Was wäre Baden-Baden
ohne ordentliche Berichterstattung?


Das Recht auf Information ist ein wichtiges Grundgut einer demokratischen Gesellschaft. Sachliche Berichterstattung darüber, was das Zusammenleben der Individuen und die Gestaltung dieses Zusammenlebens anlangt, ist ein bedeutender Ausdruck des Respekts voreinander und der Achtung füreinander. Die Kommentierung einer Entscheidung oder eines Sachverhaltes ist die Ergänzung sachlicher Berichterstattung, womit Informationsnehmer, denen eigenständiges Denken nicht so gelegen ist, auf Zusammenhänge und mögliche Folgen aufmerksam gemacht werden.

Baden-Baden ist schon seit Jahrhunderten ein besonderes Pflaster, wo viele Gegensätze aufeinander prallen. In seiner Blütezeit im
19. Jahrhundert wurde mehr vom Glanz der Stadt als vom Elend eines Teils der Bürger berichtet, obwohl es sichtbare Kontraste gab. Allein die Stephanienstraße, in deren westlichem Drittel die "hohen Herrschaften" ihre prachtvollen Residenzen bewohnten, während der östliche Teil der Straße, die so genannte "Tausend-Seelen-Gass", vom Leben in ärmlichsten Umständen geprägt war, legte davon Zeugnis ab. Wenige Berichterstatter wollten oder konnten das wahre Leben in der "Sommerhauptstadt Europas" zutreffend wiedergeben. Einer der wenigen war Mark Twain, der bemerkte:

"Baden-Baden ist eine geistlose Stadt, voll von Schein und Schwindel und mickerigem Betrug und Aufgeblasenheit, aber die Bäder sind gut..."

Die Besonderheit der Stadt ist auch heute noch aktuell. Sie ist nicht nur wegen der Lage, des Klimas und
der Thermen besonders, sondern auch wegen des vorhandenen Strebens, trotz leerer Kassen dem Anspruch auf Nobelpräsentation genügen zu wollen. Solches Streben soll die Reichen dieser Welt ins liebliche Oostal locken und der Stadt wieder zu gefüllten Kassen verhelfen. Dies führt im Extremfall dazu, dass ein Millionenbetrag (nicht vorhandenen) Geldes für den Neubau einer Tribüne an der Iffezheimer Rennbahn zugesagt wird, während die Bürger aufgefordert werden, Verständnis dafür aufzubringen, sich bescheiden zu müssen und die Reduzierung oder Einstellung von Bürgerdiensten ebenso zu akzeptieren wie die Schließung beliebter Freizeiteinrichtungen.

Ein attraktives Freizeitangebot, das wegen seiner Einmaligkeit in Deutschland durchaus werbewirksam für die Stadt gewesen ist, wurde im vergangenen Jahr aufgegeben. Der beliebte
Kleingolfplatz, mitten in der Lichtentaler Allee gelegen, sollte nach einer Baumaßnahme unterhalb des Areals nicht mehr in Betrieb genommen werden. Die Lokalpresse berichtete damals, 40000 Euro Investition und 15000 Euro jährlicher Betriebskosten sollten dadurch eingespart werden. Widersprochen wurde weder den Berichten noch den Zahlen.

Am 19. März 2003 war im Badischen Tagblatt zu lesen, die Bepflanzung des Geländes werde 50000 Euro kosten. Der diese Tatsache kommentierende Beitrag bezeichnete das "Freischaufeln" eines solchen Betrages für die Begrünung als "Zumutung" angesichts der Vielzahl an Sparmaßnahmen zu Lasten der Bürger. Verdrehung der Tatsachen wurde den Berichterstattern daraufhin aus dem Rathaus öffentlich vorgeworfen und ein eigenartiges Zahlenwerk präsentiert, wonach die Instandsetzung des Kleingolfplatzes mit 100000 Euro zu Buche geschlagen hätte und somit gar eine Ersparnis von 10000 Euro erzielt worden sei. Diejenigen, die das Recht auf Information gewahrt hatten, mussten verbale Prügel derjenigen, die ihrer Berichterstattungspflicht nicht ordentlich nachgekommen waren, hinnehmen.

Es gilt, die ordentliche Berichterstattung zu pflegen und, wo nötig, zu verbessern, damit bei den Bürgern nicht der Eindruck entsteht, "ein x solle ihnen für ein u vorgemacht werden", wodurch sie sich als nicht hinreichend respektiert fühlen müssen mit der Folge aufkeimenden Misstrauens. Letzteres kann einem gedeihlichen Gemeinschaftsleben nur abträglich sein.

Rika Wettstein, März 2003



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