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Die Sagen der Trinkhalle
von Rika Wettstein, Baden-Baden
Die Fresken im Wandelgang der Trinkhalle
beschäftigen sich mit sagenhaften Ereignissen
der Stadt und ihrer näheren Umgebung.
Kloster
Lichtenthal
Die Schweden rücken in der zweiten Hälfte
des 30jährigen Krieges nach Baden vor, was
viele Bewohner zur Flucht veranlasst. Die Nonnen
des Klosters Lichtenthal, ebenfalls zur Flucht
bereit, erleben wie ihre Äbtissin während
des letzten Gottesdienstes den Schlüssel des
Klosters an den Arm der Marienstatue hängt und
deren Beistand erfleht. In diesem Moment
verschaffen sich die Schweden gewaltsam Einlass in
das Kloster, werden aber durch die strahlende
Marienerscheinung, die ihnen eindeutig bedeutet,
das Kloster zu verlassen, aufgehalten. Das Kloster
wird dadurch vor Plünderung und
Zerstörung bewahrt.
Schloss
Hohenbaden
Die Pest wütet im Oostal. Markgräfin
Katharina hat sich mit ihren Kindern Friedrich und
Margarethe auf den Turm des Schlosses Hohenbaden
geflüchtet und erfleht den Beistand der
Gottesmutter. Diese erscheint der Markgräfin
und bedeutet ihr, das Thermalwasser durch die
Straßen der Stadt leiten zu lassen, damit die
Pest durch den Wasserdampf besiegt werde. Zum Dank
sollen ihre Kinder Priester und Nonne werden. Die
Pest ist tatsächlich einige Tage nach der
Marienerscheinung und den getroffenen
Maßnahmen besiegt. Friedrich wird Priester
und stirbt als Bischof von Lüttich, Margarethe
stirbt als Äbtissin des Klosters
Lichtental.
Allerheiligen
Der Wasserfall von Allerheiligen ist zwei Liebenden
zum Verhängnis geworden. Der Straßburger
Papiermachersohn Silvester Egenolff, Schüler
im Kloster Allerheiligen, kehrt für einige
Zeit nach Hause zurück und schenkt seinem
geliebten Zigeunermädchen Naja, die mit ihrer
Sippe im Wald von Allerheiligen lebt, einen
kostbaren Rubinring zum Zeichen seiner Treue. Ein
Rabe stiehlt den Ring. Nach seiner Rückkehr
will Silvester den Ring aus dem Rabenhorst
zurückholen, klettert die Felswand am
Wasserfall hinauf, stürzt ab und wird von den
Wassermassen verschluckt. Die verzweifelte Naja
stürzt in den Wald, wo sie Monate später
tot gefunden wird.
Burg Windeck
Der Dekan der Straßburger Domkirche wird auf
der Burg Windeck gefangen gehalten. Seine
verwaisten und verarmten Nichte und Neffe, für
die er sorgt, machen sich zur Burg auf, um seine
Freilassung zu erbitten. Auf ihrem Weg treffen sie
das uralte Waldweiblein, werden von ihr bewirtet
und erfahren, dass Straßburger Kämpfer
den Onkel tags darauf befreien wollen.
"Lösegeld" für den Onkel erhalten sie
auch in Form einer weißen Henne, die eine
ganz bestimmte Aufgabe zu erledigen hat. Ritter
Reinhart von Windeck trifft die jungen Leute auf
ihrem weiteren Weg zur Burg, nimmt sie mit und
setzt die Henne, wie verlangt, an einem bestimmten
Platz der Burg aus. Am nächsten Morgen, als
die Straßburger Kämpfer anrücken,
hat die Henne einen tiefen Graben um die Burg
gescharrt und die Burg uneinnehmbar gemacht.
Die Felsen
Die Erscheinung einer schönen Frau am
Battertfelsen bringt den rücksichtslosen
Junker Immo dazu, die Jagd aufzugeben, sich als
Einsiedler in den Wald zurückzuziehen und sich
vom wilden Jäger zum friedfertigen Tierheger
zu wandeln.
Baldreit
"So bald reit ich" hat ein vom Gliederreißen
fast bewegungslos gewordener Pfälzer
Kurfürst nach 14 Tagen Badekur wieder gesundet
beim Satteln seines Pferdes dem Wirt seiner
Unterkunft zugerufen. Der Gasthof trägt
seither den ausgefallenen Namen Baldreit.
Geisterhochzeit zu
Lauf
Die Burg Neu-Windeck ist schon lange nicht mehr
wegen ihrer Spukgeschichten bewohnt, als sich ein
ortsfremder Ritter nachts dorthin verirrt und
Obdach findet. Eine schöne Frau bewirtet ihn
mit Speisen und schwerem Wein, dessen reichlicher
Genuss ihn letztlich dazu bringt, ihr einen Antrag
zu machen. Eine beängstigende Zeremonie folgt
diesem Antrag und endet erst mit dem ersten
Hahnenschrei. Nach seiner Flucht von der Burg
erfährt der Ritter, die Schlossherrin habe
einem ehrbaren Mann so übel mitgespielt, dass
es ihr nicht vergönnt ist, Ruhe in ihrem Grab
zu finden.
