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Russische Kirche Baden-Baden

Die Baugeschichte der russischen Kirche in Baden-Baden
Die russische orthodoxe Kirche zur "Verklärung des Herrn"
von Dr. Georg Seide, Ottobrunn

Auch in Baden-Baden führten die ständig steigenden Besucherzahlen zu dem Wunsch nach einer eigenen Kirche. Zu dieser Zeit gab es in der Stuttgarter Residenz (seit 1854) und in Wiesbaden (seit 1855) bereits russische Kirchen. Die Initiative zum Bau einer Kirche in Baden-Baden ergriffen der russische Gesandte in Karlsruhe, Fürst Nikolaj Stolypin, und die ständig in Baden-Baden lebende Fürstin Jelena Trubeckaja. Sie begannen Anfang der 50er Jahre mit Geldsammlungen unter den Kurgästen. Schließlich wurde im Jahre 1859 in einem angemieteten Privathaus, dem "Maison de la poste aux lettres" in der Lichtenthaler Straße eine kleine Hauskirche geweiht. Die Ikonostase stammte aus der russischen Gesandtschaftskirche zu Ehren des "Hl. Alexander Newskij" in Stuttgart, die im Jahre 1854 geschlossen worden war. Seitdem wurde diese Ikonostase in verschiedenen Kurorten in den Sommermonaten für provisorische Kirchen genutzt. Die Kirche blieb bis 1866 in diesem Haus, dann wurde sie in die Schillerstr. 5 verlegt, wo sie noch bis 1882 weiterbestand. Obgleich die Gottesdienste fast ausschließlich in den Sommermonaten zelebriert wurden, entwickelte sich doch ein recht aktives kirchliches Leben. In den 70er Jahren wurden im Durchschnitt pro Jahr 50 bis 60 Liturgien von Geistlichen der Karlsruher Hofkirche und dem Geistlichen in Wiesbaden, Erzpriester Johann Bazarov, in Baden-Baden zelebriert.

Nach Schließung der Kirche in der Schillerstraße wurde die lkonostase dieser Kirche der neuerbauten russischen Kirche in Nizza geschenkt. Die ldee zum Bau einer eigenen russischen Kirche griff im Jahre 1880 Großherzogin Maria Maximilianowna, geb. Fürstin Romanowskij-Leuchtenberg, wieder auf. Fürstin Maria Maximilanowna, eine Enkelin des Zaren Nikolaus l. (1825-1855) hatte im Jahre 1863 den badischen Prinzen Wilhelm (1829-1897) geheiratet. In der Folge wurde im Jahre 1865 in der Karlsruher Patronatsikone "Verklärung des Herrn" Residenz eine orthodoxe Kirche zu Ehren des Festes der "Kreuzerhöhung" errichtet. Wie damals üblich wurden neben dem Kircheninventar aus Rußland auch ein Priester, ein Psalmist und zwei Sänger an die Kirche entsandt.

Kurz nach ihrer Heirat besuchte das Prinzenpaar Baden-Baden und die russische Kirche. Vermutlich war es dieser Besuch, der die örtliche Kur und Stadtverwaltung motivierte, sich für den Bau einer russischen Kirche einzusetzen, wobei man natürlich - wie in anderen Kurorten auch - vor allem an die zahlungskräftigen russischen Kurgäste dachte. In allen Hotels der Stadt wurden Spendenlisten zum Bau der Kirche ausgelegt, die Stadtverwaltung unterstützte die Baupläne durch die Schenkung des Grundstücks in der Lichtenthalerstr 74. Laut Schenkungsvertrag blieb die Stadt Eigentümerin des Grundstücks samt Kirche. Sie verpflichtete sich aber im Gegenzug zum Erhalt der Kirche, falls "alle Russen einmal aus der Stadt wegziehen würden und keine Gottesdienste mehr in der Kirche gefeiert würden". Später, im Jahre 1893, wurden dann Grundstück und Kirche auf den Namen der Prinzessin "Wilhelm" (Maria Maximilianowna) von Baden umgeschrieben, die den Besitz im Jahre 1905 dem russischen Staat vermachte.

