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Lichtentale Allee

350 Jahre Lichtentaler Allee:
Die Lichtentaler Allee
im Wandel der Zeit


Lichtentaler Allee

Der Bildband zum Geburtstag der Lichtentaler Allee:
Denkmal der Gartenkunst in Baden-Baden

 

Erinnerungsort Lichtentaler Allee

Bettina Wettstein hat im Rahmen ihres Studiums im Sommersemester 2003 eine Hausarbeit für das Hauptseminar: "Erinnerungsorte der deutschen Programmgeschichte" an der Universität Karlsruhe verfasst:

Erinnerungsort Baden-Baden mit Blick auf die Lichtentaler Allee


1. Einleitung

"Wasser, das aus den Bergen kommt, sucht sich immer den bequemsten Weg, und die Menschen lernen davon. Vielleicht ist so der paradiesische Baumpark entstanden, der eine Straße begleitet, die Lichtentaler Allee heißt. Allee, das kommt von dem französischen Verbum für Gehen. Überall geht man durch eine Allee irgendwo hin. Hier aber sagst du: "Ich gehe in die Allee." Hier gehst du hinein in die Allee, so wie man in ein Theater hineingeht."
(Bischoff 1996)

Tatsächlich gibt diese Allee zu allen Jahreszeiten kurzweilige Vorstellungen in voller Besetzung, Wetter inbegriffen. Das freundliche Spiel hat sechs Akte. Deren Tonart und Temperament werden jeweils von Bäumen vergeben. Der Reihenfolge nach sind es Linden, Eichen, Tulpenbäume, Kastanien, Platanen und Erlen.

Der Aufmarsch dieser in Reih und Glied stehenden Alleebäume, die hier zu Hunderten den Weg säumen, erfolgt seit 1655 durch den badischen Kammerherren Moritz von Lassolaye, wahrscheinlich schon länger. Zwischen 1850 und 1870 wurde sie auf Betreiben des Spielbankpächters Bénazet in einen großen Landschaftspark umgewandelt.

Die Lichtentaler Allee vermittelt ungebrochen über die Jahrzehnte hinweg den Reiz einer Zeit, die tief in das Erinnern eingetaucht ist und, von so manchen Affären geheimnisvoll umwittert, im Erzählgut erhalten geblieben ist.


2. Was die Lichtentaler Allee so alles erlebt hat

Die Queen Victoria und der Prince of Wales kutschierten mit ihrem Gefolge durch die Lichtentaler Allee. Exotische Persönlichkeiten belebten die Kurpromenade, der Schah Nassr ed din von Persien, der König von Siam, der Kaiser von Brasilien, Ismail Pascha von Ägypten, der Sultan von Johore, Maharadschas und Prinzessinnen. Skandale sorgten für Aufregung ebenso wie Kriminalfälle, etwa der Erbschaftsstreit des Fürsten Stourdza oder der von Rätseln umwitterte Tod des Fürsten Gortschakow. Das andere Leben spielte sich bei Blumenkorsos durch die Allee ab.

2.1. Felix MENDELSSOHN BARTHOLDY
(1809-1847)

Felix Mendelssohn Bartholdy hatte während einer Semesterferien-Wanderung im September 1827 der Kurstadt einen Besuch abgestattet und im Hotel "Zur Sonne" gewohnt.

Überliefert ist aus diesen Tagen ein improvisierter musikalischer Auftritt des jungen Mendelssohn Bartholdy im Konversationshaus. Dieser Auftritt zog viele begeisterte Zuhörer an. Das brachte den Spielbankpächter dazu, das Klavier entfernen zu lassen, da das exzellente Spiel des jungen Künstlers zu viele Menschen von den Rouletttischen weggelockt hatte.

2.2. Nikolaj Wassiljewitsch GOGOL
(1809-1852)

Gogol kam ab 1836 öfter nach Baden-Baden. Im Unterschied zu seinen schreibenden Landsmännern hoffte er nicht auf den Gewinn beim Roulette, sondern auf den Verlust seiner Hämorriden und flanierte auch leidenschaftlich gerne nach der Behandlung durch die Allee.

