Baden-Baden
und seine Aushängeschilder

Kunstfertig gestaltete Wirtshausschilder laden schon seit Hunderten von Jahren Reisende zur Einkehr und Einheimische zum Schoppen in die Wirtsstuben. Gastlichkeit und Qualität von Speis und Trank waren dabei immer unterschiedlicher Ausprägung und brachten manchem Wirt mehr Zulauf als anderen.

Zu Beginn des dritten Jahrtausends mit seinen Globalisierungsargumenten und -bestrebungen, seiner Wellness-Bewegung, seiner Betonung des hohen Stellenwerts der Dienstleistung und der Stimmigkeit des Preis-Leistungsverhältnisses lassen sich noch ganz andere Aushängeschilder ausmachen als jene schmucker oder weniger anziehender Gasthäuser und Herbergen.

Geographische Lage, Landschaft, kulturelle Einrichtungen Freizeitangebote, Versammlungsmöglichkeiten und vieles mehr laden zum Kommen und Verweilen ein.

Das Städtchen im Oostal ist mit einer Fülle solcher weiterer Aushängeschilder gesegnet. Günstige Verkehrsanbindung, eine wunderbare Landschaft, die Thermen, das hochwertige kulturelle Programm,  die abwechslungsreichen Sport- und Freizeitmöglichkeiten, Kurhaus und Kongresshaus für kleinere und größere Fachtagungen und Kongressveranstaltungen,
ein Hotelangebot, das durchschnittlichen und gehobensten Ansprüchen Genüge tut, eine breite Palette gastronomischen Angebots und, und, und.

Die einschlägigen örtlichen Institutionen ergreifen jede sich bietende Gelegenheit, um im wachsenden Konkurrenzkampf um Gäste die Nase vorn zu haben und
der seit Jahren rückläufigen Übernachtungszahl Paroli zu bieten.


Und was machen Gastwirte vor Ort?

Sie leisten sich eine "unverschämte Abzocke", wie die Badischen Neuesten Nachrichten vom 18. November 2004 zu berichten wissen.

"Während der publikumsträchtigen Veranstaltungen würden in Kneipen und Restaurants der Innenstadt die Preise für Speisen und Getränke mitunter um 100 Prozent erhöht." (BNN 18.11.2004) Übel - Rahmgeschnetzeltes mit Champignons und Rösti 28,50 Euro statt 16,80 Euro oder ein Wiener Schnitzel mit Pommes statt 15,80 Euro für 28,50 Euro.

Derlei überhöhte Preise fanden wohl die "Rückversicherer" auf Speisekarten, als sie sich, wie seit Jahrzehnten gehandhabt, im Oktober aus aller Herren Länder in der Kurstadt einfanden, um das kommende Geschäftsjahr vorzubereiten. Vorzugsweise regeln sie ihre geschäftlichen Angelegenheiten in Lokalen, wobei sie in der Vergangenheit erkennen mussten, dass sie den Wirten "mehr Wert" waren als Gäste zu anderen Zeiten. Im Oktober 2004 brachte es ein erboster Engländer auf den Punkt:

"Wenn wir hier sind, steht McNepp hinter der Theke." (BNN 18.11.2004)


Welch' Aushängeschild!

Angehörige der Zunft, die gerade dieses traditionelle Werbemittel einsetzt, verprellen Gäste aus bloßer Raffgier.

Übler kann sich eine der Gastfreundlichkeit verschriebene Stadt nicht präsentieren. Denn der Ruf der Gier wird wohl kaum an den wenigen schwarzen Schafen festgemacht, sondern birgt die Gefahr in sich, den Ruf der gesamten Stadt zu ruinieren. Großer Fantasie bedarf es nicht, sich die Konsequenzen auszumalen.

Wie bereits bemerkt: Die Konkurrenz ist groß und schläft nicht. Dank der raffgierigen Bedienung eines internationalen Publikums kann sich das McNepp-Image sehr schnell ausbreiten und nicht nur die jetzt Abgezockten davon abhalten, jemals wieder einen Fuß in die Stadt zu setzen. Dann haben nicht nur die Wirte, die den Hals nicht voll bekommen haben, leerere oder ganz leere Kassen zu vermelden, sondern die Stadt selbst hat einen kaum wieder gut zu machenden Verlust an Ansehen zu verkraften. Übelst.