Die Baupläne stammten von dem Architekten Iwan Strom, Professor an der St. Petersburger Akademie der Künste. Die Bauausführung übernahm der Badener Bauunternehmer und Architekt Belzer. Die feierliche Grundsteinlegung erfolgte am 12. August 1881, kurz nach dem eigentlichen Feiertag "Verklärung des Herrn". An der Grundsteinlegung nahmen mehrere Familienangehörige des russischen Zarenhauses teil: Großfürstin Olga Feodorowna, eine Schwester des Prinzen Wilhelm. Sie war seit 1857 mit dem Großfürsten Michail Nikolajewitsch, einem Bruder des Zaren Alexanders II. verheiratet. Weiterhin waren anwesend: die Großfürsten Georg und Alexander Michailowitsch und I.K.H. die Großherzöge von Mecklenburg-Schwerin (die Großherzogin war eine geborene Romanow, Großfürstin Anastasija Michailowna) und der Geistliche der Karlsruher Residenzkirche, Erzpriester Alexander Izmailow, Vertreter der Stadt und zahlreiche russische Kurgäste. Natürlich fand dieses Ereignis auch in der Badener Presse große Beachtung, die ausführlich über die Grundsteinlegung berichteten. Bereits im Frühjahr 1882 war der Rohbau fertiggestellt. Der zufällig in Baden-Baden weilende frühere Vizepräsident der St. Petersburger Akademie der Künste, Fürst Grigorij Gagarin, bot der Gemeinde an, die Kirche kostenlos auszumalen. Für die Stuckarbeiten wurde ein örtlicher Unternehmer verpflichtet. Dank dieser Hilfe war die Kirche im Oktober 1882 fertiggestellt und konnte am 16./28. Oktober (dem Gedenktag des Märtyrers Longinos, d. Hauptmanns, der am Kreuz des Herrn stand) geweiht werden. Die Weihe wurde von Erzpriester Alexander Izmailow und den Stuttgarter Geistlichen, Priester Sergij Ljubimow und Diakon Georgij Morosow vollzogen. An der Feier nahm auch der Psalmist Grigorij Ostroumow teil, der später Geistlicher in Cannes war. Er starb im Jahre 1947 als Erzbischof Grigorij, Vikarbischof der westeuropäischen Diözese der Auslandskirche und wurde in Cannes beigesetzt. An der Weihe nahmen ferner teil: Prinz Wilhelm und Prinzessin Wilhelm von Baden, Großfürst Nikolaj Nikolajewitsch v. Rußland, die Gräfin v. Brandenburg und der Graf v. Fürstenstein als Vertreter der deutschen Kaiserhauses, der russische Gesandte in Madrid (!) Fürst Gortschakoff, Geistliche der anglikanischen und der altkatholischen Gemeinden in Baden-Baden, sowie "hervorragende Mitglieder der russischen Kolonie, sowie Personen von Distinktion aus den Badener Gesellschaftskreisen" (Badener Wochenblatt v. 28.10.1882).

Die Baden-Badener Kirche ist im schlichten nordrussischen Stil erbaut. Unverkennbar der byzantinische Grundriß, ein griechisches Kreuz. Dem Besucher fällt sofort die Ikonostase auf, die den Gemeinderaum vom Altarraum abtrennt und den Blick auf den Altar nur während der Feier der Gottesdienste freigibt. Der Zutritt zum Altarraum ist nur den Geistlichen und den Altardienern gestattet. Ebenfalls fällt das Fehlen von Stühlen im Kirchenraum auf, denn die Tradition der orthodoxen Kirche kennt keine Stühle oder Bänke in der Kirche. Der Gläubige "erwartet stehend die Ankunft Christi, nicht sitzend".

