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 Russische Spuren

Die Russen kommen. Und mit ihnen die wildesten Spekulationen - von Nachbar zu Nachbar, an Stammtischen, in der Politik. Und mit den Russen häufen sich in jüngster Zeit Geschichten in überregionalen Blättern und im Fernsehen. Meist sind es überaus bunte Geschichten - "aufgehängt" an den wieder auflebenden historischen Beziehungen und beispielhaft konkretisiert an einem vermögenden Geschäftsmann oder Funktionär, der es sich gutgehen lässt. Doch: Wie das Leben, so hat auch der Zuspruch der Russen nicht nur schöne, gute und bunte Seiten. Längst ist Baden-Baden auch ein Ziel von Fahndern geworden, die der organisierten Kriminalität auf der Spur sind. Ein mühsames Geschäft - wie auch die Recherche von Journalisten, wenn es eben nicht nur um die in diesem Fall "schöne neue Welt" der Russen in Baden-Baden geht. Das Thema ist allerdings zu wichtig, um nicht wenigstens die russischen Spuren aufzuzeigen - so weit es (auch rechtlich) möglich ist. In loser Folge erscheint in den kommenden Tagen eine mehrteilige BT-Serie. (pf)


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 Teil 1: Russen auf Einkaufstour

Exklusive Immobilien wechseln Besitzer.
Persönliche Beraterin von Präsident Eduard Schewardnadse erwirbt ehemalige Grundig-Villa.

Russen auf Einkaufstour: Brisantes Thema für die Polizei

Die Konten sind offenbar reich bestückt. Viele repräsentative Villen und stadtbildprägende Gemäuer wechseln den Besitzer, reihenweise werden exklusive Wohnungen erworben. Die Käufer: Russen. Eine der wohl spektakulärsten Transaktionen: Die ehemalige Grundig-Villa ist von der persönlichen Beraterin des georgischen Präsidenten Eduard Schewardnadse gekauft worden.

Die Immobilienverkäufe sind in Baden-Baden zum Thema wildester Spekulationen geworden. Kaum eine Woche vergeht ohne einen Anruf in der Redaktion. Und immer wieder werden ranghohe Politiker als Käufer genannt. Doch dabei handelt es sich in der Regel mehr um Dichtung denn Wahrheit.

Aber wundem kann sich niemand über die Aufmerksamkeit: Sie ist genährt von der Historie der deutsch-russischen Beziehungen mit der schon rein literarischen Besonderheit "Baden-Baden". Sie ist genährt von steil steigenden Übernachtungsraten russischer Gäste. Und sie wird letztlich genährt von Tatsachen: Mehr als 20 Immobilien in edler, ja teils außerordentlich exponierter Lage sind mittlerweile in russischen Händen. Dabei sind vielfach repräsentative Eigentumswohnungen noch nicht mitgezählt.

"Diejenigen, die etwas kaufen, interessieren sich nicht für eine Doppelhaushälfte", weiß Oberbürgermeisterin Sigrun Lang um die Vorlieben. Und Einfluss auf die "meist privaten Entscheidungen" habe die Verwaltung keine. Einfluss nimmt die Verwaltung erst dann, wenn das Baurecht bei der geplanten Erweiterung eines "Riesenklotzes" (Lang) ins Spiel kommt. "Da gibt es manchmal herbe Gespräche." Denn durchaus "schwierig" sei es, "Menschen, die gewohnt sind, mit Geld alles kaufen zu können, zu sagen, dass es ein Baugesetzbuch gibt und die Stadt einen Gestaltungswillen hat". Und dem Vernehmen nach ist es denn auch schon vorgekommen, dass eine einfache Frage jedes weitere Gespräch erübrigt: "Wie viel kostet die Genehmigung?"

