Baden-Baden, die Kommunikationspannen und andere Ungereimtheiten

Baden-Baden ist eine Urlaubs- und Kongressstadt und dies nicht erst seit gestern. Baden-Baden ist zudem ein "Straßendorf". Entlang der Oos zieht sich eine Durchgangsstraße von der im Westen gelegenen Autobahn und deren Abfahrten bis nach Oberbeuern im Osten, von der allerlei Straßen rechts und links dieser Verkehrsader die Hügel hinanführen.

Baden-Badens "zentraler Platz", der Leopoldsplatz, auf eben dieser Durchgangsstraße gelegen, ist für den Individualverkehr seit Jahren tabu. Um trotzdem ein Weiterkommen in Richtung Osten zu ermöglichen, wurde der Michaelstunnel südlich der Durchgangsstraße durch die Hügel getrieben. So weit, so durchdacht - wenn auch mit erheblichen Verkehrsproblemen behaftet, wenn Letzterer gewartet oder gar repariert werden muss, oder sich in der Röhre ein Unfall ereignet, der eine Sperrung dieses Verkehrsbypasses notwendig macht.

Baden-Baden ist, wie bereits bemerkt, eine Urlaubs- und Kongressstadt. Just im Oktober finden in ihr zwei hochkarätige Veranstaltungen statt, schon traditionell, kann getrost behauptet werden. Zum einen treffen sich die Rückversicherer aus aller Welt in der kleinen Stadt mit dem großen Flair und den vielen schmucken, gastlichen Hotels und Restaurants zu ihren Strategiegesprächen. Zum anderen findet die so genannte Medizinische Woche statt, die im Jahr 2006 zum 40. Mal in der Kurstadt realisiert wird und rund 4700 Mediziner in der Zeit vom 28. Oktober bis zum 2. November zu Fachgesprächen zusammenführt.

Dies wissen eigentlich alle Baden-Badener, auch die Einzelhändler, die für das in die 40. Medizinische Woche fallende Wochenende zu Jahresbeginn einen verkaufsoffenen Sonntag beantragt haben und von Verwaltung und Gemeindrat genehmigt bekamen.

Die überschaubare Anzahl an Großveranstaltungen, die jährlich die Stadt mit Tausenden von Übernachtungsgästen füllen, macht das kurzfristige Auffinden und Reservieren von freien Unterkünften ziemlich schwer und erweckt den Eindruck, Baden-Baden brauche unbedingt mehr Übernachtungsmöglichkeiten, auch wenn die durchschnittliche jährliche Bettenauslastung seit langem unter 50 Prozent liegt.

Also wurde dem Vorhaben, einige Meter von der westlichen Tunneleinfahrt entfernt ein Hotel zu bauen, grünes Licht gegeben. Das im Rohbau befindliche Hotel liegt direkt an der dort dreispurigen Durchgangsstraße, die am Leopoldsplatz nur noch für Linienbusse "durchgängig" ist. Seit geraumer Zeit sind die drei Spuren wegen des Hotelneubaus auf zwei reduziert, was zu Stoßzeiten bereits zu Verkehrsbehinderungen beim Einfahren in das und Ausfahren aus dem westlich des Leopoldsplatzes gelegenen Areal mit seinen Einzelhandelsgeschäften, Arztpraxen, Kanzleien, Hotels, Restaurants und Wohnungen geführt hat.

Am Dienstag, dem 24. Oktober 2006, war das Chaos dann perfekt. An der Baustelle war - man lese und staune - nur noch eine einzige Fahrspur vorhanden für Autos, die in eben diesen Westteil der Innenstadt wollten oder aus diesem ausfahren wollten und für die von Ost nach West und von West nach Ost fahrenden Linienbusse.

