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In
Russland hat sich im Laufe der
Jahrhunderte eine eigenständige
Kochkultur entwickelt, die sich
erstaunlicherweise in den einzelnen
Regionen kaum unterscheidet. Zwischen
Pazifik und Ostsee, zwischen der
turkmenischen Wüste und dem
Polarkreis genießen Russen ihre
tägliche Getreidegrütze und
versüßen sich das Leben mit
kleinen Buchweizenpfannkuchen.
Die russische Küche wird wie die
russische Seele von zwei Umständen
geprägt: von den langen und kalten
Wintern und der russisch-orthodoxen
Kirche, die regelmäßig
längere Fastenzeiten vorschreibt.
Aufgrund des langen Winters essen die
Russen viel Eingelegtes und Eingemachtes
wie Salzgurken, Sauerkraut und marinierte
Pilze. Frisches Obst und Gemüse kommt
nur in den kurzen, aber heißen
Sommermonaten auf den Tisch. Für die
kalte Jahreszeit lagern die Haushalte
verschiedene Rüben und
Kohlköpfe, trocknen Pilze und kochen
Obst ein.
Fastenzeiten ohne Fleisch
und Milch.
Die orthodoxe Kirche sieht vier
Fastenzeiten im Jahr vor, die zwischen
zwei und sechs Wochen dauern. Streng
Gläubige fasten zusätzlich noch
jeden Mittwoch und Freitag und an einigen
kirchlichen Feiertagen. Während
dieser Zeit dürfen
ausschließlich Speisen aus
pflanzlichen Zutaten verzehrt werden.
Milch, Milchprodukte, Butter und Fleisch
sind für die Fastenden tabu.
Lediglich Fisch ist an bestimmten
Fastentagen erlaubt. Durch die kirchlichen
Regeln entstand im Laufe der Jahrhunderte
eine Vielzahl an traditionellen
vegetarischen Rezepten, obwohl sonst
fisch- und fleischhaltige Gerichte die
Speisekarte prägen.
Nach der Oktoberrevolution von 1917
verurteilte die Partei das Fasten als
unsozialistisch und erklärte die
Kirche und ihre Regeln als Aberglauben.
Viele alte Speisen gerieten in
Vergessenheit. Nach dem Zusammenbruch des
Kommunismus entdeckten jedoch immer mehr
Russen ihren Glauben und ihre Traditionen
neu. Längst vergessene Gerichte wie
der Weihnachtskuchen Kulitsch, ein
lockeres Hefegebäck mit Rosinen, sind
seit dem wieder populär.
Getreidebrei -Leibspeise
der Nation.
Auch
Kascha, ein Getreidebrei, erlebte eine
Wiedergeburt. Es gibt unzählige
Zubereitungsarten dieses Gerichts, jede
Familie hat praktisch ihr eigenes Rezept.
Der Brei wird aus Buchweizen,
Haferflocken, Roggenschrot oder Maisgries
gekocht und für das
Frühstück vielfach mit Milch,
Butter und Zucker verfeinert. Zu den
Hauptmahlzeiten kommt er in einer salzigen
Variante auf den Tisch. Buchweizen wird
auch als Zutat für andere Gerichte
geschätzt. Er wird als herzhafte
Beilage zubereitet oder zu feinen Blinis,
den russischen Pfannkuchen, verbacken.
Pilzesammeln weit
verbreitet.
Generell
lieben die Russen alles, was aus Mehl
zubereitet wird wie Teigwaren, Mehlspeisen
und Brot. Brot darf bei keiner Mahlzeit
fehlen und wird als schweres,
säuerliches Schwarzbrot bevorzugt.
Oft gibt es aber auch mit Fleisch oder
Pilzen gefüllte Teigtaschen oder
gekochte Klöße zum Essen.
Kartoffeln spielen eine untergeordnete
Rolle.
Der alte Volkssport, das Pilzesammeln,
erlebt ebenfalls eine Renaissance. Nicht
zuletzt durch die schwere wirtschaftliche
Krise bedingt, versuchen viele ihren
Speiseplan mit wild gesammelten Beeren und
Pilzen zu bereichern. Im Herbst
strömen unzählige Pilzsucher
frühmorgens in die Wälder und
bringen körbeweise Wildpilze mit nach
Hause. Dort werden sie frisch in Suppen,
Grütze oder gefüllten
Teigtaschen genossen oder für den
Winter getrocknet und eingelegt.
Weißkohl und Rote
Beete für Suppen beliebt.
