Was wäre Baden-Baden
ohne Imagewerbung?

Der aus dem Englischen stammende Begriff "Image" bedeutet "das Bild bzw. der Eindruck, den die Öffentlichkeit von einer Person oder Sache hat", lässt ein im Jahr 2001 völlig neu entwickeltes Schulwörterbuch wissen.

Die Werbung hingegen verfolgt das Ziel, jemanden für etwas zu gewinnen.

In der internationalen Urlaubs- und Bäderstadt wird seit Jahrzehnten
auf verschiedenste Art Werbung betrieben, um Gäste für Baden-Baden zu gewinnen.

Als Erfolg dieser Werbung kann die Ausrichtung des
100. Deutschen Bädertages im April 2004 gewertet werden. Die städtische Tourismuschefin schreibt dieser Veranstaltung "positive Wirkung nach außen" zu, während die Oberbürgermeisterin gar erfreut feststellt: "Eine solche Veranstaltung ist eine große Imagewerbung für Baden-Baden." (Badisches Tagblatt, 23.2.2004)

Es mag ihr zugute gehalten werden, dass die Freude über die Entscheidung für Baden-Baden als Austragungsort des Jubiläumsbädertages offenbar den Überschwang beim Formulieren bewirkte: Jemand soll dafür gewonnen werden, sich ein Bild bzw. einen Eindruck von Baden-Baden zu verschaffen. Vermutlich war gemeint, dass die Anwesenheit von Kurdirektoren, Medizinern, Wissenschaftlern, Tourismusfachleuten, sowie von Vertretern aus der Politik und des Gesundheitswesens während der 100. Fachtagung des Deutschen Heilbäderverbandes der Stadt zu einem besonders guten Eindruck verhilft, ihr Image damit also merklich verbessert.

Befürchtet werden muss, dass kein besonders guter Eindruck entsteht, wenn sich am 24. April 2004 Folgendes ereignet:

"Die Römer erobern das Kongresshaus. Die Römer-Garde mit allen Römerinnen und Römern zieht mit ihren Streitwagen durch die Stadt zum Kurhaus. Dort werden Fanfaren erklingen und die Gäste begrüßt. Baden-Baden in seiner römischen Glanzzeit lebt wieder auf!"

Der noch junge Verein Römer-Garde Baden-Baden e.V., Ende 1998 gegründet, hat sich nicht nur der Pflege fasnachtlichen Brauchtums verschrieben, sondern betreibt eifrige Image-Politur durch die Verleihung von Ehrenpreisen und des Titels Consul bzw. Consulin an Personen "für geleistete und noch zu leistende Dienste zum Wohle der Römer-Garde e.V. und der Stadt Baden-Baden".

Während drei Jahren sind bereits zehn verdienstvolle Persönlichkeiten ausgezeichnet worden; zu allererst im Februar 2001 die amtierende Baden-Badener Oberbürgermeisterin. Im Februar 2003 hat der Verein einen Lokalpolitiker, der zugleich Mitglied der Römergarde Baden-Baden e.V. ist, zum Consul erhoben.

Nicht ganz geschichtsorientiert scheint diese Entscheidung zu sein, denn die Konsuln des Römischen Reiches mussten ein Mindestalter von 43 Jahren erreicht haben, bevor sie die Würde eines obersten Beamten für ein Jahr übertragen bekamen.


Omnia praeclara rar. - Alles Vortreffliche ist selten.

Besagtes Vereinsmitglied, Jahrgang 1966, mag zum Consul auserkoren worden sein, weil er in der Stadt eine Vielzahl an Ämtern bekleidet. Er ist unter anderem Stadtrat, Kreisvorsitzender der FDP, Kirchenältester und Vorsitzender oder stellvertretender Vorsitzender in verschiedenen Vereinen. Darüber hinaus ist er als Geschäftsführer einer so genannten Nachhilfeschule tätig, deren Eröffnung Ende 2003 mit rund 100 Gästen begangen wurde und deren "Image" durch die Anwesenheit des Baden-Badener Kulturbürgermeisters sicherlich einen gewissen positiven Schub erhielt.