War die Bevölkerung bislang gewohnt, dass verkehrsbeeinträchtigende Maßnahmen innerhalb einer angemessenen Frist ausführlich angekündigt wurden, so tappte sie wie auch die vielen Gäste unvorbereitet in die Staufalle. Diejenigen, die sich am Morgen zum Frühstück nicht die Lektüre des Badischen Tagblatts gegönnt haben, standen staunend, fluchend, resignierend in sich kaum bewegenden, immer länger werdenden Autoschlangen, da die Stadtverwaltung erst am Vortag informiert hatte, von der zum werdenden Hotel verlegten Erdwärmeleitung werde ein Abzweig in Richtung des jenseits der Durchgangsstraße befindlichen
Batschari-Gebäudes gelegt. Da dieser Abzweig die dort Lange Straße genannte Durchgangsstraße queren müsse, bliebe keine andere Lösung, als nur noch eine Fahrspur auf diesem Straßenteilstück offen zu halten.

Schock, schwere Not! Die Pendler waren vergrätzt. Die Einzelhändler, ohnehin nicht gerade von der Kauflust verwöhnt, stöhnten und sahen ihr letztes Geschäftsstündlein in greifbare Nähe gerückt. Schulkinder waren ebenso betroffen wie Kranke. Die Liste ließe sich fortführen, würde jedoch vermutlich nicht so lang werden wie der Rückstau, der sich stadteinwärts bildete und auch das Weiterkommen zum und vom Michaelstunnel behinderte.

Ach ja - die Rückversicherer waren auch anwesend, was seit langem bekannt gewesen ist. Wenn der eine oder andere mit dem Taxi zum Baden Airpark oder zum Bahnhof wollte…

Einige besser Informierte fragten sich, warum eine Woche vor diesem Desaster im gemeinderätlichen Bau- und Umweltausschuss auf die Frage, ob die Batschari-Investoren das Gebäude an das Fernwärmenetz angeschlossen haben wollten, die Antwort lautete, dass dies nicht beabsichtigt sei.

Nun denn, Erklärungsbedarf war angesagt. Dieser ging von Prophylaxe, falls die Batschari-Investoren Fernwärme nutzen wollten, bis zu Kommunikationsproblemen zwischen Investoren, Stadtverwaltung und beteiligten Unternehmen. Allein, was half dies: Der Verkehrskollaps zog sich und zog sich.

Am Freitag, dem 27. Oktober, war im BT zu lesen, die Batschari-Investoren hätten in ihrem längst eingereichten Bauantrag ausdrücklich darauf verwiesen, wenn sie Fernwärme hätten nutzen wollen. Haben sie aber nicht - aber, so der nächste Erklärungsversuch, dieses Mal von Bürgermeister Liebenstein kommend, der Aufsichtsratvorsitzender der Gemeinschaftskraftwerk Baden-Baden (GKB) GmbH ist: Den Batschari-Investoren werde ein Angebot für den Anschluss an das Fernwärmenetz vorgelegt werden. Grundsätzlich habe der GKB-Aufsichtsrat beschlossen, die Leitung vorsorglich zu verlegen. Und weiter: "Wenn wir es nicht potenziell verlegen würden, würde man uns ja prügeln, wenn wir die Lange Straße noch mal sperren müssen."

Die Stadt ist zwar zur Hälfte an dieser Kraftwerksgesellschaft beteiligt, profitierte also davon, wenn das GKB-Angebot von den Batschari-Investoren akzeptiert würde. Indes wiegt dieser Profit wohl kaum den entstandenen Schaden auf. Zeitverlust, Umsatzausfall und vor allem "Image"schaden infolge von Kommunikationspannen und der Vergesslichkeit der Stadtverwaltung, dass im Oktober die Gästescharen in die Stadt strömen, so sie denn strömen können.

Bleibt zu hoffen, dass sich bis zum Eintreffen der Mediziner die Verkehrslage wenigstens auf Zweispurbefahrbarkeit dieses neuralgischen Straßenstückes geändert hat. Zur Erinnerung: Die Mediziner kommen zum 40. Mal an die Oos. Hoffentlich nicht zum letzten Mal. Denn sonst hätte das potenzielle Verlegen eines Erdwärmeabzweigrohres unabsehbare Folgen zum potenziellen Schaden der ganzen Stadt.

Rika Wettstein, Oktober 2006


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