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Baden-Baden
Kleingolfplatz

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Es gehört mittlerweile fast schon zum üblichen Arbeitsstil der Stadtspitze, dass ein Problem, das sachlich angegangen und gelöst werden könnte, zu einer "Endlos-Geschichte" ausartet. Lesen Sie die Chronologie der Ereignisse:

Im Frühjahr 1928 war in der Lichtentaler Allee eine absolute Neuheit in Deutschland in Betrieb genommen worden, der so genannte "putting place", ein 18-Löcher-Golfplatz im Kleinformat. Baden-Badener Fremdenverkehrsexperten hatten diese kleinen Sportplätze auf Reisen in den USA entdeckt. Die Begeisterung, mit welcher dieses Sportangebot in Nordamerika genutzt wurde, ließ die Idee, derartiges auch Baden-Badener Gästen und Einheimischen zu bieten, Realität werden. Die später Kleingolfplatz genannte Anlage erfreute sich über Jahrzehnte regen Zuspruchs.

Aus für Anlage
mit Seltenheitswert


Die Stadt ist um eine bundesweit einmalige Freizeit-Einrichtung ärmer. Die Kleingolfanlage in der Lichtentaler Allee wird entgegen den bisherigen Plänen nicht wieder hergestellt, wenn das Regenüberlaufbecken fertig ist. OB Sigrun Lang persönlich hat das Projekt gekippt. Begründung: die Finanznöte der Stadt.

Die Kleingolfanlage ist Ende vergangenen Jahres einer Großbaustelle gewichen. In der Allee, bei der Bertholdstraße, entsteht ein 2,3 Millionen Euro teures, unterirdisches Regenüberlaufbecken, zu dessen Bau die Stadt aufgrund gesetzlicher Vorgaben gezwungen ist. Noch im Februar hatte Bürgermeister Jörg Zwosta in einem Pressegespräch erklärt: "Wir liegen voll im Kosten- und Zeitplan."

Zumindest für den Zeitplan trifft das nach wie vor zu. Im September, drei Monate früher als ursprünglich vorgesehen, seien die Arbeiten erledigt, so Zwosta gestern auf Anfrage. Schon in der kommenden Woche sei die Bertholdstraße wieder in beiden Richtungen ohne Ampelregelung befahrbar.

Der Kostenplan allerdings ist offenbar durcheinander geraten. Trotz vorangegangener Probebohrungen hätten die Grabarbeiten für das rund zehn Meter tiefe Becken felsigen Grund erreicht, so Zwosta, Mehrkosten seien die Folge. Die OB handelte per Eilentscheidung, die sie dem Gemeinderat gestern Abend verkündete: Die Kleingolfanlage auf dem Gelände des unterirdischen Bauwerks wird nicht wieder hergestellt. Mit der eingesparten Investition von rund 40.000 Euro und wegfallenden jährlichen Unterhaltskosten von 15.000 Euro könnten die Mehrkosten gedeckt werden, so der Bürgermeister. Entstehen soll stattdessen eine Rasenfläche, „die dem Charakter der Allee entspricht“.

Die Entscheidung sei der Verwaltungsspitze „nicht leicht gefallen“, so Zwosta, allerdings sei das Interesse an der Anlage heutzutage auch nicht mehr allzu groß. Das zeige sich darin, dass die Unterhaltskosten nicht durch Eintrittsgelder gedeckt werden könnten. Mit derlei Fragen hat sich im Vorfeld der OB-Entscheidung offenbar auch die nicht öffentlich tagende Haushaltsstrukturkommission beschäftigt.

Für manchen Gast der Stadt hatte der Parcours nach wie vor etwas Besonderes. Die Lage in der Allee gab ihm ein einzigartiges Flair. Der Platz mit seinen 18 Bahnen sucht seinesgleichen – nirgendwo sonst in Deutschland kann Kleingolf auf Rasen gespielt werden.

Bürgermeister Zwosta will die Anlage denn auch nicht unbedingt auf Nimmerwiedersehen verschwinden lassen. Falls sich irgendwann doch ein „größeres Bedürfnis“ abzeichne, könne darüber nachgedacht werden, den Platz wieder herzurichten. Eine Voraussetzung indes sei unabdingbar: "Die Haushaltslage muss es zulassen."