Was nutzen in einem solchen Fall noch landschaftliche Schönheit, Kultur- und Freizeitangebote und all die anderen Aushängeschilder? Speis und Trank halten nun einmal Leib und Seele zusammen. Wenn des Gastes Seele Gefahr läuft durch Abzock-Manier geschädigt zu werden, ist es ihm kaum zu verdenken, dass er sich - auch aus Wellness-Gründen  - dieser Gefahr nicht aussetzen will und deshalb den gefährlichen Ort meidet.

Baden-Badens eigene Wellness steht damit auch auf dem Spiel. Deshalb sollte dem bösen Spiel einiger weniger so schnell wie möglich ein Ende gesetzt werden. Zu erwägen blieben "mittelalterliche Methoden", uneinsichtige Unbotmäßige aus der Stadt zu jagen. Realistischer erscheint, ihnen um des Erhalts des Gemeinwohls willen ihre Konzession zu entziehen.

Einstweilen könnten Marketing-Gesellschaft und Gastronomenverband an einem gemeinsamen Aushängeschild werkeln:


Liebe Gäste,
seien Sie herzlich willkommen
und seien Sie versichert,
ordentliche Qualität zu fairen Preisen
geboten zu bekommen,
und zwar in jedem Bereich des
vielfältigen Angebots unserer schönen Stadt.
Wir stehen dafür ein, denn wir würden Sie
gerne wieder willkommen heißen.


Nachsatz:

Baden-Baden ist neben acht weiteren Kurbädern aus Deutschland, Finnland, Österreich, Spanien und Tschechien Mitglied des Royal Spas of Europe e.V., der unter dem Dach der Aktiengesellschaft Bad Neuenahr (Rheinland-Pfalz) untergebracht ist.

Der Verein lässt wissen:

Wo Kaiser, Könige, Hochadel und berühmte Staatsoberhäupter auf höchstem Niveau Entspannung fanden, sind auch Sie herzlich eingeladen, sich königlich verwöhnen zu lassen. Royal Spas versetzt Sie in die Blütezeit der europäischen Heilbäder - erleben Sie Wellness in vollendeter Eleganz.

Die Initiative der "Royal Spas of Europe" hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Besonderheit der Heilbäder und Thermalanlagen weiter auszubauen. Das qualitativ hochwertige Gesundheitsangebot wird durch attraktive Arrangements mit kulturellem und historischem Hintergrund ergänzt.

Die "Royal Spas of Europe" müssen einen Kriterienkatalog erfüllen, der sicherstellt, dass alle Angebote dem hohen Niveau entsprechen. So können die Gäste der "Royal Spas of Europe" sicher sein, dass sie stets hohe Qualitätsstandards antreffen.

Heute präsentieren sie mit Wellness-Angeboten der Extraklasse die Spitze der Spas in Europa.

Rika Wettstein, November2004




Das englische Fußball-Nationalteam hat für die Zeit der Weltmeisterschaftsaustragung in Deutschland das Schlosshotel Bühlerhöhe zum Quartier gewählt.

Im April 2006 erging ein "Aufruf der Stadt Baden-Baden an die Geschäftsleute", der ab dem 12. April auch im Internet verbreitet wurde:

Die Stadt Baden-Baden ruft ihre Geschäftsleute und Dienstleister auf, die englischen Fans und Journalisten während der Fußball-WM gastfreundlich zu empfangen.

Einerseits könne dies durch geeignete Schaufensterdekorationen oder einfallsreiche Accessoires geschehen, andererseits auch durch ein kleines Hinweisschild, dass im Geschäft englisch gesprochen werde.

Die Journalisten werden nicht nur über die WM, sondern teilweise auch ausführlich über Baden-Baden und die Region berichten - dies könne enorm positive Auswirkungen auf den künftigen Tourismus haben, so die Stadtverwaltung.


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