Was wäre Baden-Baden
ohne Werbung?

Wasserdampf war der erste Werbeträger des späteren Baden-Baden. Neugierige römische Legionäre machten sich von Straßburg durch das Sumpfgelände gen Nord-Osten auf, um dem Geheimnis der wabernden Schwaden über den Hügeln auf die Spur zu kommen. Welche Freude und welcher Genuss muss es für diese Menschen mit ihrer im Heimatland hochentwickelten Badekultur gewesen sein, in das wärmende Wasser einzutauchen, denn sie gingen flugs daran, den Ort um die Thermalquellen herum zu besiedeln.

Die Kunde von diesem wunderbaren Ort im ansonsten recht unwirtlichen Germanien muss schnell die Runde gemacht haben, denn die Stadt wuchs und wuchs und wartete mit einmaligen Bädern auf - natürlich klassenmäßig getrennt in Kaiser- und Soldatenbäder. Selbst römische Kaiser überzeugten sich von der Attraktivität der Civitas Aurelia Aquensis. Dann machten weniger kultivierte Zeitgenossen den Römern und der Stadt den Garaus.

Für Jahrhunderte spielten die Thermalquellen keine Rolle mehr, bis im Mittelalter Ortsansässige und etliche Gelehrte sich der Besonderheiten des Wassers besannen und eine Neuauflage der Badekultur -allerdings nicht im prachtvollen Ambiente der Römerzeit- einsetzte. Sagen und Legenden über die Heilkraft des Wassers hatten einen gewissen Werbeeffekt und zogen gichtgeplagte Fürsten und schwindsüchtige Kaufleute an, wodurch die Stadt nicht zuletzt auch wegen ihres Status' als Residenzstadt der badischen Markgrafen wieder eine gewisse Blütezeit erfuhr, die allerdings im großen Stadtbrand ein Ende fand.

Die Konzession zum Glücksspiel ließ die Stadt wieder an Attraktivität gewinnen. Baden-Baden war als Spielerparadies gefragt, besonders im 19. Jahrhundert, als vornehmlich Franzosen und Russen ihr Zockerglück versuchten. Das passende Umfeld für all die edlen und halbedlen Herrschaften musste natürlich geschaffen werden. Eine spezielle Werbung war nicht nötig, der Aufenthalt in Baden-Baden war ein gesellschaftliches Muss. Ein ungemein abwechslungsreiches Leben beherrschte die Stadt bis zum Verbot der Spielbanken. Da verflog der Reiz und es entstand die Notwendigkeit, die Thermalbäder, die schöne Landschaft, das milde Klima und all die kulturellen Anreize, welche die Stadt zu bieten hatte, werbewirksam zu verbreiten.
Im 20. Jahrhundert musste noch mehr auf Werbung gesetzt werden, denn die Weltkriege und alle Nebenerscheinungen ließen Gedanken an Kur, Urlaub und müßigen Zeitvertreib zur Nebensache werden. Die Überbleibsel der Blütezeit des 19. Jahrhunderts und einige neue Ideen sollten die Besucher wieder anlocken. Mäßig erfolgreich waren diese Maßnahmen, und selbst die Wiederzulassung der Spielbank konnte die Erwartungen, die möglicherweise zu hoch angesetzt waren, nicht erfüllen.

Und so wird seit Jahren mit Zielgruppen, Anforderungsprofilen, Analysergebnissen verschiedenster Art operiert und es werden entsprechende Werbestrategien entworfen. Allein - die umworbenen Gäste stellen sich nicht in der erhofften Zahl ein. Guter Rat ist teuer! Den Gästen hinterher rennen, bringt's wohl nicht, sie sollten schon gern von allein zu uns kommen.

Probieren wir es doch einfach einmal damit:

Machen wir's wie die alten Römer! Entwickeln wir eine attraktive Badekultur mit allem D'rum und D'ran für jedermann, ob "Kaiser" oder "Soldat", und schaffen wir mit allen unseren verfügbaren geistigen, körperlichen und finanziellen Kräften eine einmalige, unverwechselbare Bäderstadt! Und wie einst die Römer aus allen Teilen ihres Imperiums zur sinnenfreudigen Erholung gekommen sind, werden Erholung und Abwechslung suchende Gäste vom ganzen Globus zu begrüßen sein - ohne spezielle Werbemaßnahmen.

Rika Wettstein, Juli 2001



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