Soll Hendrik Rost, der vielfach preisgekrönte Lyriker, der letzte Stipendiat in der geschichtsträchtigen ehemaligen Badeherberge "Zum Baldreit" sein?

Was wäre Baden-Baden
ohne seine Baldreit-Stipendiaten?

Die finanziell am Boden liegende Stadt baut ab. In den BNN vom 12. April 2002 ist zu lesen: "Das jährliche Baldreit-Stipendium der Stadt Baden-Baden in Höhe von mittlerweile 15 000 Euro steht offenbar auf der Kippe. Nach Informationen der BNN wird im Rathaus eine Vorlage für den Hauptausschuss erarbeitet, die dessen Mitgliedern den Beschluss zur Aussetzung der mittlerweile international bekannten Förderung junger Künstler empfiehlt. Der Sitzungstermin für die Jury, die über die Vergabe des Stipendiums entscheidet und für den 17. April geplant war, ist abgesagt worden. Noch in der Sitzung des Schul- und Kulturausschusses Anfang März hatte Bürgermeister Kurt Liebenstein die Beibehaltung der Rahmenbedingungen für das Stipendium versichert: Wohnungsnutzung mit Preisgeld, Publikation und Material- und Aufwandspauschale für die Stadt alles in allem ein jährlicher Aufwand von 15 000 Euro. Schon in der Sitzung wurden erste Zweifel an Liebensteins Äußerungen laut, die jetzt zur Gewissheit werden könnten.

Denn zwischenzeitlich hat sich offenbar die Haushaltsstrukturkommission mit Stadtkämmerer Ekke-Heiko Steinberg des Stipendiums angenommen und festgestellt, dass es sich dabei um eine (weitere) freiwillige Leistung der Stadt handelt, die auf den Prüfstand gehöre. Weil der Fortbestand des renommierten Stipendiums eine finanzielle Entscheidung ist, soll der Hauptausschuss und nicht etwa der Kultur- und Sportausschuss schon in seiner nächsten Sitzung darüber befinden."

Baldreit-Stipendiaten waren unter anderem der mit vielen Auszeichnungen bedachte Komponist
Claus-Steffen Mahnkopf und die Komponistin Violeta Dinescu, deren Werke mittlerweile zum Repertoire der Baden-Badener Philharmonie gehören. Steffen Kopetzky hat gerade seinen Roman "Grand Tour oder die Nacht der Großen Complication", der teilweise Baden-Baden zum Schauplatz hat, veröffentlicht.

Die Stipendiaten, die ein Jahr in der Kurstadt verbringen, leben nicht abgeschottet, sondern bereichern das kulturelle Leben der Stadt beispielsweise durch Lesungen oder, wie Hendrik Rost, Diskussionen in den Oberstufen der Gymnasien und machen darüber hinaus auch Werbung für die malerische Kleinstadt an der Oos, indem sie in ihrem Familien- und Freundeskreis Neugier auf Baden-Baden wecken.

Beides wegen vergleichsweise "läppischer" 15000 Euro aufzugeben, kommt einem Schildbürgerstreich gleich. Hat sich doch gerade der Stadtkämmerer, der feststellte, dass das Baldreit-Stipendium auf den Prüfstand gehöre, jüngst eine nicht unbeträchtliche Aufbesserung seiner Bezüge, die dem Stipendiumsbetrag ziemlich entsprechen dürfte, genehmigen lassen.

Die Baldreit-Stipendiaten sind lebendige, ausdrucksstarke Werber für eine als kulturell aufgeschlossen gelten wollende Stadt, die gern an die Vielzahl bedeutender Künstler, die sich im 19. Jahrhundert in Baden-Baden aufgehalten haben, erinnert.

Der Verzicht auf ein oder zwei großformatige Inserate in überregionalen Zeitungen könnte eine Aufrechterhaltung des Baldreit-Stipendiums gewährleisten und würde die Stadt in die Lage versetzen, nicht nur auf Turgenjew, Brahms und Courbet zurückgreifen zu müssen, sondern ihre Bedeutung in der Förderung der zeitgenössischen künstlerischen Avantgarde unterstreichen zu können.

Rika Wettstein, April 2002


Die bisherigen Preisträgerinnen und Preisträger:
Walter Gröhner, Werner Ganzmann, Monika Köhn,
Violeta Dinescu, Jochen Langer, Rudolf Herz, Lilian Faschinger, Claus-Steffen Mahnkopf, Sinje Dillenkofer, Ria Endres, Marc André, Steffen Kopetzky, Till Exit, Detlef Heusinger, Hendrik Rost, Alexej Schipenko, Anton Safronov, Bruno Preisendörfer, Rolf Wicker, Katja Hagedorn



Ein Sponsor war gefunden worden, der 10000 Euro des jährlichen Stipendiumsbetrags in den Jahren 2003 und 2004 übernahm, so dass das Stadtsäckel noch mit jährlich 5000 Euro belastet wurde.

Auch gegen Ende des Jahres 2004 zeichnet sich ab, dass die Finanzmisere Bestand hat. Der Anfang Oktober bestehende "grobe Rohentwurf" (Badisches Tagblatt, 5.10.2004) weist laut der Oberbürgermeisterin ein Finanzloch von 13 Millionen Euro auf.

Anlässlich einer Klausurtagung von Gemeinderat und Verwaltung war eine Liste "Mögliche Maßnahmen zur Erstellung eines Haushaltssicherungskonzepts unter Hinnahme der Folgen von Standardsenkungen" vorgelegt worden, wonach kurzfristig 1,9 Millionen Euro und mittelfristig 2,7 Millionen Euro als einsparbar ausgewiesen werden.

Bestandteil dieser Einsparungsliste ist der Posten "Aufgabe Baldreit-Stipendium (5000)"
(BT, 5.10.2004)


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