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 Teil 5: Spätaussiedler

Knapp 800 Menschen mit Staatsangehörigkeiten von GUS-Staaten und mehrere Hundert Spätaussiedler in Baden-Baden.

"Die" Russen gibt es nicht: "Familien willkommen"

Russen in Baden-Baden - ein weites Feld, und eben vor allem nicht nur ein rein touristisches. Es gibt viele Beispiele für ein gutes Miteinander. Doch wie immer sind die schlechten Beispiele auffälliger und deshalb prägender. Doch von "den" Russen kann man schon allein im Hinblick auf ihre Staatsangehörigkeit nicht sprechen.

Tatsächlich leben in Baden-Baden viel mehr Menschen aus der ehemaligen Sowjetunion, als wohl die meisten denken. Auf Anfrage unserer Zeitung hat sich das Amt für öffentliche Ordnung die Mühe gemacht, nachzuzählen. Ergebnis: Knapp 800 Menschen aus der zerfallenen ehemaligen UdSSR haben im Stadtkreis ihren Wohnsitz. Sie besitzen die Staatsangehörigkeit folgender Länder: 362 sind Bürger Russlands, 301 sind Ukrainer, gefolgt von 50 aus Kasachstan, 23 aus Weißrussland und 18 aus der Republik Moldau (ein kleines Land mit Grenzen zur Ukraine und zu Rumänien). Andere haben die Staatsangehörigkeit von Georgien (4), Turkistan, Usbekistan, Armenien oder der Mongolei.

Und so wie OB Sigrun Lang nach eigenen Worten über Gäste von Hotels und Kliniken, die aus Russland kommen, "noch nie eine Klage gehört hat", ist das auch bei den meisten derer, die in der Kurstadt einen Wohnsitz haben - oder sich eine Villa oder Eigentumswohnung gönnen, wie ein Mann aus der russischen Industrie, dessen Frau hier samt Kindern lebt, damit die Kleinen eine deutsche Schule besuchen. Deshalb sagt die Rathauschefin: "Wenn sich russische Familien hier niederlassen wollen, sind sie herzlich willkommen." Dabei betont sie das Wort "Familie". Denn "dass Häuser leerstehen" und nur ein Hausmeister da ist, "der kein Deutsch spricht", das wünscht sich die OB nicht. Verhindern kann sie es aber auch nicht.

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Eine gewisse Machtlosigkeit spürt die Oberbürgermeisterin auch in ganz anderer Hinsicht: und zwar gegenüber den auch schon mal als "Deutschrussen" bezeichneten Spätaussiedlern - und speziell gegenüber jenen, die sich nicht integrieren wollen oder nicht können. Auf mehrere Hundert schätzt die Stadtverwaltung die Anzahl derer, die auf grund ihrer deutschen Wurzeln in Baden-Baden leben. Exakte Daten gibt es nicht; weil die Spätaussiedler nun mal auch in der Statistik schlicht Deutsche sind - darunter auch viele aus St. Petersburg. "Die meisten haben den Willen zur Integration", sagt die OB gerade im Hinblick auf die ehemaligen Petersburger. Und sie spricht auch von einer "Bereicherung für die Stadt".

Doch natürlich weiß sie auch um die ganz andere Seite: gewaltbereite Jugendliche, oft verstrickt in Kriminalität und gar nicht selten auffällig als Konsumenten harter Drogen. Gerade letztere Jugendliche bilden seit Jahren den größten Teil der Klientel des Badischen Landesverbands gegen die Suchtgefahren in Oos. Dort indes wissen die Psychologen um die Gründe: Vielfach sind die jungen Menschen gegen ihren Willen mit Eltern und Großeltern nach Deutschland gekommen - aus irgendeinem Landstrich, wo es sich gewiss nicht gut leben ließ. Doch die Verheißungen erfüllten sich meist nicht: Sie sprechen schlecht oder überhaupt kein Deutsch, haben auch deshalb keine deutschen Freunde, finden nach einem oft miserablen Schulabschluss keine Lehrstelle - und doch ist die Sehnsucht nach Marken-Klamotten und allem anderen groß. Hinzu kommen schließlich große kulturelle Unterschiede: Wie Soziologen sagen, tut sich eine riesige Kluft auf - zu jungen Deutschen, die hier geboren sind.

Um vor allem diese jungen Aussiedler zurückzuholen, ja überhaupt mit ihnen ins Gespräch zu kommen, vielleicht gar eine Perspektive aufzuzeigen, dafür steht beispielhaft das Projekt "Brücke 99" - unterstützt von der Polizei und finanziell gestützt von Rotariern. Überhaupt: Gerade auch in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen aus irgendeinem Teil Russlands oder einer der vielen Nachfolge-Republiken ginge viel nicht ohne die finanzielle und ehrenamtliche Begleitung von Serviceclubs wie Lions oder Zonta. Und vielleicht schließt sich eines Tages der Kreis - und auch die neuen, reichen Russen in Baden-Baden kümmern sich um jene, die ihrem Land den Rücken gekehrt haben und sich hier nicht zurechtfinden....

Von Patrick Fritsch
Badisches Tagblatt, 4.12.2003


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