Home

Baden-Baden

Stadtrundgang

News BB

Anreise

Geschichte

Kunst/Kultur

Sehenswert

Stadtplan

Sport/Freizeit

Events

Theater

Casino

Thermen

Hotels

Hotels buchen

Restaurants

Cafés/Bars

Shopping

Stadtteile

Umgebung

Elsass

Buch-Shop

Kleinanzeigen

e-Cards

Gästebuch

Awards

Archiv

Hilfe

Links

Impressum

Kontakt

 

 Teil 2: Reiche Russen

Tourismus knüpft an Tradition an.
Gesundheitsdienstleistung ein Schwerpunkt.
Polizeichef wirbt für eine "differenzierte Betrachtung".

Reiche Russen - fast wie geschaffen für Baden-Baden

Die Russen, die nach Baden-Baden kommen, haben mit dem frierend an der Wolga sitzenden Mütterchen nichts gemein. Sie sind vor allem eines: zahlungskräftig, teils sehr vermögend. Und: Die Russen kommen auch außerhalb der Saison und bleiben länger als die US-Amerikaner. Folge nach starkem Anstieg: Rang zwei in der Statistik des Kurstadt-Tourismus.

Es sind verstorbene, aber berühmte Literaten: Gogol, Tolstoi,
Dostojewski, Turgenjew. Deren Schrifttum über das grüne Tal der Oos legt auch heute noch, besser: wieder den Grundstein für die ganz besondere Nähe von Russen zu Baden-Baden. "Die Stadt ist ein Symbol sehr alter geistiger und kultureller Beziehungen beider Völker", ließ die Tageszeitung Prawda ihre Leser im Mai dieses Jahres wissen. Eine "bessere Vorgabe könnte es nicht geben"' sagt Oberbürgermeisterin Sigrun Lang. Sie fügt hinzu: "Unser Wunsch ist, an diese Tradition anzuknüpfen."

Und das funktioniert prächtig: Seit 1994 kletterte die Anzahl der Übernachtungen von russischen Gästen von 1 125 auf 25 000 im vergangenen Jahr 2001 ist gar ein Anstieg um 64,8 Prozent zu verzeichnen gewesen. Dennoch "schmunzelt" nach eigenen Worten die Geschäftsführerin der Baden-Baden Kur & Tourismus GmbH, Brigitte Goertz-Meissner, über die in jüngster Zeit in einigen überregionalen Blättern erschienenen Berichte, die ein Bild der "Überschwemmung" mit Russen nahe legen. Denn der Anteil der Russen an den Übernachtungen liegt bei gerade mal drei Prozent.

Allerdings: Die Russen haben die US-Amerikaner mittlerweile überflügelt (24 820 Übernachtungen). Und: "Es ist eine Klientel, die sehr viel Geld ausgibt und die gehobene Hotellerie besucht." Also fast wie geschaffen für Baden-Baden. Was die Russen für Touristiker ferner so attraktiv macht, ist: "Sie kommen übers ganze Jahr verteilt", sind also, was nicht weiter wundert, wetterresistent. Daneben gilt auch: Sie bleiben vergleichsweise lange Zeit - nämlich durchschnittlich 6,4 Tage (USA: zwei Tage). Und: "Sie kommen ausschließlich wegen Baden-Baden." Herz, was willst du mehr?

Weiter>



 

Eben: "Der amerikanische Markt ist ja deutlich eingebrochen. Wir sind also froh über den zusätzlichen Markt", sagt OB Lang. Und damit das so bleibt und möglichst noch mehr gut betuchte Russen kommen, setzt die ehemalige Kur-Direktorin auf die Kraft des Faktischen und Tatsächlichen: "Wir wollen darstellen, dass die Werte, die die Russen im 19. Jahrhundert schätzten, nach wie vor vorhanden sind." Zocken im Casino wie anno dazumal Dostojewski, gedanklich versunken in den Thermen planschen, in der Suite oder an der Bar plaudern, exklusiv zu Tische sitzen und speisen, um den Sieg der edlen Rösser wetten, mindestens so edel shoppen gehen - und die "paradiesisch grüne Stadt" genießen, wie Tourismus-Chefin Goertz-Meissner einen weiteren Edelstein im Kurstadt-Collier beschreibt.

Wie schrieb doch Nikolaj Gogol im Jahr 1836 in die kalte Heimat: "Es gibt hier niemanden, der ernsthaft krank wäre. Alle kommen nur hierher, um sich zu amüsieren." Doch gerade die Krankheit oder nur das Wehwechen oder gar der winzige Makel der Schönheit treibt die heutigen Russen an die Oos:

"Der Gesundheitstourismus ist ein Schwerpunkt", sagt Goertz-Meissner. Ob eine Operation im Innern oder ein leichter Eingriff am Äußeren wie die Behandlung einer Narbe: Baden-Baden bietet alles - oder es wird organisiert. Für Firmenchefs, Behördenleiter und hohe Funktionäre. Für diese Klientel "primär aus Moskau" hat die BBT so genannte "Packages" -also quasi Rund-um-sorglos-Pakete - zusammengestellt. Und wenn es sein muss - und das muss oft sein -, werden Termine beim Arzt vereinbart und die Gäste vom Flughafen abgeholt.

Damit der Rubel weiter rollt und in Euro verwandelt in die Kassen von Hotellerie, Handel und Arzteschaft fließt, ist Baden-Baden gestern ganz und gar exklusiv vor Ort gewesen: bei einer "eigenen Präsentation" der Stadt, der Kliniken und Hotels in der Residenz des Botschafters in Moskau. Dorthin kommen so genannte "Multiplikatoren", also auch Journalisten und Reiseveranstalter. Mit mehr als 30 Veranstaltern arbeitet die BBT zusammen, um möglichst viele Russen anzulocken. Bei der Auswahl der Unternehmen kooperiert die BBT nach eigenen Angaben eng mit der deutschen Botschaft: "Damit wir wissen, mit wem wir Verträge schließen", sagt Goertz-Meissner.

Denn natürlich tummeln sich gerade auf dem Tourismus-Markt nicht nur seriöse Anbieter. Schließlich gibt es genug Geld zu verdienen. Und natürlich ist das Geld, das so mancher Russe mitbringt, kein sauberes Geld: Nach Erkenntnissen von Sicherheitsexperten sind rund zwei Drittel der russischen Wirtschaft in den Händen der osteuropäischen Mafia. Und so legt Kurt Wintermantel, Leiter der Polizeidirektion, gerade in Sachen Tourismus auf eine "differenzierte Betrachtung" wert: "Nicht jeder Tourist, der viel Geld hat, ist Kreisen der organisierten Kriminalität zuzuordnen. Aber wer glaubt, es seien nur seriöse Leute, der ist nicht ehrlich oder sehr naiv.''

Von Patrick Fritsch

Badisches Tagblatt, 21.11.2003


<
Zur Übersicht




 

 

   Zurück zur Übersicht


© 2003-2006 by WAEPART Baden-Baden. All rights reserved.