2.3. AUGUSTA und WILHELM von Preußen
(1811-1890)

1829 heiratete Augusta von Sachsen-Weimar den preußischen Prinzen Wilhelm. Das Paar hatte zwei Kinder, Friedrich und Luise, die 1856 den badischen Großherzog Friedrich I. heiratete. Zu diesem Zeitpunkt war das preußische Prinzenpaar bereits regelmäßig zu Gast in Baden-Baden.

1850 war Augusta von Preußen schon oft zur Kur angereist. Prinz Wilhelm hatte den Reiz der Stadt ein Jahr zuvor entdeckt, als er die badische Revolution blutig niedergeschlagen hatte und von Schloss Favorite nach Baden umgezogen war.

Ihr Verhältnis zu Baden und zum "Maison Messmer", in dem sie immer zu wohnten, blieb ungebrochen, obwohl sich die Stadt zu einem mondänen Weltbad entwickelt hatte und die deutsche Kaiserin an Protz und Prunk noch nie Gefallen gefunden hatte. Sie erfreute sich an der Schönheit der Lichtentaler Allee und am reichen kulturellen Leben. Das Paar sah man oft bei Spaziergängen durch die Allee auf dem Weg in den "Bären" in Lichtental, wo sie häufig frühstückten.

Am 14. Juli 1861 wurde König Wilhelm kurz vor dem Hirtenhäuschen in der Lichtentaler Allee von Oscar Becker angeschossen. Er überlebte das Attentat jedoch leicht verletzt.

Heute erinnert man sich an Augusta in Zusammenhang mit dem Bau des Gebäudes für die Sammlung Frieder Burda, da ihre Büste neben der Kunsthalle in der Allee um einige Meter versetzt werden musste.

2.4. VICTORIA, Königin von England und Irland, Kaiserin von Indien (1819-1901)

Queen Victoria hatte eine Halbschwester namens Feodora aus der ersten Ehe ihrer Mutter. Sie war in den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts nach Baden-Baden gezogen und wohnte in der Villa Hohenlohe am Michaelsberg. Deshalb hielt sich Queen Victoria mehrmals, teilweise auch länger in der Kurstadt auf. Im März 1972 stattete Queen Victoria ihrer Schwester erstmals einen rein privaten Besuch in Baden-Baden unter dem Pseudonym einer Herzogin von Kent ab.

Bei zahlreichen Spaziergängen mit ihrem Hund, einem Dackel, lernte Queen Victoria die Lichtentaler Allee kennen und lieben.

Eine großzügige Spende für die englische Kirche, mit deren Bau 1864 begonnen worden war, zeigte die englische Königin auch als Wohltäterin ihrer Untertanen, die sich in Baden-Baden niedergelassen hatten. Nach dem Tod ihrer Schwester erwarb Queen Victoria die Villa Hohenlohe und verweilte dort einige Zeit. Sie verkaufte das Haus jedoch bald darauf wieder.

2.5. Fjodor Michailowitsch DOSTOJEWSKIJ
(1821-1881)

Fjodor Michailowitsch Dostojewskij besuchte 1863 zum ersten Mal Baden-Baden. Sein beliebtester Aufenthaltsort war die Spielbank. "Hier gewinnt man 100000 Francs und amüsiert sich noch dabei", berichtete er zu Beginn seines Aufenthalts. Doch bald verlor er alles und dazu noch seine Lebensgefährtin Polina Suslova. Polina litt sehr unter seiner Spielsucht und trennte sich deshalb von ihm. Verzweifelt lief Dostojewski in der Allee umher. In ihrem Tagebuch schreibt Polina: "Jetzt warte ich jeden Augenblick, dass er kommt und sagt, er habe alles verspielt. Dann werden wir wieder Kleider und Paletot verpfänden. Ach wie mir das alles zuwider ist." Danach kehrte Dostojewski nach Russland zurück, wo er seine Erlebnisse im weltberühmten Roman "Der Spieler" verarbeitete. Diesen Roman diktierte er der jungen Stenotypistin Anna Grigorjewna Snitkina. Er verliebte sich in sie und heiratete sie.

