Baden-Baden und der International Baden-Baden Foundation e.V.

Baden-Baden, die Sommerhauptstadt Europas des 19. Jahrhunderts und internationale Urlaubs- und Bäderstadt des beginnenden dritten Jahrtausends eignet sich zweifelsfrei hervorragend als Sitz eines gemeinnützigen Vereins, der den Namen International Baden-Baden Foundation e.V. trägt.

Der Internet-Auftritt des im Jahr 1999 gegründeten IBBF e.V. lässt unter anderem wissen, der Zweck des Vereins sei die Förderung der Kultur des Friedens, der Toleranz und des Dialogs zur Sicherung eines friedlichen Zusammenlebens der Menschheit im 21. Jahrhundert.

Um den Vereinszweck zu erfüllen, soll die Organisation internationaler Treffen von führenden Persönlichkeiten des politischen, kulturellen und gesellschaftlichen Lebens als wesentliches Mittel dienen.

Reichlich beeindruckend ist die Titelseite der Präsentation. Unter dem Leitwort "Für eine Kultur des Friedens und der Zivilisation" wehen zwei Fahnen, die dazu einladen, die jeweiligen Ausführungen in den korrespondierenden Sprachen aufzunehmen. Wer meint, es handele sich dabei um die in deutschen Präsentationen zu findenden gängigen Sprachversionen deutsch und englisch, irrt. Im Angebot sind deutsch und russisch, was ja auch nicht gerade ungeschickt ist, da Baden-Baden als russischste Stadt außerhalb Russlands eingeschätzt werden könnte.

Zur Internationalität gehören aber sicher noch ein paar mehr Sprachen, so dass leicht die Empfindung aufkommen kann, es sei eine Fahne zu viel platziert worden oder aber etliche Fahnen zu wenig.

Das Internationale des IBBF e.V. hatte während der beiden ersten Round Table Gespräche, die Ende 1999 und Mitte 2000 geführt wurden, wohl noch Gewicht. Vom 3.10.2000 an orientierten sich die Interessen dieses gemeinnützigen Vereins immer mehr in Richtung Russland. Außer den jährlich durchgeführten "Deutsch-Russischen Dialogen", die vornehmlich von Wirtschaftsinteressen geleitet sind und die im Jahr 2005 zum sechsten Mal stattfinden, schien und scheint der IBBF e.V. keine weiteren, öffentlich erkennbaren Aktivitäten zu leisten.

Insofern mag die Aussage zur Organisation internationaler Treffen nicht mehr so ganz zutreffend sein, womit auch die Feststellung verknüpft werden kann, der Verein täte gut daran, sich in German Russian Baden-Baden Foundation e.V. umzubenennen.

Dies allerdings könnte ihn zum Mittelpunkt kritischer Betrachtungen werden lassen, die wegen des "international" im Namen im Laufe der letzten Jahre wohl nicht aufgekommen sind, auch wenn sie angebracht gewesen wären.

Die Geschäftsstelle des IBBF e.V. hat die Postadresse Marktplatz 2, was nur den Ortskundigen vermittelt, dass diese Geschäftsstelle im Baden-Badener Rathaus untergebracht ist. Telefon- und Faxanschluesse enthalten Rathausnummern.

Den mehr als
600 in Baden-Baden eingetragenen Vereinen, die teils alteingesessen sind, die vornehmlich Baden-Badener Bürgern sportliche und kulturelle Betätigung ermöglichen und sich häufig der Jugendarbeit annehmen, dabei in den letzten Jahren aber über gekürzte städtische Zuschüsse und gestiegene Benutzungsgebühren städtischer Einrichtungen stöhnen mussten, wird wohl kaum einer der Verantwortlichen vermitteln können, warum ein doch recht junger Verein einen derart privilegierten Status einnehmen kann. Vielleicht kommt der eine oder andere Vereinsvorsitzende auch ins Grübeln, ob der IBBF e.V. überhaupt Miete und anteilige Betriebskosten bezahlt.

Wer sich gar über Präsidium und Beirat des IBBF e.V. informieren will, dem könnten die Augen übergehen. Präsidentin ist die amtierende Baden-Badener Oberbürgermeisterin. Einer der beiden geschäftsführenden Vorstände ist der ebenfalls amtierende Kurstadt-Bürgermeister für Schule, Kultur, soziale Versorgung und Verkehr. Als Beirat fungiert unter anderem der Leiter des örtlichen Schul-, Kultur- und Sportamtes.

Bauchgrimmen kann aufkommen, erinnert man sich an etliche Vorgänge der letzten eineinhalb Jahre, die beispielsweise das
gewaltige Medienecho zum Verkauf der Grundig-Villa ebenso bescherten wie Schleuserprobleme oder die jüngsten Erkenntnisse und Befürchtungen des Ostgangster-Spezialisten Jürgen Roth. Um solchem zu entgehen, erscheint es opportun und allerhöchste Zeit, eine Entflechtung dieser zur Skepsis Anlass gebenden Melange von Wahrnehmung öffentlicher Ämter und rein privater Vereinsposten, sowie einen Umzug der Geschäftsstelle an eine unverfängliche Adresse vorzunehmen, um das Rothsche Menetekel
"Und eines ist sicher: Mit dem vielen Geld kommt - früher oder später - auch die nackte Gewalt. Und deshalb könnte es mit der schönen Idylle in Baden-Baden auch bald vorbei sein."
nicht doch über kurz oder lang wahr werden zu lassen.

