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Markgraf
Ludwig Wilhelm von Baden
(1655-1707)
Am 8. April 1655 wurde Ludwig Wilhelm von Baden in
Paris im Hôtel Soissons geboren. Sein Vater,
Erbprinz Ferdinand Maximilian von Baden, war der
Sohn des den katholischen Teil der Markgrafschaft
Baden regierenden Markgrafen Wilhelm von
Baden-Baden. Seine Mutter, Louise Christine von
Savoyen-Carignan, war eine Cousine des
französischen Königs Ludwig XIV. 1654 war
deren Ehe "per procuratiorem" (in Stellvertretung)
in Paris geschlossen worden, was zur damaligem Zeit
nichts Ungewöhnliches war. Ungewöhnlich
war jedoch, dass Louise Christine von Baden, die
das höfische Leben in Paris nicht missen
wollte, es ablehnte, in das kleine Land Baden
überzusiedeln, weswegen sich Ferdinand
Maximilian nach Paris begab, um seine Gemahlin
heimzuholen.
Trotz der Geburt des Stammhalters weigerte sich
Louise Caroline beharrlich, ihrem Mann zu folgen,
was die Konsequenz mit sich brachte, dass der als
Säugling nach Baden gekommene Ludwig Wilhelm
im Neuen Schloss in
Baden-Baden mutterlos aufwuchs,
allerdings in Gesellschaft seiner Stieftante und
seines Stiefonkels, ungefähr gleichaltrig aus
der zweiten Ehe seines Großvaters
stammend.
Die Erziehung des Erbprinzen sollte
standesgemäß und umfassend sein, legte
Ferdinand Maximilian bereits 1657 recht detailliert
fest. Schwerpunkt war jedoch nicht das Erlernen des
Kriegshandwerks, wofür lediglich eine
dreimonatige Teilnahme an einer militärischen
Übung vorgesehen wurde. Durch seinen Onkel,
Markgraf Leopold Wilhelm, der als Heerführer
bei St. Gotthardt an der Raab 1664 über die
Türken gesiegt hatte, wurde Ludwig Wilhelm
aber schon in frühen Jahren mit
militärischen Fragen konfrontiert. Abgesehen
davon erhofften sich die badischen Markgrafen wegen
ihrer "Türkenhilfe" eine Standeserhöhung
im Reich und spekulierten auf die böhmische
Königskrone oder auf die Verleihung der
Kurwürde, welche ihnen das Recht
einräumte, sich an der Wahl des Königs
des Heiligen Römischen Reiches, die ab dem 16.
Jahrhundert mit der ehedem durch den Papst
verliehenen Kaiserwürde einherging, zu
beteiligen.
1669 starb Ferdinand Maximilian an den Folgen eines
Unfalls während einer Jagd, an welcher auch
sein Sohn teilgenommen hatte. Der mittlerweile
77jährige Großvater beschloss daraufhin,
die Erziehung des Enkels mit einer so genannten
Kavaliersreise, welche dieser mit 15 Jahren
anzutreten hatte, abzuschließen. Als
19jähriger kehrte Ludwig Wilhelm von dieser
Reise, die ihn unter anderem nach Genf, Mailand,
Florenz und Rom führte, zurück.
Mittlerweile hatte Frankreichs Sonnenkönig
Ludwig XIV. seine Expansionskriege begonnen,
weswegen der deutsche Kaiser Leopold I. 1674
Frankreich den Krieg erklärte. An den
Gefechten um die strategisch bedeutsame, am Rhein
gelegene Festung Philippsburg nahm auch Ludwig
Wilhelm als 20jähriger erfolgreich teil, was
ihm die ehrenvolle Aufgabe einbrachte, dem Kaiser
in Wien die Nachricht vom Sieg über die
Franzosen zu überbringen, woraufhin dieser ihm
ein Infanterieregiment zuteilte und zum Obristen
ernannte. Ludwig Wilhelms militärische
Laufbahn hatte begonnen.