1867 besuchte er mit ihr auf der Hochzeitsreise wieder Europa. Tatsächlich war er aber auf der Flucht vor seinen Gläubigern. Die beiden wohnten in Baden-Baden in einer kleinen Wohnung in der Bäderstraße 2. Als wieder alles Geld verspielt war, verließen Anna und Fjodor Baden-Baden fluchtartig. Bald darauf beendete Dostojewski seinen Lebenswandel, sagte sich vom Spiel los und übernahm Verantwortung für seine Familie. Er schrieb seine weltbekannten Romane wie "Schuld und Sühne" und "Der Idiot". Am Dostojewski-Haus in der Bäderstraße 2 erinnert eine Büste und einen Gedenktafel heute an den großen Autor, der Weltliteratur geschaffen hat.

2.6. Clara SCHUMANN (1819-1896)

Clara Schumann lebte 10 Jahre in Baden-Baden. Von 1863-1873 wohnte sie mit ihrer Familie in Lichtental, einem heutigen Ortsteil der Kurstadt Baden-Baden. Sie kaufte sich ein Haus, das nur durch die Oos von der Lichtentaler Alle getrennt war. Dort machte sie täglich mehrmals Spaziergänge, um sich zu erholen und inspirieren zu lassen. Mit Freunden und Bekannten, wie Johannes Brahms und Pauline Viardot-Garcia, organisierte sie Konzerte, die den Ruf Baden-Badens als Sommerhauptstadt Europas festigten.

2.7. Johannes BRAHMS (1833-1897)

"Nirgends fällt das Leben leichter als hier, der Streit geht nur um die Jahreszeit, in der Baden-Baden sich am schönsten gibt."

Johannes Brahms und Clara Schumann waren sehr gute Freunde. Neben all seinem beruflichen Wirken hielt er stets Kontakt zu ihr. Anfangs besuchte er sie regelmäßig. 1865 mietete er sich ebenfalls in Lichtental eine Wohnung. Bei zahlreichen Spaziergängen in der Allee ließ auch er sich inspiriere. Das Haus, in dem Brahms wohnte ist heute ein Museum.

"Manche glückliche Stunde habe ich da (im Brahmshaus Baden-Baden) verlebt und manche hübschen Noten geschrieben, traurig und lustig - was auf das Glück der Stunden keinen Einfluss hat." in einem Brief vom Juli 1878 an Otto Dessoff, Hofkapellmeister in Karlsruhe.

2.8. Pauline VIARDOT-GARCIA
(1821-1910)

1863 zog Pauline Viardot mit ihrem Mann, dem Pariser Theaterdirektor und Kunstschriftsteller Louis Viardot, und ihren vier Kindern nach Baden-Baden. Zu einer ihrer Kompositionen gehört die Operette "Le dernier sorcier", die 1869 von Johannes Brahms im Haus Viardot in Baden-Baden dirigiert wurde. 1870 übernahm sie die Sopran-Partien in der Uraufführung der "Alt-Rhapsodie" von Johannes Brahms. Bis zum deutsch-französischen Krieg 1870/71 entwickelte sich vom Haus Viardot aus eine facettenreiche Kunst- und Kulturszene, welche die Attraktivität der Kurstadt noch erhöhte.

2.9. Iwan Sergejewitsch TURGENJEW
(1818-1883)

Ein weiterer Literat, der kam, um länger zu bleiben, war Iwan Sergejewitsch Turgenjew. Seine Liebe galt dabei weniger der Stadt als Pauline Viardot-Garcia. Durch sie lernte er auch Baden-Baden kennen und lieben. Gleich bei seinem ersten Besuch begegnete er Tolstoi, der ihn sofort um Geld bat, denn er hatte viel im Casino verloren.

Turgenjew ließ für sich in Baden-Baden eine Villa bauen. Als er 1867 endlich einziehen konnte, befand er sich jedoch in finanziellen Schwierigkeiten und musste das Haus an Madame Viardot verkaufen.

Turgenjew genoss hohes Ansehen in Baden-Baden. Er und sein internationaler Freundeskreis waren der kulturelle Mittelpunkt der Stadt.

In seinen Roman "Rauch" schildert Turgenjew nicht nur wunderbar die Landschaft von Baden-Baden, sondern karikiert die Heuchelei und Verlogenheit des russischen Adels gnadenlos und schildert seine Erfahrungen in Baden-Baden.