Deftige
Suppen sind ebenfalls aus der russischen
Küche nicht wegzudenken und werden in
unzähligen Variationen serviert.
Meist bilden Weißkohl, Rote Bete,
Sauerkraut oder Salzgurken die Grundlage.
Die Suppen sind oft so reichhaltig, dass
sie mit Brot oder gefüllten
Teigtaschen, Piroggen genannt, als
Hauptmahlzeit dienen. Hierzulande bekannt
ist die Rote-Beete-Suppe Borschtsch, und
in der ehemaligen DDR durfte die Soljanka
mit Salzgurken bei keiner Feierlichkeit
fehlen.
Einzigartig für Russland ist das
vergorene Erfrischungsgetränk Kwas.
Die säuerliche, leicht prickelnde
Flüssigkeit wird aus Roggenbrot,
Wasser, Hefe und etwas Zucker hergestellt
und gilt als überaus gesund. Das
eigentliche Nationalgetränk ist
jedoch schwarzer Tee. Zunächst wird
ein starker Teesud gekocht. Er wird dann
nach Belieben mit heißem Wasser
verdünnt, das traditionell aus einem
Samowar stammt. Damit der starke Aufguss
nicht ganz so bitter schmeckt, wird er mit
einer Art Konfitüre gereicht, die
löffelweise zum Tee genossen
wird.
Von Champagner und
Kaviar.
Erste
Erfahrungen mit der russischen Küche
machte Westeuropa nach der
Oktoberrevolution, als Millionen von
Russen emigrieren mussten. Aus dieser Zeit
stammen auch die Klischees über die
Vorliebe der Russen für Wodka, Kaviar
und Champagner. Solche erlesenen
Genüsse konnte sich jedoch nur die
Oberschicht leisten, das einfache
russische Volk kannte den Kaviar kaum.
Ebenfalls aus Russland stammt das Wort
Bistro. Emigrierte russische Offiziere
verlangten von den Pariser Kellnern,
schnell und unkompliziert bedient zu
werden. Dabei riefen sie "Bistro!
Bistro!", auf russisch: "Schnell!
Schnell!". Die französischen Kellner
eigneten sich das Wort an, und bald schon
wurde es zum Inbegriff für eine
schnelle Küche.
Die langen Winterabende sind ideal zum
Ausprobieren der russischen Rezepte. Damit
der Eindruck vollkommen wird, sollten Sie
auf eine Tasse kräftigen, schwarzen
Tee nach dem Essen nicht verzichten, auch
wenn kein Samowar zur Hand ist. Und dann
gilt es: Augen schließen,
Tschajkowskij auflegen und von den
unendlichen schneebedeckten Steppen
träumen. Na sdorowje!
Dieser Artikel von Aleksandar Miladinovic
erschien beim UGB (Verband für
unabhängige Gesundheitsberatung)
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Hier vier
typische Rezepte
aus dem kalten Osten:
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Zutaten
für 4 Personen:
600 g Rinderfilet
4 EL Öl
2 Zwiebeln
125 ml Brühe
300 g frische Champignons
150 g Gewürzgurken
150 g Rote Beete aus dem Glas
200 g Crème fraiche
3 EL dunkler
Soßenbinder
Das Filet erst in Scheiben, dann
in Streifen schneiden und kurz in
einer heißen Pfanne
anbraten. Das Fleisch aus der
Pfanne nehmen und mit Salz und
Pfeffer würzen. Zwiebeln in
Scheiben schneiden und in dem
Fett andünsten. Die
geputzten und in Scheiben
geschnittener Champignons
dazugeben und mitdünsten.
Mit der Brühe
ablöschen. Die
Gewürzgurken und die Rote
Beete in Streifen schneiden.
Crème fraiche und
Soßenbinder zugeben. Danach
Fleisch, Gurken und Rote Beete
hinzu fügen und heiß
werden lassen.
Dazu reicht man Nudeln oder
Reis.
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Zutaten
für 4 Personen:
400 g Rinderbrust
1 Möhre
200 g Weißkohl
2 Tomaten
4 TL saure Sahne
1/2 Bund Dill
1 große Rote Beete
1 Zwiebel
300 g Kartoffeln
2 EL Butter
1 EL Essig
1 EL Zucker
1 Lorbeerblatt
schwarzer Pfeffer aus der
Mühle
Das Fleisch waschen,
trockentupfen und in 2 Ltr.
Wasser mit Salz bei schwacher
Hitze aufkochen. Den Schaum
abschöpfen, bei mittlerer
Hitze etwa 2 Stunden ziehen
lassen. Das Fleisch
herausnehmen.