1677 starb Markgraf Wilhelm von Baden. Der noch
nicht volljährige Nachfolger erhielt zwar 1678
von Kaiser Leopold I. die Zustimmung, Baden-Baden
zu regieren, war jedoch in seiner Eigenschaft als
kaiserlicher Obrist im militärischen
Dauereinsatz. Vermehrt mussten Vorstöße
der Türken gen Westen ins deutsche Kaiserreich
abgewehrt werden. Ludwig Wilhelm zeichnete sich
während dieser Gefechte besonders durch
strategisches Können aus, was ihm neben
kontinuierlichen Beförderungen 1689 den
Oberbefehl an der Front gegen die Türken
einbrachte. Das ehrgeizige Ziel der
Rangerhöhung zum Kurfürsten war damit
jedoch nicht erfüllt.
Eine andere Chance tat sich allerdings auf, im
Reich einen besseren Status einzunehmen. Nach dem
Tod des Herzogs von Sachsen-Lauenburg bot sich die
viel versprechende Möglichkeit, eine seiner
beiden Töchter zur Frau zu nehmen und damit
den Herzogstitel zu erlangen. Da des Herzog von
Sachsen-Lauenburgs Land aber von Herzog Georg
Wilhelm von Lüneburg-Celle militärisch
besetzt worden war, stand es nicht zur Disposition.
Leopold I. gab es zwar nicht als Lehen an den
Lüneburger Herzog, forderte diesen jedoch auch
nicht auf, das besetzte Land an das Reich
zurückzugeben. Ohne zusätzliches Land
keine zusätzliche Würde, so "simpel"
waren die Verhältnisse. Sein Streben nach
einer Rangerhöhung gipfelte für Ludwig
Wilhelm 1697 zum dritten Mal in einer Kandidatur um
die böhmische Königswürde, der kein
Erfolg beschieden war.
Ludwig Wilhelm hatte Franziska
Sybilla Augusta von
Sachsen-Lauenburg geehelicht. Er
diente weiterhin treu seinem Kaiser und konnte 1691
in der Schlacht von Slankamen einen triumphalen
Erfolg über die Türken erzielen.
1693 wurde ihm der Oberbefehl im Westen des
Deutschen Reiches übertragen, da die Truppen
des französischen Königs Ludwig XIV.
mehrfach das Land besetzten und verwüsteten.
Damit einher ging die allmählich Rückkehr
des Markgrafen in sein Heimatland. Trotz seiner
vieljährigen Abwesenheit während seiner
fast 30jährigen Regierungszeit hat Ludwig
Wilhelm immer leitenden Einfluss auf die
Regierungsgeschäfte genommen und dafür
Sorge getragen, dass die Tätigkeit der
obersten Staatsbehörde, des Geheimen Rats, des
Hofrats, der unter anderem für die
Gerichtsbarkeit zuständig war, und der
Hofkammer, der die Finanzen oblagen, nach seinen
Anordnungen erfolgte.

Zu Beginn des 18. Jahrhunderts zeichnete sich seine
endgültige Rückkehr nach Baden ab, als er
in Rastatt ein prächtiges Barockschloss nach dem
Vorbild des Versailler Schlosses errichten
ließ. Im Herbst 1705 bezog er mit seiner
Familie Räumlichkeiten in dem bei weitem noch
nicht fertig gestellten Schloss.
In der Schlacht bei Höchstädt, nahe
Augsburg, hatte sich Ludwig Wilhelm 1704 eine
schwere Verletzung zugezogen, die ihn in den
Folgejahren gesundheitlich stark
beeinträchtigte, weswegen er am 31. Oktober
1706 sein Gesuch stellte, ihn aus dem Amt des
obersten Feldmarschalls des Reiches zu
entlassen.
Am 4. Januar 1707 starb Ludwig Wilhelm in Rastatt.
Sein Körper wurde in der Baden-Badener
Stiftskirche zur letzten Ruhe gebettet. Sein Herz
wurde im Kloster Lichtenthal beigesetzt.
Während der pompösen
Trauerfeierlichkeiten wurde eine Dankessäule
im Namen des Reiches aufgestellt. Ihre Inschrift
lautet:
"Dem großen Heerführer und des Reiches
Sicherheitsschützer, als dem es sehr viel
schuldig, hat diesen in Trauern dargesetzt das
römische Reich."
Von Rika Wettstein, Baden-Baden
Weitere
Infos:
www.tuerkenbeute.de
350.
Geburtstag Ludwig Wilhelms
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