2.10. Johann STRAUSS (1825-1899)

Die berühmtesten Operetten "Die Fledermaus" und "Der Zigeunerbaron" von Johann Strauss sind 1874 und 1885 in Baden-Baden uraufgeführt worden.

Bekannt war er jedoch eigentlich dadurch, dass er bei zahlreichen Spaziergängen in der Allee immer wieder seine verschiedenen Bärte präsentierte.

2.11. Mark TWAIN (1835-1910)

1878 war ein Globetrotter aus den Vereinigten Staaten im Schwarzwald und so auch in Baden-Baden unterwegs: Mark Twain. In seinem 1880 veröffentlichten Buch "A tramp abroad" (deutsch 1922: "Bummel durch Europa") hat er für Baden-Baden und sein Thermalwasser in einzigartiger Weise geworben. Dennoch stand er Baden-Baden nicht immer erfreut gegenüber. Er hielt Baden-Baden für eine geistlose Stadt, voll von Schein und Schwindel und mickrigem Betrug und Aufgeblasenheit weshalb er wohl nach seiner Europareise nicht nur Gutes über die Stadt zu berichten hatte. "Ich glaube fest daran, dass ich meinen Rheumatismus in Baden-Baden gelassen habe. Er steht Baden-Baden gerne zur Verfügung. Es war wenig, aber mehr hatte ich nicht zu geben. Ich hätte gerne etwas Ansteckendes zurückgelassen, aber das lag nicht in meiner Macht."

2.12. ELISABETH von Österreich
(1837-1898)

Eines der eigenwilligsten Mitglieder des europäischen Hochadels im 19. Jahrhundert, das weltweit unter dem Kosenamen Sissi bekannt geworden ist, besuchte die Kurstadt an der Oos im Jahr 1883 für einige Wochen. Sie stieg mit ihrem Gefolge von 36 Personen im Hotel "Europäischer Hof" ab.

Ihre Abneigung gegenüber höfischem Leben, ihre Liebe zu Ungarn und ihr eigensinniger, widerspruchsvoller Charakter sind in einer Vielzahl Bücher beschrieben worden, ebenso wie ihre Naturverbundenheit und Tierliebe. Natur pur konnte die österreichische Kaiserin in Baden-Baden erleben und genießen. Ansonsten durchstreifte die Kaiserin die malerische, teilweise noch winterliche Gegend rund um die Lichtentaler Allee zu Fuß und zu Pferd und erregte durch ihre teilweise sehr kühnen Ausritte, die sie häufig allein unternahm, beträchtliches Ansehen.

Zuweilen wanderte Elisabeth von Österreich auch in geselliger Runde, wie z.B. am 22. April 1833, als sie mit ihrem Gefolge zum Mittagessen im "Gasthaus auf dem Sand" eintraf, oder einige Tage später, als sie mit Schwester, Tochter und Nichte nach einem Marsch zum Korbmattfelsen in der Molkenanstalt einkehrte.

2.13. Der 1. Weltkrieg (1914-1919)

Im ersten Weltkrieg zogen Soldaten durch die Allee. Sie ahnten noch nichts davon, dass nach dem Krieg Arbeitslose die Randsteine säumen werden. Sie hätten sich dadurch gewiss auch nicht so gestört gefühlt wie der Adel seinerzeits.

2.14. Elefantenwanderung

Wenn der Zirkus kam, galt der Allee in den 1920er Jahren besonderes Interesse. Viele Schausteller zogen mit den Zirkuselefanten durch die Allee zum stadtnahen Vergnügungszentrum, auf dem nicht nur in jedem Sommer die Zirkuszelte aufgebaut waren.

2.15. Kinderfrühlingsfeste

Eigentlich waren die Baden-Badener Kinderfrühlingsfeste ein Brauch der Stadtbewohner. Wenn aber im Juni alle möglichen Kindergruppen, bunt gekleidet, in Fußgruppen oder auf blumengeschmückten Festwagen durch die Lichtentaler Allee zogen, dann hielten sich auch meist viele Gäste an den Rändern auf.

