Was wäre Baden-Baden ohne seine Narren?

Die Bedeutung des Begriffes "Narr" reicht von ihrer ältesten - nämlich der des "Geisteskranken", der mit einem "Narrenseil" gefesselt wurde - über Spaßmacher und Tor bis hin zum durch Unvernunft auffallenden Menschen.

Im Mittelalter gehörten die bunt gekleideten Spaßmacher zum ritterlichen Gesinde. Hofnarren war sogar gestattet, öffentlich Kritik an herrschenden Verhältnissen zu üben. Jede größere Gemeinde "leistete" sich ihren Stadtnarren. Das war ein Mensch, der oft aus sozialer Not heraus auf Volksfesten, Jahrmärkten und an Fasnacht auftrat und um milde Gaben bettelte.

Mit dem Begriff Narr lässt sich eine Vielzahl gesellschaftlicher Erscheinungsformen verbinden, die alle bis in die Neuzeit aktuell sind.

Das alljährliche Fest der Narren ist traditionell die Fasnacht, die auch in Baden-Baden gebührend begangen wird.

Eine bunte Mischung närrischen Volkes, vom selbständigen Unternehmer bis hin zum Staatsbediensteten, bestimmt etliche Wochen des Jahres in einer Fülle von Veranstaltungen maßgeblich das kulturelle Leben der Kurstadt. Natürlich muss ein derartiges Engagement auch durch die Anwesenheit und Unterstützung der Politprominenz gewürdigt werden.

Und die scheint ab und an vom "närrischen Bazillus" ganzjährig befallen zu sein. Während in dieser Stadt nicht nur ein Mensch sondern Dutzende der Einwohner wegen des leeren Stadtsäckels Gefahr laufen, aus finanzieller Not Spaß machend auf Volksfesten für ihr täglich Brot sorgen zu müssen, verteilt die Oberbürgermeisterin beim Prinzenball milde Gaben in Form einer fünfstelligen Spende, die sicher nicht aus ihrer Privatschatulle stammt, da sie ein Monatssalär der städtischen First Lady locker um ein Drittel übersteigt. Obwohl die Zuwendung dem Narrenvolk gegönnt sei, stellt sich die Frage: Soll diese karitative Aktion als Höhepunkt aller "närrischen" Ereignisse der letzten Wochen und Monate verstanden werden?

Zwei Beispiele seien heraus gegriffen: Während Zulagen für Müllwerker gestrichen wurden, wurde dem Stadtkämmerer eine großzügige Aufstockung seiner Bezüge gewährt, und der monatelange Dauerstreit im Rathaus um einen durch eine private Spende finanzierten Spielplatz, bzw. dessen Standort, hat letztendlich zum Rückzieher des Spenders geführt.

Wenn die Fasnachtskampagne vorbei sein wird, wird das närrische Treiben im Rathaus sicherlich weiter gehen.

Der Schluss erscheint zwingend: Ohne Narren wäre die Stadt an Fasnacht um ein buntes Spektakel ärmer, aber ansonsten besser dran.

Rika Wettstein, Januar 2002



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