Baden-Baden und die magic moments

Rechtzeitig zur Internationalen Tourismusbörse des Jahres 2005 in Berlin war er fertig, der Imagefilm "Baden-Baden Magic Moments". Im Wettbewerb um "Das goldene Stadttor 2005" wurde er von der heimischen Marketinggesellschaft ins Rennen geschickt und landete immerhin auf einem der vier dritten Plätze, die in der Kategorie "Stadttourismus" belegt wurden. Eine Jury aus knapp zwei Dutzend Vertretern aus dem Medien- und Pressebereich, sowie den Bereichen Tourismus, Kultur und Wirtschaft hatte dem neuen Imagefilm des oberbayerischen Wintersportorts Garmisch-Partenkirchens den Vorzug des ersten Platzes eingeräumt.

Wer Näheres zu diesem Film erfahren will, mag mit Verwunderung zur Kenntnis nehmen, dass die Baden-Baden Kur & Tourismus GmbH weniger dem Film als seinem Kameramann Aufmerksamkeit widmet. Zu lesen ist zwar "Die richtige Einstimmung für Ihren nächsten Baden-Baden-Aufenthalt" und von traumhaft schönen Bildern "- Frühjahr, Sommer, Herbst und Winter -" wird geschrieben. Das war's dann aber schon. Die "Magic Moments" lassen sich allenfalls anhand des Titelbildes erahnen, das wahrlich "Zauberhaftes" verheißt. Elegant mit weißem Kleid und fantasievollem Hütchen gekleidet, versenkt eine junge Dame ihren Blick in ein kleines Blumenbukett.

Derlei Aufmachung ist in der Kurstadt tatsächlich nur in wenigen Augenblicken des Jahres zu bewundern. Zu festlichen Anlässen wie Hochzeiten, Bällen, den Pfingstfestspielen im Festspielhaus oder den Pferderennen in Iffezheim. Ansonsten ist das Magische in dieser Stadt eher weniger festlicher und zauberhafter Natur, wie bereits einige wenige Beispiele belegen.

Das Simsalabim der Namensänderung eines Straßenteilstücks in der Cité in "Pariser Ring" kam den dort Wohnenden nicht nur magic sondern widerspruchswürdig vor. Sie müssen sich allerdings wohl damit abfinden, dass nach dem Willen der Stadtverwaltung die Umbenennung "beibehalten bleibt". (Badisches Tagblatt, 20.4.2005)

Magic moments taten sich auch während einer öffentlichen Informationsveranstaltung in der leidigen, seit Jahrzehnten dümpelnden Bäderfrage auf, als sich die Verwaltung außerstande sah,
sachorientierte Antworten zu geben. Einen ähnlichen magic moment erlebten viele Kleingolfbegeisterte, als im Frühjahr 2003 keine Rede mehr davon war, den beliebten Platz in der Lichtentaler Allee wieder einzurichten.

Ganz zu schweigen von der wundersamen Wandlung eines in seiner Architektur
futuristisch anmutenden Fachmarktzentrums zu einem im Erscheinungsbild vollkommen veränderten Einkaufszentrum.

Die immer klammer werdende Situation des städtischen Haushalts beschert alljährlich magic moments von Beschlüssen über für die Bürger
nachteilige Sparmaßnahmen. Weswegen es ein echter, positiver magic moment wäre, die Baden-Badener täten es den Freiburgern gleich und würden aus Kostengründen einen Bürgermeisterposten einsparen. (Badisches Tagblatt, 21.4.2005)

Derlei könnte der Anfang einer Reihe weiterer Ereignisse sein, die - wie von Zauberhand gelenkt - beispielsweise steigende Übernachtungszahlen und wachsende Prosperität mit sich bringen.

Bis dies eintreten wird, bleibt Einheimischen wie auch Gästen allerdings nur aufzunehmen und zu genießen, was wirklich zauberhaft ist: Die Vielfalt und Schönheit der Natur im Oostal, und zwar nicht nur im Moment, sondern ganzjährig - im Frühjahr, Sommer, Herbst und Winter.


Rika Wettstein, April 2005


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