Längst pflegt die Rathausspitze bei "Dingen die uns problematisch erscheinen" einen engen Kontakt mit der Polizeidirektion. Deren Leiter Kurt Wintermantel sagt im Hinblick auf die zahlreichen Immobilienverkäufe: "Das ist ein sehr brisantes Thema für uns." Denn es gebe "Indikatoren" für organisierte Kriminalität - "und die sehen wir", fügt Wintermantel hinzu. Der Polizeichef sagt derlei Sätze nicht ohne Bedacht, sondern aus Verantwortung für das Gemeinwesen. Dass eine "große Anzahl von Objekten" an Russen oder Osteuropäer die ehedem hinter dem "eisernen Vorhang" verortet worden waren, verkauft wurden und wohl auch künftig werden, sei zwar "vom Grundsatz her noch nicht sicherheitsrelevant". Aber: "Anlass zur Sorge sind die Umstände."

Umstände die mitnichten bei allen Verkäufen zu beobachten sind - aber eben bei manchen. Und dabei läuft die Abwicklung schon mal über Mittelsmänner. Manchmal werden auch Unternehmen eingebunden. Jene sind in keinem der einschlägigen Register zu finden: Sie haben Sitz in "exotischen Ländern". Etwa in Curaçao (niederländische Karibik) oder auf Zypern. Auf letztere Insel führte unlängst auch eine BT-Recherche in einem weiteren Fall erfolglos.

Wenngleich: So ganz erfolglos blieb das Bemühen, Licht in die dann doch nicht abgewickelte Transaktion zu bringen, nicht. Denn der Vorgang ist ein Paradebeispiel dafür, dass der tatsächliche Käufer selbst auf unterzeichneten Kaufverträgen oft verschleiert werden soll: Notariat in Kandel, als "Mittelsmann" ein unbescholtenes Aussiedler-Ehepaar aus Osteuropa in einer Wohnung der städtischen Baugesellschaft GSE - und eine Tarnfirma auf Zypern.

Derlei hat zwei Ziele, wie Polizeichef Wintermantel sagt: "Der eigentliche Käufer soll nicht identifiziert werden. Und die Geldströme sollen nicht nachvollziehbar sein." Doch bei diesen verschlungenen Wegen ist den Sicherheitsexperten - ob in Berlin oder Baden-Baden - so ganz und gar nicht wohl. Denn: "Der Verdacht der Geldwäsche drängt sich zwangsläufig auf." Und Geldwäsche geht mit organisierter Kriminalität sozusagen länderübergreifend eine problematische Ehe ein.

Darin dürfte auch der Grund liegen, warum so mancher Koffer dem "Sesam öffne Dich" gleicht: Teils werden Preise bezahlt, die zuvor auf dem Markt nicht erzielt werden konnten. Und sind die edlen Gemäuer erst einmal erworben, dann wird "so manches Objekt zur Festung ausgebaut", sagt Wintermantel. Dafür gibt es in der Tat Beispiele. Und so ist es bei einer Stadtführung mit einigen Teilnehmern dazu gekommen, dass die Bewohner einer Villa aber auch so überhaupt nichts von den Erläuterungen des Stadtführers hielten: Sie wiesen die Menschen barsch ab - und das auf dem öffentlichen Gehweg.

Von der Öffentlichkeit völlig abgeschieden liegt indes die luxuriöse Grundig-Villa, die ehedem für mehr als zehn Millionen Euro auf dem Markt angeboten worden war: Als Käufer ist der georgische Präsident Eduard Schewardnadse nicht aufgetreten - sondern seine persönliche Beraterin. Und so ist es gut möglich, dass Schewardnadse auf dem 30000 Quadratmeter großen Grundstück in unverbaubarer und "blickdichter" Hügellage seinen Ruhe- und Alterssitz nimmt - zumal Schewardnadse in Georgien politisch äußerst heftig bedrängt ist. Und wen er tatsächlich kommt, sei es nur zu vorübergehenden Aufenthalten, dann hat das auch Sicherheitsaspekte.

Von Patrick Fritsch

Badisches Tagblatt, 19.11.2003

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