Die bunten Umzüge, bei denen außer in den Musikkapellen nur Kinder mitwirkten, waren ein ganz besonderer Baden-Badener Brauch. Bei vielen, die sie erlebt haben, sind sie genauso unvergessen wie die einst durchgeführten Alleebeleuchtungen.

2.16. Brenner's Hotel Stephanie

Brenner's Hotel Stephanie an der Lichtentaler Allee war in den 1920er Jahren nicht nur das erste Haus am Platz, es zählte auch zu den zehn wichtigsten Hotels Europas. Das Hotel prägte den gesamten Abschnitt des Oosufers an der Lichtentaler Allee zwischen Theater und den Tennisplätzen. Die Gäste kamen überwiegend aus dem Ausland. In der Hauptsaison zwischen Juli und September beherrschten die Amerikaner das Brenners fast alleine. Die Stephanie wurde 1963 abgerissen.

2.17. Robert STOLZ (1880-1975)

Robert Stolz war oft zu Besuch in Baden-Baden. Er liebte es, in der Lichtentaler Allee zu flanieren, um sich durch die traumhafte Umgebung in-spirieren zu lassen. Hier entstand auch das bekannte Volkslied "Vor meinem Vaterhaus steht eine Linde". Stolz notierte Noten dazu auf einem kleinen Blatt Papier.

Die Stadt Baden-Baden würdigte den Komponisten, indem sie ihm ein Denkmal in der Lichtentaler Allee errichten ließ, das genau an der Stelle zu finden ist, wo Robert Stolz seine Eingebung zu diesem populären Volkslied hatte.

Als Stolz älter und gebrechlicher wurde, ließ er, wenn er Konzerte dirigierte, ein zusätzliches Schutzgitter am Dirigentenpult hinter sich anbringen, damit er nicht aus Versehen herunterfiel.

2.18. Otto FLAKE (1880-1963)

Zahlreiche Reisen durch Europa führten Otto Flake im Jahr 1928 nach Baden-Baden, wo er fortan mit seiner Familie lebte.

"Merkwürdig ist, dass noch kein Schriftsteller die große Zeit Badens (1845-1869) für einen Roman verschwendet hat" schrieb Otto Flake im Vorwort zu seinem Roman "Hortense oder die Rückkehr nach Baden-Baden", der 1933 veröffentlicht wurde. Tatsächlich ist es ihm gelungen, in diesem Roman das Flair der Blütezeit des Kurorts im 19. Jahrhundert meisterlich wiederzugeben.

Am 10. November 1963 starb Otto Flake in Baden-Baden. Sein Nachlass ist in der Stadtbibliothek der Kurstadt interessierten Lesern zugänglich.

2.19. Der 2. Weltkrieg (1939-1945)

Eine Kugel trifft Baden-Baden aus versehen. Gewiss war sie nicht für das schmucke Städtchen bestimmt, da die Franzosen sich den Ort bereits als Hauptsitz ihrer Besatzungsmacht ausgesucht hatten. Aus diesem Grund blieb auch die Allee unversehrt.

Fünf Jahre nach dem 2. Weltkrieg wird auch schon die erste Schönheitskönigin des Nachkriegsdeutschlands in einer Kutsche durch die Allee gefahren.

2.20. Heinrich BERL

Heinrich Berl vergleicht in seinen Aufzeichnungen "Das Badener Tagebuch" die Lichtentaler Allee mit Berlins Unter den Linden und der Ludwigsstrasse in München. Für ihn gilt die Lichtentaler Allee mit Recht als das Parkett Europas.

"Hier war 1861 das Attentat auf den König von Preußen: Hier sah man täglich die Schimmeltroika Menschikows, den Hammelweiß mit seinen Böcken, den Schlappengrafen mit der Lichtputz, die Gräfin Bose, immer kauend und Gemüse putzend, die parsische Fürstin mit Männerharem, den alten russischen Staatskanzler Gortschakow am Arm seiner Maitresse, den Prinzen von Wales auf dem Tennislatz mit schönen Frauen. Hier sah man die glanzvollen Viererzüge, die Blumenkorsi, die berühmten Reiter und Jockeys, unter dem "arbre russe" die von Turgeniew in seinem Roman "Dunst" geschilderte russische Gesellschaft, bei den Boutiquen den ganzen Gotha des europäischen Adels."
(Berl 1936)

Berl vertritt die Meinung, dass die Lichtentaler Allee sehr wohl einen Vergleich mit den Champs Elysées aushält.

