Sauberes Baden-Baden

Der sonnengoldene Oktober 2005 bescherte den Baden-Badenern ein Novum in Form eines Faltblattes, das per Postwurfsendung in jeden Haushalt flatterte:
einen Hilferuf der Stadt. Nicht der Stadt an sich, sondern derjenigen, die mit der Verwaltung dieses Gemeinwesens betraut sind.

Die erste Seite dieses blau-gelb gehaltenen Faltblattes ziert das rot-gelbe Wappen der Stadt, sowie der zu fantasievollen sprachlichen Kreationen provozierende Teil

Lieber in der Sonne als im Müll Baden-Baden gehen

dem sich der Aufruf "Sauberes Baden-Baden Helfen Sie mit!" anschließt.

Auf der nächsten Seite werden die lieben Bürgerinnen und Bürger, sowie die lieben Gäste angesprochen und um Mithilfe beim Sauberhalten der Stadt angegangen, wobei allerdings nicht verkannt wird, dass Baden-Baden im Hinblick auf Sauberkeit im Vergleich mit anderen Städten schon gut abschneidet. Anschließend ist zu lesen: "Sauberes Baden-Baden geht auch Kinder und Jugendliche etwas an".

Beachtenswert erscheint die Reihenfolge: Bürgerinnen, Bürger, Gäste, Kinder und Jugendliche -
die Extraposition als Schlusslicht in dieser Stadt ist den jungen Menschen damit ein weiteres Mal sicher.

Diesem Schlusslicht werden die jährlich anfallenden Kosten für die Müllentsorgung nachgesetzt, um den Abfallvermeidungshilferuf, der eigentlich mehr ein Aufruf zu sachgerechter Abfallentsorgung ist, mit einem Bußgeldkatalog zu beschließen.

Hintergrund dieser Aktion ist der Beschluss des Bau- und Umweltausschusses des städtischen Gemeinderats vom Frühjahr 2005, eine Verbesserung der Sauberkeit der Stadt herbeizuführen. Der Verein "Stadtbild" hatte darauf hingewirkt. Die Verwaltung hat ein Stufenkonzept erarbeitet, das mit Ermahnungen im Herbst 2005 beginnen und mit Bußgeldbescheiden ab Frühjahr 2006 enden soll.

Ermahnt werden Müllsünder vom so genannten "City-Service", der sich ausnahmslos aus Menschen zusammensetzt, die sich keineswegs auf der Sonnenseite des Lebens befinden und deshalb dazu angehalten oder angeworben wurden, für ein geringes Zubrot zu verhindern, dass Baden-Baden im Müll baden geht.

Apropos baden: In früheren Jahrzehnten war es im Hardbergbad, dem beliebten Freibadtreffpunkt von Kindern, Jugendlichen und deren Eltern, guter Brauch, ertappte Müllsünder oder diejenigen, die sich nicht an die Badbenutzungsregeln gehalten haben, nach Schluss des Badetages mit Eimern und Zangen über das weitläufige Gelände zu schicken und den Müll einsammeln zu lassen. Ein erzieherischer Effekt war dieser Vorgehensweise durchaus zu bescheinigen.

Ähnliches hätte in den letzten Jahren des großen Ach und Wehklagens über Hundedreck und Plastikbecher, die das Stadtbild verschandeln, schon längst umgesetzt werden können. Herr X oder Jugendlicher Y haben sich nicht an die Regeln gehalten. Also wird ihnen statt eines Bußgeldes Müllentsorgungsdienst aufgebrummt.

Bußgelder, so lehrt die "Knöllchen"-Erfahrung hinsichtlich des Heiligs Blechle, sind nicht immer geeignet, Einsicht zu schüren. Die Konfrontation mit dem Dreck, den Mitmenschen achtlos im "öffentlichen Raum" hinterlassen, könnte lehrreicher sein.

Und was das Heiligs Blechle angeht, von dem es in Baden-Baden eine
überdurchschnittliche Anzahl pro Einwohner gibt, so findet sich im Hilferuf-Faltblatt mit seinem keineswegs als ausgewogen empfindbaren Bußgeldkatalog keine Position "Luftverschmutzung", die auf Kraftfahrzeuge gemünzt ist, die nicht entsprechend umweltschützender Vorgaben ausgerüstet sind. Derer gibt es sicher viele unter den Fahrzeugen der Einheimischen, der Gäste oder der Zulieferer.

So könnte eines nicht allzu fernen Tages die internationale Urlaubs- und Bäderstadt mit blitzsauberen Straßen und Plätzen aufwarten nur: in der Sonne baden wird wegen zu hoher Luftverschmutzung dann niemand mehr können. Das
Prädikat Heilbad wäre damit auch dahin.

Als Fazit bleibt:
Nehmen wir den Hilferuf der Stadt, unserer Stadt, an und sorgen wir gemeinsam aus Liebe zur Stadt und aus Überzeugung von der Notwendigkeit, uns allen etwas Gutes tun zu müssen, ohne Zwang und Drohung, für ein sauberes Baden-Baden,
zu Wasser, zu Lande, auf Straßen, Plätzen, in Parks, sowie anderswo, und in der Luft.

Rika Wettstein, Oktober 2005


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