Braucht Baden-Baden Paten?

Die beiden Regionalzeitungen Badisches Tagblatt und Badische Neueste Nachrichten meldeten am 19. Februar 2003: "Patenschaften für Bertholdbad". Angeregt wurde von FDP-Lokalpolitikern eine 50-Euro-Spende pro Paten, um die Aufrechterhaltung des Freibadbetriebs entgegen einer anders lautenden Verwaltungsvorlage zu ermöglichen.

Nun besteht seit geraumer Zeit weltweit die Neigung, präzise definierte Begriffe in Zusammenhang mit Dingen oder Vorgängen, mit denen sie überhaupt nichts zu tun haben, zu bringen. Die Begriffe Pate und Patenschaft gehören zu dieser Gruppe.

Der Begriff des Paten, abgeleitet vom lateinischen pater, zu Deutsch Vater, steht seit dem dritten Jahrhundert nach Christus für den Zeugen der christlichen Taufe, welcher die Verpflichtung hat, an der religiösen Erziehung seines Patenkindes mitzuwirken.

Im 20. Jahrhundert tauchte der Begriff Pate im Zusammenhang mit den höchst kriminellen Machenschaften sizilianischer und andernorts angesiedelter Geheimbunde auf. Der Pate ist in diesen Verbrecherorganisationen der alleinige Machthaber, dem unbedingter Gehorsam zu leisten ist. Dem Ungehorsamen drohen per Selbstjustiz verhängte schlimmste Strafen bis hin zur Ermordung.

Der Vorschlag, Paten für städtische Einrichtungen zu gewinnen, kann demzufolge aus zwei Richtungen betrachtet werden.

Die altüberlieferte Patenschaft bedeutete für einen Paten des Bertholdbades zwar nicht die Verpflichtung zur Mitwirkung an der religiösen Erziehung des "Patenkindes", könnte jedoch in Abwandlung der eigentlichen religiösen Aufgabe eine Verpflichtung zur Aufrechterhaltung und zum Betrieb städtischer Einrichtungen beinhalten.

Ein nachdenklicher Bürger könnte argumentieren: "Warum werde ich zur Mitwirkung hinzugezogen, wenn ich per Wahlstimme bestimmten Personen Verantwortung für meine Stadt übertragen habe? Wären diese ihrer Verantwortung gerecht geworden und hätten die ihnen übertragenen Aufgaben richtig und ordnungsgemäß erfüllt, wäre die Notwendigkeit von Patenschaften überhaupt nicht entstanden."

Verantwortungsübernahme birgt auch die Konsequenz, für Folgen des Handelns einzustehen. Der Bürger hat die Verantwortung an Dritte, die sich darum bewarben, übertragen. Warum soll er für die Folgen des Fehlhandelns der Verantwortungsnehmer gerade stehen? Wie wäre es, diejenigen, die "den Karren" über viele Jahre hinweg in teilweise arroganter Verkennung von Bürgerinteressen immer schneller in Richtung "Wand" gefahren haben, in die Pflicht zu nehmen und sie tatsächlich für den den Bürgern angetanen Schaden aufkommen zu lassen, egal ob es sich dabei um sanierungsbedürftige Schulen, kaputt gesparte städtische Bäder, marode Straßen oder Zwangszuschüsse zum vermeintlichen Privatbetrieb Festspielhaus handelt?

Der nächste Gedanke könnte sein, dass im Falle einer Patenschaft die Mitwirkung des Paten von den Verantwortungsträgern gar nicht gewollt ist, sondern dass sie es lediglich auf seine "Spende" abgesehen haben, um städtische Einrichtungen, zumindest kurzfristig, betriebsbereit zu halten. Dann hätte der Pate eigentlich doppelt oder gar dreifach zu zahlen: Steuern, die auch für städtische Einrichtungen verwendet werden, Patengeld und gegebenenfalls Eintrittsgeld, wenn er die Einrichtung nutzen will.

Betrachtet man die Patenschaft aus dem Blickwinkel des Verbrecherbosses, so ist durchaus vorstellbar, dass sich ein solcher Pate angesichts der katastrophalen Finanzlage der Stadt mit Geldern aus dubiosen Quellen in die Stadt einkauft. Dies brächte allerdings den schlimmsten aller denkbaren Fälle mit sich: die rechtlose Abhängigkeit der Verantwortungsträger von Verbrecherorganisationen und damit die Aushebelung jeglichen Rechts, auch des Bürgerrechts.

Baden-Baden braucht keine Paten!

Baden-Baden braucht verantwortungsbewusste Kommunalpolitiker und eine qualifizierte Stadtverwaltung mit verantwortungsbewusster Leitung, welche die ihnen gestellten Aufträge und Aufgaben richtig und ordnungsgemäß ausführen und konsequenterweise Platz machen für andere Verantwortungsträger, falls sie diesem Anspruch nicht gerecht werden können.


Rika Wettstein, Februar 2003




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