Von Stiftern
und vom Stiften in Baden-Baden

Die Stadt mit der höchsten Millionärsdichte Deutschlands kann auch mit einer erklecklichen Anzahl privater Stiftungen aufwarten, deren aktuell in der Öffentlichkeit wohl am meisten präsentierte die des Kunstförderers Frieder Burda ist. Dieser hat im Oktober 2004 das Museum für seine Sammlung von mehr als 500 Exponaten moderner Kunst eröffnet, was ein weltweites Presseecho hervorrief.

Anfang Februar 2005 machte Frieder Burda wieder von sich reden, als er sich zur Situation deutscher Mäzene äußerte und meinte, aus seiner Sicht könne die Stiftungskultur in Deutschland eine deutliche Besserung erfahren. Neben einer veränderten Einstellung der Betuchten seien zusätzliche Steueranreize nötig, damit noch mehr private Mittel für die Allgemeinheit freigesetzt werden könnten.

Frieder Burda sieht in seinem Haus eine Modellfunktion. Wörtlich zitiert ist er der Auffassung: "Nach dem Erfolg von Baden-Baden wird die öffentliche Hand kritischer sein und nicht so schnell Museen bauen für Sammlungen, die es nicht wert sind, in Museen zu hängen."

Hoppla, ist hieraus etwa zu schlussfolgern, der Sammlung Frieder Burda wäre kein Platz in einem staatlichen Museum zugestanden worden?

Nachdenklichkeit kann aufkommen über die Begriffe Wert und Unwert einer Kunstsammlung oder einzelner Kunstwerke, zählt doch die Freiheit der Kunst zu einem geschützten Grundrecht in demokratischen Verfassungen und ist doch die Kunst an sich wesentlicher Bestandteil der Kultur eines Volkes. Dies ist ein "Wert" in demokratisch strukturierten Staaten - und nicht das Gefallen oder Nichtgefallen der einen oder anderen bildnerischen, sprachlichen oder musikalischen Schöpfung.

Die amtierende Kulturstaatsministerin Deutschlands hat sich gar im November 2004 dafür ausgesprochen, Kultur als Staatsziel im Grundgesetz zu verankern.

Warum soll dann das Modell privater Stiftungen Schule machen? Sollen diese "nur" wegen leerer öffentlicher Kassen staatshoheitliche Funktionen einnehmen können? Blieben Objektivität und Vielfalt der Darstellung im deutschen Kunstgeschehen damit nicht auf der Strecke?

Für rund 20 Millionen Euro hat Frieder Burda auf in Erbpacht überlassenem öffentlichem Grund und Boden ein Museum bauen lassen, von dem der Hausherr in der Eröffnungsphase betonte, sein Lebenstraum sei in Erfüllung gegangen.

Was hat er nun eigentlich getan? Private Mittel für die Allgemeinheit freigesetzt oder einen Lebenstraum erfüllt?

Während der ersten 100 Tage nach der Eröffnung seien ungefähr 60000 Besucher zu begrüßen gewesen, wurde in einem Pressegespräch am 20. Januar 2005 vermittelt. (Badisches Tagblatt 21.1.2005) Diese Besucher mussten größtenteils Eintritt bezahlen, bevor sie der Kunstwerke ansichtig werden konnten, unter anderem pro Erwachsenem 8 Euro, pro Studentem bis 30 Jahre, Schwerbehindertem und Arbeitslosem 6 Euro.

Bei 60000 Besuchern in 100 Tagen mag ein Kartenumsatz im Wert von mehr als 400000 Euro getätigt worden sein. Die Jahresprognose von gut eineinhalb Millionen Euro scheint bei anhaltendem Trend realistisch. Ob sich die tatsächlichen Kosten, die dem Museum entstehen, in einem solchen Rahmen bewegen, ist nicht bekannt. Insofern kann auch nicht abgeschätzt werden, inwieweit die Stiftung Frieder Burda zur Deckung möglicher Finanzlücken heranzuziehen wäre.

Was die leeren öffentlichen Kassen anlangt, muss denjenigen, die mehr Geld zur Verfügung haben als der Durchschnittsbürger, dringend ins Stammbuch geschrieben werden, nicht mit ihrem Geld an der Steuer vorbei ins Ausland stiften zu gehen, um danach das deutsche Strafbefreiungserklärungsgesetz in Anspruch zu nehmen und gegen einen wesentlich niedrigeren als ursprünglichen Steuersatz ihr Geld wieder zurückzubringen - auch in Baden-Baden.

Das Badische Tagblatt meldete am 3. Februar 2005 "mehr als 50 Bürger sollen durch die Zahlung von zusammen mehr als 3 Millionen Euro an Steuern in den Kreis der Steuerehrlichen zurückgefunden haben".

Würde der Steuerehrlichkeit - auch bei potenziellen privaten Stiftern - besser Folge geleistet, so könnte der breit gefächerte Kulturauftrag des Staates zufriedenstellender wahrgenommen werden und durch wahr gewordene Lebensträume von Stiftern eine Bereicherung erfahren, wie im Falle der Staatlichen Kunsthalle Baden-Baden und dem Museum Sammlung Frieder Burda.

Rika Wettstein, Februar 2005



"Ein glückliches Tandem"

Frieder Burda zählt auch zu den Stiftern, die das Festspielhaus unterstützen. Am 6. April 2005 meldete das Badische Tagblatt:

Glücklich zeigte sich der Intendant auch mit dem Engagement der Förderer, die das Haus mit Stiftungen, Spenden und Sponsoring unterstützen. "Alle Förderbereiche verzeichnen eine Steigerung. Besonders das Engagement von Firmen entwickelt sich sehr, sehr gut", betonte Mölich-Zebhauser. Die Festspiel-Neugründungen wollte er deshalb auch als "eine Art künstlerische Dividende" für die Förderer, Freunde und Besucher verstanden wissen, "die immer an die Möglichkeiten dieses Hauses geglaubt haben".

Doch nicht nur neue Festspiele, sondern auch zwei neue Veranstaltungsorte kündigte der Intendant gestern an: Anlässlich der Pflngstfestspiele im Jahre 2006 wird es ein spätabendliches Open-Air-Konzert mit dem Percussionisten Martin Grubinger in der Ruine des Alten Schlosses in Baden-Baden (2. Juni 2006, 22.30 Uhr) sowie ein "Musikalisches Morgenerwachen" in der Sammlung Frieder Burda mit Musik vom Hofe Ludwig XIV. (5. Juni 2006, 8 Uhr) geben.

Mölich-Zebhauser: "Das Verhältnis von Festspielhaus und Museum Sammlung Frieder Burda wird immer enger. Frieder Burda und ich empfinden uns als ein glückliches Tandem, das eine ganze Reihe von gemeinsamen Unternehmungen plant."



Die Lokalpresse wartete am 5. November 2005 mit folgender Meldung auf:
"In Anerkennung seiner vielfältigen Verdienste, insbesondere für 'die große Bereicherung des kulturellen Angebots in Baden-Baden', erhält der Kunstsammler Frieder Burda die Ehrenbürgerwürde der Stadt Baden-Baden. Der kurstädtische Gemeinderat hat diesen Beschluss im nichtöffentlichen Teil der letzten Sitzung einstimmig gefasst.
Oberbürgermeisterin Sigrun Lang wird Burda den Ehrenbürgerbrief noch in diesem Jahr in einer kleinen Feierstunde überreichen, so das Stadtpresseamt in einer Mitteilung."


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