Was wäre das Jugendorchester ohne seinen Namenszusatz Baden-Baden?

Das Jugendorchester Baden-Baden, vornehmlich sein Gründer, Leiter und Dirigent, ist in den letzten Wochen aus den Lokalschlagzeilen der Baden-Badener Zeitungen nicht mehr wegzudenken.

In den vergangenen Jahrzehnten waren Berichte über exzellente Konzerte zu lesen. Nicht nur heimische Besucher konnten sich daran erfreuen. Kreuz und quer durch die Republik hat das Jugendorchester Baden-Baden auf musikalisch anspruchsvolle Form repräsentiert.

Und nun soll einer Meldung im Badischen Tagblatt vom 9. März 2002 zufolge dem Jugendorchester verwehrt werden, "weiter den Zusatz 'Baden-Baden' zu führen". So will es der städtische Kulturausschuss.

Der Grund für diese Forderung steht im krassen Widerspruch zu Vokabeln wie "anspruchsvoll", "harmonisch", "niveauvoll", mit denen das Jugendorchester so häufig bedacht worden ist.

Dem eigenwilligen Dirigenten des Jugendorchesters war nach monatelangen Ermittlungen ein Strafbefehl wegen sexuellen Missbrauchs zugegangen. Um Schaden von seinem Orchester abzuwenden, so der Orchesterchef, habe er auf einen Widerspruch und eine damit einhergehende Gerichtsverhandlung verzichtet und den Strafbefehl akzeptiert. Damit ist der Strafbefehl wegen des Deliktes sexueller Missbrauch rechtskräftig, also Fakt.

"Die Geister regen sich" in Gestalt von Schutzorganisationen, Stadträten im Kulturausschuss oder Leserbriefschreibern pro und kontra Orchesterchef. Und dieser hat sich keineswegs das Büßergewand übergezogen, sondern wettert öffentlichkeitswirksam gegen die Einbehaltung eines städtischen finanziellen Zuschusses bis eine Lösung für die Aufrechterhaltung des Jugendorchesters unter anderer Leitung gefunden ist. Der Straftäter wirft der Stadt sogar "Erpressung" (BNN 16.03.2002), und damit eine Straftat, vor.

Um die Befindlichkeit der Orchestermitglieder kümmert sich offensichtlich niemand. Sie haben diese unappetitliche Schlammschlacht in den vergangenen Wochen tapfer durchgestanden und sogar noch ein viel beachtetes Konzert gegeben.

Ihre "Bestrafung" durch das Verbot, den Namen "Baden-Baden" weiter zu führen, ist absolut unsachlich und ungerecht. Es ist allerdings zu befürchten, dass ohnehin das Ende dieses traditionsreichen Orchesters bevorsteht, egal ob mit oder ohne "Baden-Baden" im Namenszusatz, und es ist zutiefst zu bedauern, dass Dutzende talentierter, engagierter junger Menschen Leidtragende eines würdelosen Spektakels werden mussten.

Rika Wettstein, März 2002



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