Die rote Beete, die Möhre
und die Zwiebel schälen und
in Würfel schneiden. Den
Weißkohl putzen und in
dünne Streifen schneiden.
Die Butter erhitzen und das
Gemüse darin dünsten.
Etwa 1/8 l Brühe dazugeben
und alles etwa 10 Minuten bei
schwacher Hitze kochen. Den
Essig, den Zucker, die
geschälten und in Scheiben
geschnittenen Kartoffeln und das
Lorbeerblatt hinzufügen. Die
restliche Brühe durch ein
Sieb dazugießen und alles
etwa 30 bis 40 Minuten
kochen.
Die Tomaten mit heißem
Wasser überbrühen,
häuten und klein schneiden,
Dill zum Borschtsch geben und mit
Salz und Pfeffer würzen. Das
Fleisch kleinschneiden und
ebenfalls zur Suppe geben. Den
Borschtsch in die Teller
füllen und je einen
Löffel saure Sahne in die
Mitte geben.
Dazu reicht man Toast oder
Weißbrot.
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Zutaten
für 4 Personen:
300 g
Schweinefleisch
300 g Rindfleisch
4 EL Öl
1 Liter
Fleischbrühe
3 Gewürzgurken
2 Zwiebeln
2 Knoblauchzehen
500 g passierte
Tomaten
3 Paprikaschoten (gelb,
grün, rot)
1 Zitrone
200 g Sauerrahm
1 Bund Dill
frische Petersilie
Pfeffer aus der
Mühle
Salz
Paprikapulver
(mittelscharf)
Fleisch in feine
Streifen schneiden, ca.
1 cm dick und 3-4 cm
lang, Gewürzgurken
in Würfel
schneiden, Zwiebeln in
Ringe schneiden, den
Knoblauch fein hacken.
Paprikaschoten in gleich
große Streifen
(wie das Fleisch)
schneiden. Das Fleisch
in dem sehr heißen
Öl gut anbraten.
Danach die Zwiebeln und
den Knoblauch dazugeben,
kurz mitbraten.
Paprikastreifen und
Gewürzgurken
hinzufügen, alles
vermischen und ca. 3-5
Minuten mitdünsten.
Mit passierten Tomaten
und der
Fleischbrühe
auffüllen und ca.
10 Minuten nur ganz
leicht köcheln
lassen. Mit Paprika,
Salz und Pfeffer
würzen. Den Saft
der Zitrone
zufügen. Gehackten
Dill und die Petersilie
darüberstreuen.
Beilage: Baguette.
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Piroggen
mit
Weißkohlfüllung
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Zutaten
für 4 Personen:
250 ml Milch
25 g Hefe
700 g Mehl
125 g Margarine
5 Eier
1 EL Zucker
300 g Weißkohl
1 Zwiebel
1 große
Möhre
2 EL Öl
Pfeffer aus der
Mühle
Salz
Paprikapulver
(edelsüß)
Füllung:
Zwiebel und Möhre
in Streifen schneiden
und im Öl goldgelb
anbraten. Kohl raspeln,
salzen und leicht
anbraten (ca. 10 Min). 3
Eier hart kochen und
hacken. Alles vermengen,
Kräuter und
Gewürze dazu geben,
nach Geschmack
salzen.
Teig:
Die Milch etwas
erwärmen und die
Hefe darin
auflösen. Das Mehl
mit der Margarine
vermengen, Zucker, Salz,
1 Ei und die Milch
dazugeben. Teig gut
durchkneten, mit einem
Tuch abdecken und
für ca. eine Stunde
an einen warmen Ort
stellen. Wenn der Teig
gegangen ist, nochmals
durchkneten und wieder
an warmen Ort stellen.
Nachdem der Teig wieder
gegangen ist, kann man
die Piroggen machen.
Den Teig zu einer Rolle
formen (Durchmesser 5
bis 6 cm), davon ca. 2,5
cm breite Scheiben
abschneiden und einzeln
ausrollen (Durchmesser
10 bis 12 cm). Etwa
einen Esslöffel
Füllung in die
Mitte der Scheibe geben,
zusammenklappen, den
Rand festdrücken
und eine Pirogge
(Teigtasche) formen. Die
Piroggen mit Eigelb
bestreichen und auf das
eingefettete oder mit
Backpapier ausgelegte
Backblech legen. Im
vorgeheizten Backofen
bei mittlerer Hitze ca.
15 bis 20 Minuten
backen.
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