2.21. Reinhold SCHNEIDER
(1903-1958)

Das wechselvolle Leben Rheinhold Schneiders begann am 13. Mai 1903 in der Kurstadt Baden. Die Eltern führten das renommierte Hotel Messmer, in dem das deutsche Kaiserpaar Augusta und Wilhelm I. jahrzehntelang während seiner regelmäßigen Aufenthalte in Baden wohnte. Da er mit der Tochter des Gründers des Brenner's Hotel befreundet war, kannte er sich in der Lichtentaler Allee besonders gut aus, denn der kürzeste Weg zur ihr führte durch die Allee.

Während des 1. Weltkrieges geriet die Familie in finanzielle Schwierigkeiten und musste das Hotel schließen. Als 1957 das Hotel Messmer abgerissen wurde, setzte Rheinhold Schneider in der autobiographischen Skizze "Der Balkon" dem Haus und der Kurstadt Baden-Baden ein Denkmal. "Liebes altes Haus, keinen Protest, es ist ganz in der Ordnung, dass du abgerissen wirst."
(Schneider 1957) Seine persönlichen Erinnerungen verweben sich mit der Geschichte der traditionsreichen europäischen Bäderstadt und ihrer Persönlichkeiten. Sie alle treffen sich in den verschiedenen Labyrinthen des Hotels.

Am 6. April 1958 starb Reinhold Schneider an den Folgen eines Unfalls in Freiburg. Er wurde im Familiengrab in Baden-Baden zur letzten Ruhe gebettet.

2.22. Heute

Das Weltkulturerbe
Zu Zeiten des Oberbürgermeisters Wendt [1990 - 1998, Anm. der Red.] versuchte die Stadt Baden-Baden, die Lichtentaler Allee in das Weltkulturerbe aufnehmen zu lassen. Die Anstrengungen scheiterten aufgrund der finanziellen Möglichkeiten der Stadt.

Primadonna
Primadonna erzählt die Geschichte des märchenhaften Aufstiegs der Sängerin Carlotta Vogt zu einer Primadonna allerersten Ranges und eine Dreiecksgeschichte der besonderen Art.

Baden-Baden in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Hier trifft sich alles, was in der Welt Rag und Namen hat, und hier beginnt auch Carlottas Ausbildung bei Pauline Viardot-Garcia. Deren Romanze mit Turgenjew bildet den Hintergrund und auch einen der zentralen Konflikte des Romans: Carlotta will Turgenjews Herz erobern...

Vor dem Leser wird das Panorama der unvergleichlichen Jahre zwischen der Revolution von 1848 und der Reichsgründung von 1871 ausgebreitet. Mit Leichtigkeit und zartem Humor erzählt Hans Dieter Schreeb von den Möglichkeiten und Grenzen der Liebe, von einer uns fern gewordenen Welt und von der wunderschönen Parklandschaft Baden-Badens.

Auch heute ist die Allee, und alles was in ihr vorgefallen ist, noch Anreiz zur Fantasie und zur Inspiration von literarischen Werken.

Öffentliche Flohmärkte
Wenn die Tage wärmer werden, finden in der Allee an manchen Samstagen öffentliche Flohmärkte der Bürger statt.

Pferdekutschen
Auch heute kann man sich noch, wenn Lust, Zeit und Geld vorhanden sind, mit einer der Zweispänner-Kutschen durch die Allee kutschieren lassen. Ein Erlebnis, das auf jeden Fall eine Erfahrung wert ist.

Das Oldtimer-Meeting
Nostalgie und Flair sind zwei von vielen Gründen, die An einem Wochenende im August jedes Jahr Tausende von Menschen über das automobile Freilichtmuseum flanieren lassen. Unbezahlbare Bugattis stehen dann neben Brezelkäfern, imposante amerikanische Cadillacs neben winzigen Isettas. Seit nun mehr 25 Jahren veranstaltet Jean-Marc Culas das Baden-Badener Oldtimer-Meeting. War letztes Jahr Ferrari die "Ehrengast-Marke", so sind es dieses Jahr am 23. und 24. August Bentley und Rolls Royce. Um die 300 Fahrzeuge verteilen sich jährlich in Kurgarten und Allee. Mehr Autos lassen die Zuschauermengenleider nicht zu. Ein Interesse, das auch viel über den Stellenwert des Meetings bei den Oldtimer-Begeisterten aussagt. Es gibt in Europa vier wichtige treffen: Paris, Monte Carlo, Wiesbaden und Baden-Baden.

