Was wäre ein gesundes Baden-Baden?

"Nicht allein der Körperteil Bertholdbad ist krank, nein, der ganze Patient, die Stadt Baden-Baden liegt auf der Intensivstation." so wurde am 25.11.2002 in den Lokalzeitungen aus dem Schreiben eines Lokalpolitikers an die Oberbürgermeisterin zitiert.

Au weia! Das Katastrophenszenario mehrerer negativer Folgen tut sich auf.

Schwerstkrank liegt der Patient auf der Intensivstation. Dies ist keinesfalls als Ruhmesblatt all jener, die sich um die Gesundheit des Patienten zu kümmern hatten, zu sehen und schon gar kein Aushängeschild für eine Kurstadt mit Heilbädern. Alle Möglichkeiten von Therapie- und Wellness-Ansätzen wurden der Stadt selbst wohl kaum zu Teil, sonst läge sie nicht derart gefährdet darnieder. Oder aber sie wurden ihr zu Teil und haben nichts genutzt, womit die Zweckmäßigkeit solcher Ansätze stark in Frage gestellt ist. Zu Werbezwecken dienen sie allemal kaum.

Ein solch schlechter Gesundheitszustand lockt auch kaum die Reichen und Schönen dieser Welt an, die sich ungern mit Siechtum auseinandersetzen.

Dies birgt natürlich auch einen Vorteil in sich, nämlich den Patienten nicht mit Werbemaßnahmen und einer Vielzahl von Besuchern weiter zu belasten, sondern den Verantwortlichen die Möglichkeit einzuräumen, den Gesundungsprozess einzuleiten.

Wie konnte es überhaupt dazu kommen, dass Baden-Baden auf die Intensivstation musste, wird so mancher fragen. Nun - Krankheitssymptome sind bereits seit Jahrzehnten zu erkennen gewesen. Deren Ursachen wurden jedoch nicht ermittelt, sondern es wurde lediglich an den Symptomen herumgedoktort.

Die jüngste dieser Aktivitäten stellt das so genannte "Leitbild und Perspektiven für die Stadtentwicklung Baden-Baden" dar, welches innerhalb dreier Jahre erarbeitet worden ist, also innerhalb eines Zeitraums, in welchem sich der "Gesundheitszustand" der Stadt bedenklich verschlimmert hat.

Nun ist ein Leitbild das den Menschen in seinem Denken und Handeln bestimmende Ideal, während ein Ideal als der Inbegriff des Vollkommenen definiert ist. Also ist das vorgelegte Werk definitionsgemäß der den Menschen in seinem Empfinden und Handeln bestimmende Inbegriff des Vollkommenen.

Die Frage drängt sich förmlich auf: Wie kann einem schwerstkranken Patienten ein am Inbegriff des Vollkommenen orientiertes Empfinden und Handeln zugemutet werden? Begriffe wie "unterlassene Hilfeleistung" oder "ärztlicher Kunstfehler" können in diesem Zusammenhang die Fantasie anregen. Auf die Perspektiven, die Ausblicke, für Baden-Baden kann verzichtet werden. Es gibt nur eine Perspektive in einem solchen Fall: das sichere Ende.
Es ist (über)lebensnotwendig, dem Patienten Baden-Baden eine sorgfältige Anamnese, eine zutreffende Diagnose und eine die Krankheitsursachen angehende Therapie zukommen zu lassen. Möglicherweise wird sich eine lange Rekonvaleszenz anschließen.

Wird all dies sorgsam und patientengerecht verwirklicht, besteht die Aussicht, mit einem vitalen, leistungsfähigen, attraktiven Baden-Baden wieder erfolgreich Werbung machen und allen Einheimischen und Gästen eine gesunde Schönheit präsentieren zu können.

Ob der augenblicklich ebenfalls erkrankte Körperteil Bertholdbad dann noch entfernt werden muss, wird sich zu gegebener Zeit zeigen.

Rika Wettstein, November 2002



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