Die Inselbedeutung der
Kunst- und Kulturmeile Baden-Badens

Zum einjährigen Bestehen des
Museums [Sammlung] Frieder Burda war in beiden Lokalzeitungen viel Lobendes über Haus und Hausherrn zu lesen. Unter anderem kam die Chefin der stadteigenen Marketing-Gesellschaft in den BNN vom 22. Oktober 2005 zu Wort. Ihre Meinung, das Museum Frieder Burda komplettiere die Kunst- und Kulturmeile der Stadt, gipfelte in der Feststellung: "Für Baden-Baden ist das Ensemble aus Festspielhaus, Trinkhalle, Kurhaus mit Philharmonie, Theater, Kunsthalle, Museum und Stadtmuseum, was die Museumsinsel für Berlin ist." (BNN, 22.10.2005)

Oha! Dem geneigten Leser mag als Erstes zu diesem Vergleich einfallen, dass die Berliner Museumsinsel seit 1999 in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen ist, womit Baden-Baden nicht aufwarten kann. Angedacht, aber bislang weder von Aktivität oder gar Erfolg gekrönt, ist,
der Lichtentaler Allee in der UNESCO-Liste über das bereits bestehende Maß internationale Aufmerksamkeit zu verschaffen.

Zum Zweiten kann die jenseits der Oos von der ursprünglichen Stadt entfernt verlaufende Kunst- und Kulturmeile, beginnend beim ehemaligen
Alten Bahnhof und endend beim ehemaligen Hotel Alleehaus, rein geographisch betrachtet wohl kaum als Insel erkannt werden.

Vom Konzept her gesehen, geht die "Vergleichsrechnung" ebenso wenig auf.

Nach dem Bau des "Königlichen Museums" in Berlin verfügte König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen, "die ganze Spreeinsel hinter dem Museum zu einer Freistätte für Kunst und Wissenschaft umzuschaffen". Das war im Jahr 1841, zu einer Zeit als kein Baden-Badener eine Kunst- und Kulturmeile, sondern eher das Glücksspiel, Konversation und allenfalls noch Trink- und Badekuren im Sinn hatte. Vornehmlich gedacht für die Gäste, die sich allmählich zahlreicher in der kleinen ehemaligen badischen Residenzstadt einstellten, da die großherzogliche Familie den Charme des Oostals entdeckt hatte. Damit kamen deren zahlreiche deutsche und europäische Verwandte ebenfalls auf den Geschmack. Das französische Spielbankenverbot tat sein übriges, um Baden-Baden im 19. Jahrhundert zur "capitale d'été" werden zu lassen.

Die Museumsinsel Berlins wurde nach den Vorgaben eines Gesamtplans aus dem 19. Jahrhundert gestaltet, um eben eine "Freistätte für Kunst und Wissenschaft" zu verwirklichen. Die Baden-Badener Kunst- und Kulturmeile erscheint hingegen eher als Zufallsprodukt individueller Ideen und deren eigenständiger Umsetzung.

Die Pflege der
Musikkultur spielt dabei schon seit 150 Jahren eine Rolle. Die Pflege der Theaterkultur und die der Ausstellungskultur hat auch schon mehr als 100 Jahre auf dem Buckel. Der Kunst wird demzufolge südlich der Oos schon über einen beträchtlichen Zeitraum Tribut gezollt. Anders verhält es sich mit der Wissenschaft. Eine Solitärposition auf diesem Gebiet ist der Staatlichen Kunsthalle mit ihren vielfältigen Vortragsreihen und Symposien zuzugestehen. Eine weitere Pflege der Wissenschaft könnte allenfalls in von Festspielhaus, Theater, sowie der Stiftung Frieder Burda in jüngster Zeit realisierten Pädagogikprojekten erkannt werden. Oder in dem neu geschaffenen Stadtmuseum, hervorgegangen aus den Stadtgeschichtlichen Sammlungen, welches vielfältige Möglichkeiten bietet, sich mit der fast 2000jährigen Geschichte der internationalen Urlaubs- und Bäderstadt auseinanderzusetzen.

Und, wie bereits eingangs festgehalten: Die Museumsinsel Berlins ist in der Liste des UNESCO-Weltkulturerbes zu finden…

Rika Wettstein, Oktober 2005



Die Bedeutung des Baden-Badener "Kulturensembles" ist vielen Bürgern sehr wohl bewusst. Um so verwunderter mag der eine oder andere Einheimische oder auch Gast sein, auf den Verkehrsleitschildern am westlichen Stadteigang, am Autobahn-Zubringer und am Verfassungsplatz, keine Hinweise auf Theater und Stadtmuseum zu finden. Bereits im September 2004 haben die Macher von www.bad-bad.de gegenüber der OB formuliert:

"Wir regen deshalb an, beiden letztgenannten Einrichtungen eine ebensolche Aufmerksamkeit zukommen zu lassen wie der Staatlichen Kunsthalle und dem Museum für die Sammlung Frieder Burda. Sollte der Platz auf den Tafeln hierfür zu knapp sein, könnte kurz und bündig 'Kulturmeile' vermerkt werden."

Ende Oktober 2005 wurde diese Anregung, da seinerzeit reaktionslos geblieben, erneut vorgetragen. da mittlerweile das
Privatmuseum seinen Namen geändert hatte:

"Sollte in Erwägung gezogen sein oder aber in Erwägung gezogen werden, die Beschilderung gemäß der neuen Namensschöpfung 'Musuem Frieder Burda' zu aktualisieren, so böte sich nicht nur, sondern bietet sich regelrecht die Möglichkeit an, endlich auch auf Stadtmuseum und Theater hinzuweisen."

Da der sich zuständige Sachbearbeiter Anfang November 2005 im Urlaub befand, bat der Erste Bürgermeister um "etwas Geduld", bis eine "endgültige Antwort" gegeben werde.



Es mutet doch recht eigenartig an, dass die Bedeutung der Kulturmeile offenbar "akzentuiert" eingeschätzt wird. Am 3. Dezember 2005 erreichte uns Post aus dem Rathaus, die unter anderem Folgendes enthielt:

"... dass sowohl aus Platz- wie insbesondere auch aus sich daraus ergebenden Kostengründen auf die Nennung der Begriffe Stadtmuseum und Theater verzichtet werden musste. [...] Die Entscheidung, den Begriff Sammlung Frieder Burda (und Kunsthalle) in die KFZ-Wegweisung neu aufzunehmen geschah auch deshalb, um der Bedeutung des neuen Museums Frieder Burda für die Stadt Rechnung zu tragen.

Die jetzt vorgenommene Namensänderung von Sammlung Frieder Burda in Museum Frieder Burda wird auch in der KFZ- und Fußgänger-Wegweisung ihren Niederschlag finden, da die vorhandenen Wegweiser dem neuen Namen angepasst werden. Diese Maßnahme wird von der Stiftung Frieder Burda in eigener Regie beauftragt und bezahlt, so dass der Stadt durch diese Namensänderung keine Kosten entstehen."

Ein "Trostpflaster" bleibt den "verschmähten" traditionsreichen städtischen Einrichtungen, sowie den verwunderten Einheimischen und Gästen. Es wurde versichert, unseren Vorschlag in mögliche Überlegungen bei künftigen Änderungen in der Wegweisung mit einzubeziehen.


Die Baden-Badener Kulturmeile


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