Bürgerschaftliches Engagement
und seine Hemmnisse

Ende des ausgehenden zweiten nachchristlichen Jahrtausends war die internationale Urlaubs- und Bäderstadt Baden-Baden in dem noch jungen Medium Internet mit einer nicht gerade berauschenden Präsentation vertreten.

Ehemalige Internetpräsentation der Stadt Baden-Baden


Eine kleine Gruppe heimatverbundener Menschen machte sich deswegen daran, ein Projekt in die Tat umzusetzen, das wahrlich "gewaltig" genannt werden kann.

Mitte des Jahres 2000 begann die Arbeit, die Vielfalt an Bemerkens- und Nennenswertem in der rund 53000-Seelen-Gemeinde in Bild und Wort zu fassen.

Als das Projekt im Mai 2001 mehr als 700 Seiten anbieten konnte, wurde es in das "world wide web" eingebunden. Das Angebot wurde rasch und gerne angenommen, obwohl die Stadt Baden-Baden selbst zwei Tage nach dem Internetgang von
www.bad-bad.de den "großen Wurf" einer neu gestalteten Webseite präsentierte, wovon die Macher des "ultimativen Stadtführers Baden-Baden im Internet" aus der Zeitung erfuhren.

Der große Wurf

Was die Anziehungskraft der privaten Webseite anging, nahm diese ständig zu und bescherte nicht nur Lob sondern auch Arbeit. Arbeit in Form hunderter von Anfragen aus dem In- und Ausland, die in den bislang dreieinhalb Jahren der Internetpräsenz zu beantworten waren oder zur Beantwortung an die zuständigen örtlichen Institutionen weitergeleitet wurden. Manche Anfragen bezogen sich auch auf die Übernahme von Beiträgen und Bildern z.B. in Projekte von Universitäten.

Am "ultimativen Stadtführer" an sich arbeiteten die Macher weiter, da die Vielfalt der kleinen Stadt an der Oos noch längst nicht erschöpfend dokumentiert war.

Eine Reihe von Sonderprojekten wurde realisiert, unter anderem die Dokumentation zum Museum für die Sammlung Frieder Burda. Auch diese war und ist wie die übrigen Sonderprojekte oder der "ultimative Stadtführer" selbst derart konzipiert, nicht als Konkurrenz zu bestehenden oder im Werden begriffenen Webseiten zu stehen, sondern diese zu ergänzen, um damit die Einmaligkeit Baden-Badens zu unterstreichen und das Renommee zu fördern.

Da der Herausgeber des "ultimativen Stadtführers" ein passionierte Designer ist, ließ er die Künstlerbiografien, denen ein Teil der Präsentation zur Sammlung Frieder Burda gewidmet ist, mit eigens gefertigten Grafiken lebendiger werden. Als "i-Tüpfelchen" "versteckte" er meisterlich ein Teilchen aus der Arbeit des einen oder anderen Künstlers. Dies wiederum rief im Frühjahr 2004 zum Befremden des uneigennützig Tätigen die Verwertungsgesellschaft Bild-Kunst auf den Plan, die in derlei Tun einen Verstoß gegen das Urheberrecht entdeckt haben wollte und Ausmerzen, Unterlassung und Gebühren verlangte.

Nun hat der geschäftsführende Vorstand der Verwertungsgesellschaft Bild-Kunst in
einem bemerkenswerten Aufsatz zwar festgehalten, die Verwertungsgesellschaft verfolge in ihrer Tätigkeit den Grundsatz, "daß die Urheber möglichst an jeder wirtschaftlichen Verwertung ihrer Werke angemessen beteiligt werden sollen", dem Argument der in Sachen www.burda-museum.de engagierten Bürger, keinen wirtschaftlichen Vorteil aus dieser Präsentation zu haben, wollte man seitens der Verwertungsgesellschaft nicht folgen.

Zu fragen bleibt: Wer profitiert vom Engagement der www.bad-bad.de und www.burda-museum.de-Macher? Die Macher sicher nicht. Sie haben Tausende von Zeitstunden in das Projekt investiert. Sie müssen die Kosten von Strom, Internetanschluss und Internet-Adressenreservierung begleichen. Sie vermitteln gratis Kontakte, geben kostenlos Auskünfte und tragen damit zum Ansehen der Stadt bei, wie die weltweite Resonanz zeigt.

Es profitieren die Stadt, die
Sammlung Frieder Burda und alle anderen in der mittlerweile mehr als 2500 Seiten umfassenden virtuellen Darstellung aufgeführten öffentlichen und privaten Institutionen.

Die Macher handeln zwar ohne Auftrag, aber zum Nutzen des Gemeinwesens, zuweilen auch zum Vorteil Dritter, die sich ihrer Beiträge und Bilder bedienen.

Badisches Tagblatt, 7. Oktober 2004

Badisches Tagblatt, 7. Oktober 2004

Wenn dieses Land privatinitiativer Kreativität und dem damit verbundenen persönlichen Einsatz in schierer Abzockmanier auf den Fersen ist, werden in absehbarer Zeit alle Rufe oder gar Schreie nach bürgerschaftlichem Engagement in Deutschland im Dschungel von Paragrafen und Lizenzgebührentabellen verhallen.

Nachsatz:

Das Gymnasium Johanneum in Lüneburg, dessen zehnte Klassen sich mit einem der dunkelsten Kapitel deutscher Kunstgeschichte, der "
entarteten Kunst", auseinandersetzten, mahnt beispielsweise:

"Die Rechte an den hier nicht gezeigten Bildern liegen bei der Bildverwertungs-Gesellschaft "VG Bild-Kunst".
www.bildkunst.de
Wir bitten unsere Kultusbehörde allgemein für den nichtkommerziellen Bildungsbereich Regelungen zu finden."


Rika Wettstein, September 2004


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