Über Reinhold Schneider
Von ihm schreibt Werner Bergengruen (1892-1964),
der seinen Weg zwei Jahrzehnte in Freundschaft und
Bewunderung, in Verehrung und Dank begleitete: "Der
erste Eindruck, der von dem großen, über
zwei Meter messenden Manne ausgeht, ist der einer
strahlenden, strömenden Lauterkeit. Auffallend
und unvergeßbar ist die Kraft seines
Händedrucks, der fast Schmerzempfindungen
hervorruft und zugleich das Gefühl gibt, als
ströme eine Kraft von Reinhold Schneider zu
seinem Partner hinüber."
In seiner Tischrede zum 50. Geburtstag von Reinhold
Schneider sprach der Dichterfreund ihn unmittelbar
an: "Keiner, der aus der Begegnung mit Ihnen nicht
einen neuen Reichtum, eine neue Gewißheit,
einen neuen Lebensvorrat empfangen, keiner, der
nicht die Güte, Zartheit und Noblesse Ihres
Herzens, der nicht dies Element der Lauterkeit,
Selbstlosigkeit, Tapferkeit und aristokratischen
Bescheidenheit als Beglückung erfahren
hätte."
Bei all den Ehrungen, die ihm zuteil wurden, so
meint Bergengruen, wird er den einfachen
Dankesbrief oder den schlichten Händedruck
eines unbekannten Menschen, der stellvertretend
für viele andere stand, als die höchste
Auszeichnung empfunden haben. Obwohl sein Leben
ständig voller Kränklichkeit und
Schmerzen war und das Schreiben ihm meist nur im
Liegen möglich war, redete er auch im
vertraulichsten Gespräch nur selten und
widerwillig von sich selbst. Es war seine Art, sich
restlos von seiner eigenen Person zu distanzieren.
Frei von sich selbst waren seine Sinnesorgane offen
für jeden Eindruck. Alles, was ihn ergriff,
berührte oder auch nur streifte, ging
unverfälscht in seine Schatzkammern ein. In
das ihm Aufgegebene und von ihm Verrichtete schmolz
er sich selbst völlig ein.
Fragt man Bergengruen, worin jener Künstler
und dieser Dichter sich unterscheiden, so antwortet
er: "Ich bin gewiß, daß in jedem
Menschen, auch im niedrigsten, noch etwas von einem
verehrungswürdigen Geheimnis steckt, und je
höher sein Rang, um so zentraler wird dies
Geheimnis sein, das bei vielen in eine kaum mehr
wahrnehmbare peripherische Existenz
hinabgedrückt ist. Das Geheimnis steht bei
Reinhold Schneider im absoluten Mittelpunkt der
Existenz."

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Bergengruen
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