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Baden-Baden
Aktuell

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Weihnachten 1999:
Orkan Lothar
verursachte Straßenschäden
von 5 Mio. DM

Schadensbeseitigung dauert örtlich noch das ganze Jahr.

Die Schäden, die der Orkan Lothar binnen weniger Stunden durch die umgestürzten Bäume im Schwarzwald an den Straßen im Regierungsbezirk angerichtet hat, belaufen sich an.

Bundesstraßen auf ca.

1,2 Mio DM

Landesstraßen auf ca.

2,0 Mio DM

Kreisstraßen auf ca.

1,8 Mio DM

Gesamtschaden ca.

5,0 Mio DM



Die Schäden betreffen im wesentlichen zerstörte Schutzplanken (ca. 1,7 Mio. DM) sowie zerstörte Bankette und Entwässerungseinrichtungen (ca. 2 Mio. DM). Es muss aber davon ausgegangen werden, dass sich diese Beträge noch erhöhen, wenn das Bruchholz über die Straßenböschungen abgeräumt und dabei der Aufwuchs zerstört wird. "Da die Längs- und Querentwässerungen der Straßen in diesen Bereichen weitgehend zerstört sind, werden Niederschläge zu Erosionen und somit zu weiteren Folgeschäden z.B. zu Unterspülung der Straßen führen, wenn nicht umgehend Gegenmaßnahmen ergriffen werden", stellte Regierungspräsidentin Gerlinde Hämmerle fest.

Im Regierungsbezirk Karlsruhe wurde der Bereich südlich einer Linie Bruchsal - Bretten - Mühlacker am stärksten von dem Orkan betroffen. In den ersten Tagen waren verschiedene Straßen - insbesondere im Schwarzwald - z.T. über mehrere Tage hinweg gesperrt. Regierungspräsidentin Hämmerle dankte den Bediensteten von Feuerwehr, THW, Forst- und Straßenbauverwaltung für ihren tatkräftigen Einsatz in den vergangenen Monaten.

Die Regierungspräsidentin wies zudem darauf hin, dass zwischenzeitlich zwar alle Straßen für den Verkehr wieder frei gegeben werden konnten, die seitlich der Straßen im Bankettbereich liegenden Baumstümpfe und Äste stellten aber eine erhebliche Gefahr für die Verkehrsteilnehmer dar, insbesondere dort, wo die Schutzplanken zerstört seien. Zwar seien diese Gefahrenstellen notdürftig abgesichert, nach Aussage des Forstes könne mit den Aufräumarbeiten aber erst begonnen werden, wenn das noch verwertbare Stammholz in den Bruchzonen geborgen sei.


Dieses könne aber noch Monate dauern. Hämmerle:"Ich appelliere daher an alle Autofahrer, in den vom Orkan betroffenen Straßenabschnitten besonders vorsichtig zu fahren. Dieses gilt insbesondere dann, wenn in nächster Zeit örtlich noch mit Straßenglätte zu rechnen ist".

Pressemitteilung des Regierungspräsidiums
Baden-Württemberg




Orkan Lothar wirbelt Holzwirtschaft durcheinander

Bis zu fünf Milliarden DM soll der langfristige Schaden sein, den uns Orkan Lothar in den Wald geschlagen hat. Allein in Baden-Württemberg. Das Dreifache der üblichen Jahresmenge an Holz drängt auf den Markt. Um mehr als ein Drittel sind die Preise schon gefallen. Das freut die Sägewerksbetreiber im Südwesten. Aber die geben die Preise nicht an die Kunden, etwa die Möbelindustrie, weiter. Zu sehr hatte ihnen in den letzten Jahren die ausländische Konkurrenz, die viel billiger anbieten konnte, zugesetzt. Jedes dritte Sägewerk ging in Konkurs. Der Holzmarkt, er hat seine eigenen Gesetze. Die öffentliche Hand mischt mit, auch bei der Preisgestaltung und das macht nicht allen Beteiligten Freude.

Vier Wochen sind seit dem Orkan Lothar vergangen und noch immer könnten sie den ganzen Schaden nicht abschätzen, erzählt uns Josef Harter, Waldbauer im Kinzigtal.


Nachbarschaftshilfe

Wir sind im Schwarzwald in der Nähe von Hausach. Gemeinsam mit anderen Waldbauern hat Harter eine kleine Nachbarschaftshilfe organisiert. Jeder hilft jetzt jedem.
Eigentlich ist Harter Elektriker, von seinem Arbeitgeber hat er sich beurlauben lassen. Wie lange, das weiß er noch nicht.
Und so arbeiten sie bei Wind und Wetter, von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang, versuchen zu retten, was zu retten ist.

Josef Harter, Waldbauer:
"Wir stehen hier alleine da. Im Moment ist niemand da, der uns vom Land oder von der Gemeinde hilft. Vielleicht wird es noch besser, aber im Moment sieht es so aus, dass wir hier alleine in dem Chaos stehen und uns ganz mühsam vorarbeiten müssen."


Kein Geschäft mit Sturmholz

Es dauert Jahrzehnte, bis hier wieder ein Wald steht. Jahrzehnte, in denen mit dem Holz kein Geschäft zu machen ist. Das Sturmholz selbst ist häufig geborsten, von minderer Qualität. Eine Katastrophe für die Waldbesitzer, dazu kommt: Wenn sie das viele Sturmholz zu schnell verkaufen, dann fallen die Preise - Lagerplätze aber sind sehr teuer.

Hubert Schmid, Waldbauer:
"Die Sägewerke werden niedrige Preise erzielen wollen. Und das ist unser Problem momentan. Der Holzpreis, was in den nächsten zwei Jahren kommt."


