Was wäre Baden-Baden
ohne seine Miseren?

Die 53000-Seelen-Gemeinde Baden-Baden ist im Augenblick miserabel dran. Sie hatte in den letzten Jahren etliche "Schicksalsschläge" zu erdulden: Das Fiasko des Festspielhauses, Hochwasser- und Sturmschäden und negative Auswirkungen der bundesrepublikanischen Steuerreform auf das Stadtsäckel, um nur einige zu nennen.

Und da der Stadthaushalt ohnehin nicht sonderlich ausgeglichen war, wurde die Schuldenlast immer drückender und führte dazu, dass der aktuelle Haushalt nur unter Auflagen vom Regierungspräsidium Karlsruhe als zuständigem Aufsichtsgremium genehmigt wurde. Vorstellbar ist in diesem Zusammenhang, dass die Karlsruher Kontrollbehörde die Amtsgeschäfte für einige Zeit übernimmt
wie anno 1594, als die Regierung der markgräflichen Linie Baden von der markgräflichen Linie Durlach für 28 Jahre unterbrochen wurde, weil wegen des hohen Schuldenstands des Hauses Baden Schaden von Land und Residenz abgewendet werden sollte.

Die Folgen der aktuellen Rekordverschuldung sind überall auszumachen, sei es in überholungsbedürftigen Schulgebäuden, auf desolaten Straßen oder in maroden Freibädern. Der Existenzgefährdung der städtischen
Clara-Schumann-Musikschule und des renommierten Baldreit-Stipendiums konnte gerade noch im letzten Moment begegnet werden.

Und schon droht neues Ungemach. Die Firma "Juhu" des Ausrichters des
Weihnachtsmarktes der Jahre 2000 und 2001 ist zahlungsunfähig und steht deshalb für ein weiteres Engagement im Winter 2002 nicht mehr zur Verfügung. Die arme Stadt hat aber nur vier eigene veraltete Marktbuden, wie im Badischen Tagblatt vom 5. Juni 2002 zu lesen ist, womit sich sicherlich kein Staat machen lässt.

Juhu, die nächste Misere ist da!

Abhilfe in diesem konkreten Fall könnten vielleicht die Nachwuchskräfte der deutschen Industrie- und Handelskammern schaffen,
die am 7. Juni 2002 einen Weihnachtsmarkt
in Baden-Baden ausrichten wollen
und damit doch einige Erfahrung für die Gestaltung eines wirklichen Weihnachtsmarktes sammeln können. Zur Herzenssache könnten es sich diese Wirtschaftsfachleute machen, der Stadt, in welcher sie so gern ihre Seminare abhalten, ihre Dienste gratis zur Verfügung zu stellen und ebenso kostenlos für eine anheimelnde Ausstattung des Weihnachtsmarktes zu sorgen.

Die pleite Stadt weist die höchste Millionärsdichte Deutschlands auf, weswegen es denkbar ist, einen gemeinnützigen Förderverein Baden-Baden eV. zu gründen, der allen wohlhabenden Einwohnern die Möglichkeit gibt, steuerlich absetzbare Spenden großzügigst zum Wohle der Stadt fließen zu lassen, damit allen Miseren zu Leibe gerückt werden kann.

Es darf geträumt werden, dass wenn diese dann erfolgreich ausgemerzt sein werden, der attraktive, positive Abwechslungsreichtum Baden-Badens wieder in vollen Zügen genossen werden kann.


Rika Wettstein, Juni 2002



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