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"Das Städtlein, das geliebte, ist für den
Unkundigen nicht sehr mitteilsam." So schrieb
Reinhold Schneider im Januar 1957 und begann, den
Unkundigen Mitteilung über Baden-Baden zu
machen.
Aktuellen Anlass gab der Abriss seines
Elternhauses, "Maison Messmer", zu Beginn des Jahres 1957.
Reinhold Schneider begleitete diese "Passion des
Hauses" und die "Schande seiner öffentlichen
Sektion oder Verwesung" fast bis zu dessen
vollkommener Zerstörung und hielt seine
Gedanken in den "Aufzeichnungen eines
Müßiggängers" mit dem Titel "Der
Balkon" fest.
Der reale Balkon des "Maison Messmer" befand sich
vor dem Raum, in welchem das preußische
Prinzenpaar, spätere preußische
Königs- und deutsche Kaiserpaar Wilhelm I. und Augusta
vier Jahrzehnte lang während seiner
regelmäßigen jährlichen Besuche
Baden-Badens logierte.
In unvergleichlichem Stil umwebt der Dichter die
nüchternen Phasen des Hausabrisses mit
geschichtlichen, kulturellen und philosophischen
Fragmenten, die nicht nur den hohen Bildungsgrad
des "invaliden Müßiggängers"
erkennen lassen, sondern dem Leser auf kurzweilige
Art Einblicke in die Geschichte des Stadt, der
Region, der Nation und Europas gewähren.
Sorge muss nicht aufkommen, das Buch könne nur
von Belesenen verstanden werden, da in trefflicher
Weise Zusammenhänge und Hintergründe
beleuchtet werden, wodurch durchaus Interesse, sich
beispielsweise eingehender mit der Revolution der Jahre
1848/1849 zu
beschäftigen, geweckt werden kann.
Die vielfältige Anzahl all jener
Persönlichkeiten, die Baden-Baden zum
kurzfristigen oder länger währenden
Aufenthaltsort gewählt haben, wird mit
Ereignissen und Anekdoten veranschaulicht, womit
die Bedeutung der Stadt der Quellen vor allem in der zweiten
Hälfte des 19. Jahrhunderts hervorgehoben
wird.
Es lohnt sich sicher, mit dem Buch "Der Balkon" in
der Hand einen Streifzug durch Baden-Baden und
Umgebung zu machen und alle dort genannten Orte mit
Hilfe der Beschreibungen Reinhold Schneiders
mitteilsam werden zu lassen.
Von Rika Wettstein, Baden-Baden
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