Volle Lager

Ihr Holz liefern sie ins Sägewerk "Streit" nach Hausach. Dort quellen die Lager bereits über. Bis zu 300.000 Festmeter Holz können hier pro Jahr verarbeitet werden.
Doch allein in Baden-Württemberg hat der Orkan Lothar 20 Millionen Festmeter umgedrückt, den dreifachen Jahreseinschlag. Dazu kommen noch Unmengen an Sturmholz aus dem benachbarten Frankreich. Das Überangebot drückt auf den Preis. Damit der nicht ins Bodenlose stürzt, bemühen sich Land und Sägewerksindustrie um eine gemeinsame Strategie.

Meinrad Joos, Landwirtschaftsministerium Baden-Württemberg:
"Wir haben Einigkeit in der Strategie der Aufarbeitung. das heißt, wir wollen unser Nadelstammholz, um das es in erster Linie geht, in etwa eineinviertel Jahren aufarbeiten. Ziel Richtung März 2001. Und wir sind jetzt in eine erste Vermarktungsaktivität eingestiegen, indem wir unsere bisherigen Preise um bis zu 20 Prozent real zurückgenommen haben."

Klingt wunderbar, doch ganz so friedlich geht es in der Holzbranche nicht zu. Klaus Henne, Chef des Sägewerks in Hausach ist sauer. Sauer auf die Forstbehörden, die ihre starke Stellung jahrelang ausgenutzt hätten und jetzt gerade mal 20 Prozent Preisnachlass bieten. Rund zwei Drittel des hiesigen Holzes stammt aus Staats- bzw. Kommunalwäldern. Laut Henne besitzt das Land damit ein Preismonopol, dass es auch nach Lothar möglichst halten möchte. Die privaten Waldbauern schliessen sich den von den Behörden festgelegten Preisen an. Mit Angebot und Nachfrage hätten die hiesigen Holzpreise nicht gerade viel zu tun.

Klaus Henne, Sägewerk "Streit" Hausach:
"Die Leute haben in den letzten drei Jahren versucht, angesichts leerer Kassen in den Städtehaushalten bzw. im Landeshaushalt hier über die Vermarktung des Waldes diese Löcher in den öffentlichen Kassen zu füllen. Die Leidtragenden waren die Sägewerke, die einfach über überhöhte Rundholzpreise, die nicht am Schnittholzmarkt weiterzugeben waren, sehr gelitten haben. Es hat sehr viele Betriebsschließungen gegeben und insofern wurde systematisch eine ganze Branche fast kaputtgemacht."

Klaus Henne liefert seine Ware heute zu rund 80 Prozent ins Ausland. Der Inlandsmarkt wurde immer schwieriger. Mit ein Grund dafür sind die gewaltigen Kapazitäten, welche die Sägeindustrie in den vergangenen Jahren aufgebaut hat.

Die Orkane Wiebke und Vivien waren ein Grund, der andere sind Fördermittel in Millionenhöhe. Subventionen, die hauptsächlich in die neuen Bundesländer flossen. Dort entstanden Sägewerke, die aus halb Europa ihr Holz beziehen, auch aus dem baden-württembergischen Staatsforst. Marktwirtschaftlich mag man dies begründen können, besonders ökologisch ist das alles aber nicht.

Klaus Henne, Sägewerk "Streit" Hausach:
"Somit hat der Staat selber diesen Wettbewerb angezettelt um einen nachwachsenden Rohstoff. Er hat es in Kauf genommen, dass die Preise explodiert sind. Wir reden von Preiserhöhungen bis zu 35 Prozent in den letzten zweieinhalb Jahren. Das ist auch zurückzuführen auf die Unvernunft einer ungesunden Subventionspolitik die im Grunde genommen die Politik zu verantworten hat."

Vom Land wird diese Subventionspraxis nicht bestritten. Man bedaure es selbst, heißt es dort. Ein kleiner Trost für Sägewerksbesitzer wie Klaus Henne, immerhin wird er Dank Lothar in den nächsten Jahren wieder schwarze Zahlen schreiben können, dann geht das Spiel von vorne los. Die eigentlichen Verlierer aber sind die Waldbauern, die in den nächsten Jahren weit weniger Geld für ihr Holz bekommen. Und der Wald selbst mit seiner Tier- und Pflanzenwelt.
Ein Stück Natur, das vielerorts zur Holzfabrik verkommen ist. Ein Kunstprodukt, in dem auch der nächste Orkan wieder leichtes Spiel haben wird.


© SWR Baden-Baden
Autor des Filmbeitrages: Hanspeter Michel

Dieser Text gibt den Inhalt des Fernseh-Beitrages von SALDO vom 24. Januar 2000 wieder, ergänzt durch Zusatzinformationen der Redaktion. Eventuelle spätere Veränderungen des Sachverhaltes sind nicht berücksichtigt.




Am 21. Dezember 2004 meldeten die Badischen Neuesten Nachrichten: "Die Wunden im Wald sind weitgehend verheilt." Zitiert wird unter anderem das Baden-württembergische Landwirtschaftsministerium. Demzufolge seien von den rund 40000 Hektar Kahlfläche im Land 13000 Hektar wieder aufgeforstet. 40 Millionen Bäumchen wurden gepflanzt. Der Rest wird der natürlichen Entwicklung überlassen.

Zur Erhöhung der Widerstandsfähigkeit wurden in öffentlichen Wäldern vermehrt Laubbäume angepflanzt, denn ungefähr 80 Prozent des Gesamtsturmholzes sind Nadelhölzer gewesen.

Das Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft (Buwal) betrachtet den Orkan laut BNN aus ökologischer Sicht nicht als Katastrophe für den deutschen Wald.




 


 

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