Der nächste "Image-Coup" im Februar 2004 war nicht so gelungen. Der vielseitig Engagierte wollte seiner Schule offenbar neuerlich Gutes tun, indem er auf Werbeträgern für den traditionellen Schülerfasnachtsball, zu dessen Koordinator er sich aufgeschwungen hatte, neben dem Sponsor des Balles seine Schule nennen ließ.

Seither beschädigen etliche Lokalpolitiker wechselseitig den ursprünglich vornehmlich positiven Eindruck, den sie in der Öffentlichkeit erzeugt haben mögen.

Dies Treiben hat die närrische fünfte Jahreszeit überdauert und mag bis in den April und weiter gezogen werden. Immerhin stehen im Juni 2004 Kommunalwahlen an.

Die auswärtigen Teilnehmer am 100. Deutschen Bädertag wird die Baden-Badener Kommunalwahl kaum interessieren. Sie haben jedoch die Möglichkeit, Augenzeuge eines Spektakels zu werden, das mit "Streitwagen" und "allen Römerinnen und Römern" dem Beginn eines durchaus als ernsthaft zu wertenden Kongresses einen närrischen Anstrich verleiht.

Ob dieses Spektakel von allen mit Humor zur Kenntnis genommen werden wird, ist ebenso fraglich wie sein Wert als "große Imagewerbung" für die Stadt.

Rika Wettstein, März 2004


Abbildung oben: Unser Vorschlag für eine "Image Werbung" für die Baden-Badener Liberalen zur Kommunalwahl des Jahres 2004.
(© WAEP)
Lesen Sie hierzu auch:
"Kommunalwahl in Baden-Baden kann stattfinden".


Die Badischen Neuesten Nachrichten berichteten am 21. Mail 2004 von der Jahreshauptversammlung der Römergarde Baden-Baden e.V. unter anderem: "Viel Lob von Brigitte Goertz-Meissner [städtische Tourismuschefin, Anm. der Red.] erntete die Römergarde für ihren optisch sehr beeindruckenden Auftritt anlässlich des
100. Deutschen Bädertages, mit einem Umzug durch die Stadt und Aufmarsch vor dem Kurhaus."




Über ein nicht gerade rühmliches Beispiel der Imagepflege berichteten die Badischen Neuesten Nachrichten am 10. Mai 2004:

Nichts mit Walking:
Laufwillige sind sauer

Mit ihrer Verärgerung hielten viele Laufwillige am Samstagmorgen kaum hinterm Berg. Zum zweiten Mal schon war der landesweite Walking-Tag ausgerufen worden, für den auch in Baden-Baden geworben wurde. So jedenfalls hatte es die Kur & Tourismus GmbH noch am 29. April per Pressemitteilung angekündigt und sich auch auf die landesweit verteilten Flyer, die in ganz Baden-Württemberg in den Apotheken auslagen, aufnehmen lassen.

"Nordic Walking Schnuppertour; Treffpunkt 10 Uhr an der Caracalla-Therme" lud man darin munter ein. Allein die Unerschrockenen die dem Regen trotzen wollten, standen am Samstagmorgen alleine da. Wer nicht erschien, war der Veranstalter. Weder der angekündigte qualifizierte Trainer noch ein Mitarbeiter der Kur- und Tourismus GmbH ließ sich blicken.

Dass die Veranstaltung in Baden-Baden abgesagt wurde, war schließlich auf Umwegen zu erfahren. Mühevolles Hinterhertelefonieren und Recherchen brachten zu Tage, dass offensichtlich im Vorfeld die Resonanz nicht groß genug gewesen sei. "Hätte ich das gewusst, dann wäre ich nach Bad Peterstal oder sonst irgendwo hin gefahren. Der Tag ist mir verdorben", schimpfte ein eigens aus Hausach angereister Architekt, der vor lauter Ärger auch keine Lust mehr verspürte wenigstens die Thermalbäder zu besuchen, in denen er sich nach der "Tour auf dem neu ausgewiesenen Nordic-Walking-Weg Baden-Badens" entspannen wollte. "Ich bin schon sehr enttäuscht", meinte auch Norbert Ramsteiner vom SV Ottenau. Besonders die Einführung durch einen qualifizierten Trainer hatte ihn gereizt. "Dabei steht es hier ganz klar drauf", meinte er kopfschüttelnd.



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