25 Jahre Ferrari-Club Deutschland
Im Jahr 2003 stand die Lichtentaler Allee vor einem besonderen Ereignis: Vom 10. bis 13. Juli feierte der Ferrari-Club Deutschland sein 25-jähriges Bestehen in Baden-Baden. An diesem Wochenende kamen rund 400 historische und aktuelle Ferraris aus ganz Europa in die Kurstadt. Die edlen Fahrzeuge wurden beim Jubiläumstreffen im Kurpark und der Kaiserallee aufgestellt.


3. Abschluss

Warum verdient die Lichtentaler Allee mehr als ungeteilte Bewunderung? Vielleicht, weil dieses Stück Baden-Baden auf die Eindeutigkeit verzichtet und mit seinen Zwischentönen reizt. Die Allee als englische Gartenkunst? Nein. Denn mit den genauen Abständen der Straßenbäume voneinander und den Parallelen der Baumreihen hat das Englische nichts im Sinn. Andererseits folgt die Allee aber auch nicht der Komposition des Absolutismus. Nirgendwo führt sie wie ein doppeltes Spalier aus Bäumen auf ein Schloss zu, auf eine Kathedrale oder auf das Herrenhaus eines Ritterguts. Die Allee dient nirgendwo als Zwangsweg der Macht. Sie kommt aus der Geschichte des Mittelalters als rotgrundige Fahrstraße daher, und zwar auf der einzigen und bequemen Strecke, die sich das Gebirgswasser ausgesucht hat.

War die schnurgerade Eichenallee des Herrn von Lassolaye nicht eine Idee für diesen Park? Dienen inzwischen nicht nur der Korso, sondern alle Wege zwischen Lichtental und dem "Badischen Hof" der Lust, andere Menschen zu sehen und selbst gesehen zu werden? Vergleichen und beurteilen Frauen wie Männer nicht täglich Hüte, Mäntel, Mode überhaupt, Hunde, Kinderwagen und schließlich Glühwürmchen in der Nacht, wenn der Mond scheint? Dann lässt sich wohl sagen: Die Allee ist die kurzweiligste Spazierstraße der Welt. Und nun denken Sie an das französische Wort "aller" und gehen Sie.

Quellen:
Baden-Baden im Internet: www.bad-bad.de
Rika Wettstein
Baldreit-Museum Baden-Baden
Badisches Tagblatt

Literatur:
Berl, Heinrich: Das Badener Tagebuch. Baden-Baden 1936
Berl, Heinrich: Baden-Baden im Zeitalter der Romantik. Baden-Baden 1936
Berl, Heinrich: Ergötzliche Geschichten aus Alt-Baden. Baden-Baden 1966
Bischof, Heinz: Baden-Baden in Ansichtskarten. Frankfurt am Main 1978
Bischoff, Helmut: Baden-Baden. Köln 1996
Dostojewski, Fjodor Michailowitsch: Schuld und Sühne
Dostojewski, Fjodor Michailowitsch: Der Idiot
Dostojewski, Fjodor Michailowitsch: Der Spieler
Erhard, Robert: Baden-Baden wie es früher war. Gundensberg-Gleichen 1998
Flake, Otto: Hortense oder die Rückkehr nach Baden-Baden. Frankfurt am Main 1984
Landkreis Rastatt/ Stadt Baden-Baden (Hg.): Kunst- und Kulturdenkmale im Landkreis Rastatt und in Baden-Baden. Stuttgart 2002
Martin, Peter: Salon Europas. Konstanz 1983
Schneider, Reinhold: Der Balkon. Wiesbaden 1957
Schreeb, Hans Dieter: Primadonna. München 2001
Turgenjew, Iwan Sergejewitsch: Rauch
Twain, Mark: A tramp abroad

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