Fremersberg
Markgraf Jakob wird bei der Jagd von einem Unwetter
überrascht und von zwei Mönchen am
Südhang des Fremersbergs in ihrer
ärmlichen Behausung aufgenommen. Als eine
Buche, unter der der Markgraf noch kurz zuvor
Schutz gesucht hatte, zusammenbricht, entscheidet
er, genau an dieser Stelle ein Franziskaner-Kloster
errichten zu lassen, um verirrten Wanderern ein
Obdach zu geben.
Alt-Eberstein
Die drei Grafen von Eberstein unterstützen den
Straßburger Bischof in seinem Streit mit
Kaiser Otto I. Der Kaiser beschließt
daraufhin, die hoch gelegene Burg Eberstein zu
umlagern und auszuhungern, hat aber mehr als ein
Jahr keinen Erfolg damit. Listig lädt er die
drei Grafen zu einem Turnier nach Speyer ein in der
Hoffnung, seine Kämpfer könnten
während der Abwesenheit der Grafen die Burg
einnehmen. Die Kaisertochter verrät den Plan
jedoch dem jüngsten Grafen, woraufhin die
Ebersteiner schleunigst heimreiten und den Angriff
der kaiserlichen Soldaten erfolgreich abwehren.
Kaiserliche Inspektoren werden durch scheinbar gut
gefüllte Kornkammern und Weinkeller
geführt, um dem Kaiser zu verdeutlichen, dass
die lange Umzingelung ihre Vorräte kaum
geschmälert hat. Der Kaiser verträgt sich
daraufhin mit den Grafen und gibt seine Tochter
Edeltraut dem jüngsten Grafen Eberhard sogar
zur Frau.
Der Grafensprung bei
Neu-Eberstein
Alt-Eberstein ist von Graf Eberhard von
Württemberg niedergebrannt worden. Wolf von
Eberstein will den Württemberger bei dessen
Kur in Wildbad gefangen nehmen, was allerdings
misslingt und ihm die Reichsacht einbringt. Er
flieht zu seinen Vettern auf Neu-Eberstein im
Murgtal. Sein Unterschlupf wird ausgekundschaftet
und umlagert. Als einzige Fluchtmöglichkeit
bleibt ein Fels der aus der Murg ragt. Mit seinem
Pferd springt der Graf von diesem Felsen in die
Murg und entkommt. Der Felsen heißt seitdem
"Grafensprung".
Engels- und
Teufelskanzel
Auf der Passhöhe zwischen Oos- und Murgtal
befinden sich zwei einander gegenüberliegende
Felsen. Auf dem einen soll der Teufel zu Zeiten der
ersten Verkündigungen christlicher Botschaften
mit listiger Rede die Talbewohner in seinen Bann
gezogen haben. Auf dem anderen soll ein Engel die
Heilsbotschaft verkündet haben, weswegen sich
die Leute vom Teufel abwandten, was diesen dazu
veranlasst haben soll, wütend seinen
Pferdefuß in den Fels zu stampfen, so dass
dieser Abdruck heute noch zu sehen ist.
Die Nixe des Wildsees
Merline, eine Wasserfrau, sitzt auf einem Felsen,
spielt Harfe und betört damit einen jungen
Hirten, der Abend für Abend ihrem Spiel
lauscht. Als sie eines Abends nicht auf dem Felsen
sitzt, ruft er übermütig nach ihr, obwohl
sie es ihm verboten hat, und wird bei dem Versuch,
eine rote Rose, die ans Ufer schwimmt, zu fassen,
in die Tiefe des Sees gezogen.
Der Mummelsee
Der Seekönig hat seinen Töchtern
gestattet, in die naheliegenden Dörfer zu
gehen und den Bräuten beim Herrichten ihrer
Aussteuer zu helfen. Um 11 Uhr nachts sollen sie
sich aber regelmäßig auf den Heimweg
machen. Die Nixen erzählen immer sehr
spannende Geschichten, weswegen ein junger Bursche
eines Abends die Uhr verstellt, um länger
zuhören zu können. Als die Uhr dann
Mitternacht schlägt eilt eine totenbleiche
Nixe zum See zurück, der in dieser Nacht nicht
zur Ruhe kommt. Seitdem sind die Nixen nirgendwo
mehr gesehen worden.
Burkart Keller von
Yburg
dient auf Schloss Hohenbaden und ist verlobt mit
einem Mädchen in Kuppenheim. Oft wandert er zu
ihr und muss dabei an einer Stelle vorbei, an der
früher der Opferstein einer heidnischen
Göttin stand. Dort zeigt sich häufig eine
tiefverschleierte Frauengestalt, die ihm in der
Sonnenwendnacht in einer Umarmung die Seele aus dem
Leib saugt. Zu Füßen des zerstörten
Bildnisses der Göttin wird er tot
gefunden.
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