Die schlichte Außenfassade weist nur im Dachbereich eine leichte Strukturierung auf, alles strebt nach oben zur vergoldeten Zwiebelkuppel mit dem russischen dreibalkigem Kreuz. Unter dem Altarraum befindet sich noch eine Gruft mit den Sarkophagen der Prinzessin Wilhelm (Maria Maximilianowna, gest. 1914) und der Fürstin Tatjana Gagarina (gest. 1920), die über viele Jahre als Schirmherrin die Kirche und Gemeinde gefördert hatten. Die Gruft kann durch eine Tür auf der Rückseite der Kirche betreten werden. Der Boden und die Seitenwände sind mit weißem Marmor ausgestattet, das Deckengewölbe zum Teil mit goldenen und blauen Mosaiken im byzantinischen Stil reich verziert.

Nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurde die Kirche geschlossen. Das vergoldete Kupferblech des Zwiebelturms wurde als Feindvermögen beschlagnahmt und eingeschmolzen. Nur notdürftig wurde die Kuppel mit Eisenblech eingedeckt und blau angestrichen. Diese "blaue Kuppel" blieb bis zum Jahre 1988 erhalten, da die kleine Gemeinde nicht das Geld aufbringen konnte, um notwendige Renovierungsarbeiten durchzuführen. Erst Mitte der 80er Jahre konnten dann umfangreiche Renovierungs- und Restaurierungsarbeiten in Angriff genommen werden. Bis zur 1000-Jahrfeier der Christianisierung Rußlands im Jahre 1988 wurde das Äußere der Kirche in seinen ursprünglichen Zustand wieder hergestellt: die Fassade aus Sandstein wurde gründlich gereinigt, das Dach wurde repariert und schließlich auch die Zwiebelkuppel mit vergoldetem Kupferblech wiederhergestellt.

Die Renovierungsarbeiten erstreckten sich über fast 10 Jahre und waren nur mit finanzieller Unterstützung deutscher Stellen möglich. Nach der Restaurierung der Außenmauern und des Daches begannen die Innenarbeiten und die Beseitigung der durch Feuchtigkeit entstandenen Schäden an den Malereien und Wänden. Diese Reparaturkosten wurden zum größten Teil von den Landesbehörden und der Stadt aufgebracht, doch trug auch die Diözese mit größeren Summen zur Restaurierung bei, die aus den Einnahmen der Kirchenbesichtigung stammten. Inzwischen sind auch das Innere der Kirche, die Wandmalereien und die Ikonen gereinigt und restauriert worden. Auch die Gruft unter dem Altarraum und der heute als Gemeinderaum genutzte Saal unter dem Kirchenraum wurden saniert.

Ungeklärt blieb zunächst die Eigentumsfrage. Im Jahre 1904 wurden das Grundstück samt der Kirche zunächst der russischen Gesandtschaft in Karlsruhe zugeschrieben und damit dem russischen Außenministerium als "Gesandtschaftskirche" unterstellt. 1905 wurde dann als Eigentümer der Kaiserlich russische Staat im Grundbuch eingetragen. Nach dem Ersten Weltkrieg befand sich die Kirche dann bis zum Jahre 1936 unter Zwangsverwaltung. Nachdem im Jahre 1935 die Sowjetunion in einer Verbalnote an die Deutsche Botschaft in Moskau auf den Kirchenbesitz in Baden-Baden verzichtet hatte, wurden die Kirche und ein unbebautes Grundstück auf dem Ermächtigungswege im Jahre 1938 (Gesetz über den Grundbesitz) auf die "Diözese des Orthodoxen Bischofs von Berlin und Deutschland" übertragen. Die deutsche Diözese ist Teil der Russischen Orthodoxen Kirche im Ausland, die seit dem Jahre 1920 russische Emigranten in der weltweiten Diaspora betreut.

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