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Wladimir
Kaminer, der mit der russischen Küche
groß geworden ist und diese zwanzig Jahre
lang "ausgelöffelt" hat, setzt sich zu Beginn
des Buches mit dem Phänomen auseinander, dass
es in Deutschland wenige Lokale gibt, die russische
Küche anbieten. Unter anderem liegt dies
seiner Meinung nach daran, dass es den Russen zu
anstrengend sei, einen Restaurantbetrieb zu
führen. Die Folge hiervon ist, dass die
russische Küche hier zu Lande in erster Linie
von Deutschen angeboten wird, "die einen
Russenknall haben".
Da er, wie bereits bemerkt, die Ergebnisse
russischer oder besser sowjetischer Kochkultur
selbst ausgelöffelt hat, stellt er die
Regionen des ehemaligen Sowjetreichs von Armenien
bis Weißrussland in dem ihm eigenen
unverwechselbaren Schreibstil vor und hebt auf die
jeweiligen Essgewohnheiten deren Bewohner ab.
Seine Beschreibung der politischen Entwicklung
Weißrusslands bis hin zum "kapitalistischen
Kartoffel-Sozialismus ist ebenso hinreißend
formuliert wie der Vergleich der ehemaligen
Sowjetunion mit einem eckigen Ausklappkuchen mit
verschiedenen Füllungen in allen Ecken, der
als eine der ältesten russischen
Spezialitäten gilt.
Mit den regionalen Spezialitäten
beschäftigt sich seine Frau Olga, die zu jedem
Land typische Gerichte und deren Zubereitungsart
zusammengetragen hat. Manche sind selbst
Nicht-Russen bekannt wie beispielsweise der
Brennnessel-Salat, der in Armenien als Vorspeise
verzehrt wird, oder Brotsuppe, welche die Letten
sättigt.
Andere mit exotisch klingenden Namen wie
Etschpotschmack oder Toug Scharba lassen neugierig
die Zutaten, die übrigens in der Regel
für vier Personen angegeben sind, studieren um
zu erfahren, dass es sich bei ersterem um
Hefeteigtaschen mit einer
Fleisch-Kartoffel-Füllung handelt und sich
hinter letzterem Hühnersuppe mit Reis
verbirgt.
Beide Gerichte, sowie aller weiteren Vorspeisen,
Suppen, Hauptgerichte und Süßspeisen
animieren zum Nachkochen, um sich deren Geschmack
nicht nur vorstellen zu müssen, sondern
tatsächlich zu erfahren. Zusammenstellungen
kompletter Menüs sind denkbar.
Diese mögen ebenso munden wie das Kochbuch des
Sozialismus besinnliches Vergnügen
bereitet.
Rezension:
Rika Wettstein, Baden-Baden
Das Buch ist im Manhattan Verlag
erschienen.
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