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 Glanz und Dunkel

Polizeichef Wintermantel weiß, was er tut, und er weiß, was er sagt. Er sagt es nicht leichtfertig dahin, sondern aus Sorge und Verantwortungsbewusstsein für diese Stadt. Was er sagt, ist indes längst nicht alles, was er weiß. Um dies festzustellen, muss man keine prophetische Kraft besitzen. Nicht nur deshalb ist es an der Zeit, auch öffentlich zu reden - über Russen in Baden-Baden. Natürlich, und das ist so wichtig, um es ausdrücklich zu betonen: Die meisten Menschen, die aus Russland nach Baden-Baden kommen, sind seriös. Und es wäre geradezu fahrlässig, nur wenige Jahre nach dem Fall des eisernen Vorhangs eine neue Mauer zu errichten - aus Steinen von Vorurteilen und generellen Verdächtigungen, mit den russischen Gästen und "neuen" Bürgern käme quasi die Mafia gleich mit. Nein. Aber es ist eben auch wahr: Korruption und Geldwäsche sind in Russland und in einigen Nachfolgestaaten ein überaus infektiöser Bazillus in Wirtschaft und Gesellschaft. Dem heimischen Geldkreislauf werden auf verschlungenen Wegen Milliarden entzogen, in den Westen transferiert und auch in Baden-Baden ausgegeben.

Geht uns das nichts an? Doch. Weil Ethik auch im Wirtschaftsleben kein Fremdwort sein darf, weil andernfalls auch hier Strukturen irgendwann zu einem kaum noch zu kontrollierenden Dickicht wuchem. Baden-Badens Partnerstadt Karlsbad ist nicht nur nach Medienberichten ein warnendes Beispiel: Jedes zweite Hotel soll demnach mit einem russischen Firmennamen im Grundbuch stehen. Ex-Präsident Vaclav Havel sprach denn auch vom "Mafia-Kapitalismus". Den ersten Anzeichen zu wehren, sollte in Baden-Baden Aufgabe aller sein.

Mitnichten ist es mit der BT-Serie darum gegangen, den neu auflebenden Tourismus mit Gästen aus Moskau und anderswo madig zu machen. Doch auch wer sich den "Russischen Spuren" nähert, darf sich nicht vom Glanz blenden lassen. Es gibt eben auch dunkle Seiten. Und dass darüber langst geredet wird - von Nachbar zu Nachbar, an Stammtischen und in der Politik -, weiß auch jeder. Es auch öffentlich zu tun, dabei nichts zu verunglimpfen, aber auch nichts schönzureden, das ist angezeigt - und war Ziel und Sinn der Serie. Beispiel: Der reihenweise Verkauf von exponierten Gebäuden und repräsentativen Wohnungen wird auch in der Immobilienbranche teils sehr kritisch gesehen - man fürchtet um den guten und ganz besonderen Ruf der Stadt. Und jener sollte doch heilig sein.

Patrick Fritsch
Badisches Tagblatt, 6.12.2003



 

 Kein Märchen

Bei der Grundig-Villa in der Staufenbergstraße tut sich was. Die Anwohner sind erbaut. Sie glauben, das seien die ersten Zeilen eines Märchens? Mitnichten. Tatsächlich geht ein seit Jahren bestehender Missstand seinem Ende entgegen. Bei Minustemperaturen bildete sich dort regelmäßig eine spiegelglatte Piste; von zwei Grundstücken drückte Wasser auf die Straße. Die Stadt forderte die Eigentümer auf, die Drainagen an den Kanal anzuschließen. Es tat sich jedoch lange Zeit nichts. Jetzt, das wissen Nachbarn zu berichten, wird das Übel beseitigt. Ausgerechnet jetzt? Wenn das die New York Times erfährt! Oder der "Spiegel". Oder das georgische Fernsehen oder die Financial Times Deutschland oder der Hessische Rundfunk - oder ... . Sie alle, und viele andere, sind in diesen Tagen mit ihren Berichten über die Stadt gekommen. Und in dem Verwirrspiel, das sie miteinander angerichtet haben, konnte sich die Zielperson von einem Dementi zum nächsten hangeln.

Er werde in seiner Heimat Georgien bleiben, ließ der entmachtete Präsident Eduard Schewardnadse zunächst verkünden. In zwei bis drei Jahren wolle er nach Deutschland kommen, schob er in dieser Woche nach. Doch eine Villa in Baden-Baden habe er nicht gekauft. Das allerdings kann auch keiner behaupten, der einigermaßen gründlich recherchiert. Der Grundbuch-Eintrag spricht eine deutliche Sprache und weist in ein Geflecht von Firmen und zu einem Geschäftsführer in der Schweiz, der die Verträge zum Kauf der Grundig-Villa unterschrieben hat. Und weil andererseits einige, die es wissen müssen, unserer Zeitung von Schewardnadses Streben nach dem Komfort-Domizil in der Staufenbergstraße berichtet haben, und weil der Ex-Präsident sein Dementi jetzt dementiert hat - weil dem so ist, dürfte es nicht mehr allzu lange dauern, bis der Georgier am Annaberg gesichtet wird: Kein Märchen - wenn das die New York Times erfährt!

Albert Noll
Badisches Tagblatt, 6.12.2003


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