Rika Wettstein, Februar 2005



Ungereimtheiten sind wohl in der Gemeinderatssitzung vom 28.2.2005 zur Sprache gekommen. So berichteten die Badischen Neuesten Nachrichten vom 1.3.2005:

OB Lang nimmt Liebenstein in Schutz

Im Zusammenhang mit
Empfehlungsschreiben aus dem Rathaus an die deutsche Botschaft in Kiew hat sich Oberbürgermeisterin Sigrun Lang vor ihren Kollegen Kurt Liebenstein gestellt. Auf Anfrage der Grünen bestätigte das Stadtoberhaupt bei der gestrigen Sitzung des Gemeinderats die Existenz entsprechender Schreiben aus den Jahren 1999 und 2000. Sie seien jedoch "nicht im Umfeld der jetzigen Problematik" zu sehen betonte Lang.

Mit den Empfehlungsschreiben habe man keinerlei Einfluss auf die Art der Fallbearbeitung in der Botschaft genommen. Es sei lediglich darum gegangen, eine üblicher Weise vier Monate dauernde Wartezeit verkürzen zu helfen. Über die Gäste, denen man auf diese Weise entgegen kommen wollte, seien Privatkliniken Hotellerie und der Einzelhandel der Stadt "sehr froh", wie die Oberbürgermeisterin erklärte.

Entgegen anders lautenden Behauptungen sei Bürgermeister Liebenstein "bis heute nicht als Zeuge" in einem einschlägigen Prozess benannt worden. Für die International Baden-Baden Foundation (IBBF) halte die Stadt lediglich ein Büro mit 16 Quadratmetern vor.

Die Organisation komme selbst für sämtliche weiteren Kosten inklusive der anfallenden Telefongebühren auf.



Der IBBF e.V. und seine Foren

Für den 10. bis 12. März 2005 wurde das sechste Baden-Baden-Forum des IBBF e.V. terminiert.

Am 10.3.2005 meldeten die Badischen Neuesten Nachrichten 120 Teilnehmer, wozu auch Politiker und Geschäftsleute aus Frankreich zählten, die erstmals Gelegenheit zu einer Teilnahme erhalten hätten.

Zitiert wurde der neben Bürgermeister Kurt Liebenstein ebenfalls als Vizepräsident des IBBF e.V. amtierende Vladimir Lomeiko, der unterstrich, in der Forumsveranstaltung des vergangenen Jahres sei es zu einem Milliarden schweren Vertrag zur Nutzung von Ressourcen zwischen dem Unternehmen Wintershall [der hundertprozentigen Tochter des Chemie-Giganten BASF, Red.] und der Republik Dagestan gekommen.

Für die autonome Republik Dagestan, zwischen dem Kaukasus im Westen und dem Kaspischen Meer im Osten gelegen, ist die Förderung von Erdöl und Ergas ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor. Ethnische Spannungen sind in dem aus etwa 30 Volksgruppen bestehenden Land latent vorhanden.

In einem interessanten Artikel der "Junge Welt" vom 19.1.2005 schrieb Hermann Werle über "die Arterien Europas":

"Die Kurzformel »Blut für Öl« zur Beschreibung des Ressourcenimperialismus der USA gegenüber dem Irak könnte in absehbarer Zeit durch den Slogan »Blut für Erdgas« abgelöst werden. Und wer wissen möchte, wo die Bundeswehr »unsere Interessen« künftig verteidigen wird, folge den Routen der (geplanten) Erdgasröhren."

Derlei verträgt sich wohl kaum mit dem Vereinszweck des IBBF e.V. "Förderung der Kultur des Friedens" und allen weiteren hehren Zielen wie beispielsweise dem der gerechten Verteilung des Wohlstands.

Was den Wohlstand anlangt, so könnten die Vereinsstrategen auf die Idee kommen, wenn schon die Baden-Badener Infrastruktur und das Ambiente der Kurstadt genutzt werden, um Milliarden schwere Verträge in die Wege zu leiten, doch auch ganz gemeinnützig für Baden-Baden aktiv zu werden, eine Provision für die Funktion als "Türöffner" auszuhandeln und diese dann dem schwindsüchtigen Stadtsäckel zugute kommen zu lassen. Immerhin meinte Vladimir Lomeiko: "Die Baden-Badener Zusammenkunft habe weithin einen hervorragenden Klang und verstehe sich als Türöffner." (BNN, 10.3.2005)

Die rund 70000 Euro, die das Forum an Kosten verursache, wurden von Vladimir Lomeikos Vizepräsidenten-Pendant Kurt Liebenstein als durch Sponsoring und Teilnehmer-Beiträge abgedeckt bezeichnet. Zudem habe jedes Forum bisher eine Wertschöpfung von durchschnittlich 500000 Euro für die Stadt erbracht.

Es bleibt, eine einfache Rechnung aufzumachen: 120 Teilnehmer erbringen in drei Tagen eine halbe Million Euro. Dies bedeutet im Durchschnitt rund 1400 Euro pro Person und Tag...



Zum Jahreswechsel 2006/2007 hat der IBBF e.V. sang- und klanglos seine Existenz ausgehaucht, um als BBF e.V. unter Vladimir Lomeiko wie ein Phönix aus der Asche wieder zu erstehen und vom 1. bis 3. März 2007 ein 8. Forum "Deutsch-Russischer Dialog 2007" (Badisches Tagblatt, 02.03.2007) zu realisieren. Da diese Vweranstaltung in der Zählung direkt an die Foren des IBBF e.V. anschließt, darf mit Fug und Recht angenommen werden, dass sich an den Zielen und Aktivitäten des Vereins im Vergleich zu seinem Vorgängerverein nichts oder kaum etwas verändert hat.



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