-Baden ausgezeichnet. Sie habe sich in besonderer Weise um die Stadt verdient gemacht, würdigte OB Sigrun Lang die amtierende Fraktionsvorsitzende der CDU im Gemeinderat, in welchem Ursula Lazarus seit 30 Jahren aktiv ist. (BNN, 25.10.2005) Lesen Sie weitere Artikel von Rika Wettstein |
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