BT (Albert Noll), 24.7.2002





Regenüberlaufbecken betriebsbereit

Oberflächenplanung schließt
auch eine "Minigolfanlage" ein


Millioneninvestitionen erhöhen mittelfristig Abwassergebühren

Es sind nicht immer die sichtbaren Gebäude, die in Baden-Baden städtische Millionen verschlingen. In zwei Wochen wird ein unterirdisches Bauwerk in Betrieb genommen, für das die Kommune runde 2,1 Millionen Euro auf die Tische von Ingenieurbüros und Baufirmen blättern musste: Das Regenrückhaltebecken in der Lichtentaler Allee ist fertig, sogar früher, als ursprünglich geplant. Mittlerweile plant das städtische Gartenamt schon die Bepflanzung der jetzt noch kahlen Oberfläche. Darin einbezogen ist die Möglichkeit, eine neue Minigolfanlage zu installieren.

Das Regenrückhaltebecken, drei weitere sind in Planung, soll überschüssige Wassermengen bei starken Regenfällen aufnehmen und deren plötzlichen Zufluss in die Oos - in der Fachsprache. "Vorfluter" genannt, zumindest puffern. Das jetzt fertig gestellte Becken kann 800 Kubikmeter aufnehmen.

Das generelle Problem ist die Überlastung der Mischwasser-Hauptsammler, in diesem Fall desjenigen der Kernstadt. Dadurch "springen" die Regenüberläufe zu früh an und verschmutzen den Oosbach. In den Überlaufbecken wird das zu Beginn eines Regens stark verschmutzte Wasser gesammelt und später der Kanalisation wieder zugeführt. Dauert der Regen länger, wird das dem "Vorfluter" Oos zugeleitete Wasser so stark verdünnt, dass der Bach nicht verschmutzt wird. Bisher sind bereits fünf dieser Regenrückhaltebecken gebaut worden, erläuterte Bürgermeister Jörg Zwosta auf dem Gelände an der Lichtentaler Allee. Bis zum Jahr 2012 werden es drei weitere sein; als nächstes ist ein Becken in der Schwarzwaldstraße in Höhe der ehemaligen Kaserne in Planung. Dabei handelt die Kommune nicht nur aus eigenem Antrieb, wie Zwosta erklärte: Auflagen des Karlsruher Regierungspräsidiums spielen ebenfalls eine entscheidende Rolle.

Angesichts zweistelliger Millionenbeträge muss die Baden-Badener Bevölkerung mittelfristig mit höheren Abwassergebühren rechnen, sagte der Bürgermeister. Das unterirdische Bauwerk in der Lichtentaler Allee wurde im Oktober vergangenen Jahres begonnen und sollte erst im Dezember 2002 fertig werden. Dabei ging die Buddelei nicht ohne Schwierigkeiten ab. Die Bauarbeiter stießen beispielsweise auf Fels, dessen Beseitigung mit Mehrkosten von 130.000 Euro zu Buche schlug.

Die Bepflanzung der Baustelle ist bereits in die Wege geleitet und soll sich an den Umgebungsbewuchs anlehnen. 17 Bäume sollen dort eingesetzt werden und über 100 Sträucher.
Die Standorte der Gehölze sind so gewählt, dass auch eine Minigolfanlage dort Platz hätte - vorausgesetzt, so Zwosta, es findet sich ein Betreiber. Denn die Stadt will die beliebte Anlage aus Kostengründen nicht wieder aufleben lassen.

BNN 23.10.2002





Zumutung

Es grünt so grün - durch des Gärtners Müh'n. Ja, so möchte man fast reimend frohlocken, wenn, ja wenn der Akt der Edel-Begrünung nicht eine Frechheit wäre. Erinnern wir uns: Die Wiederherstellung der bundesweit einmaligen Rasen-Kleingolf-Anlage wurde durch die OB per Eilentscheidung gekippt, um das teurer gewordene unterirdische Regenbecken finanziell ein wenig abzufedern. 40000 Euro - ja, das ist kein Pappenstiel in diesen Zeiten der brutalstmöglichen Sparkommissare. Und deshalb konnte das OB-Dekret akzeptiert werden. Ha, und siehe da: Urplötzlich schaufelt die Verwaltung 50 000 Euro frei - für massig Pflanzen und Bäume. Nochmal zur Erinnerung: Es war von Rasen die Rede! Und hat die Verwaltung den Gemeinderat oder wenigstens einen Ausschuss über die De-Luxe-Aktion informiert? Natürlich mitnichten. So entmachtet man eine Bürgervertretung.

Tja: Zuschüsse an gesellschaftlich existenziell wichtige Vereine werden gekürzt; um jeden Euro für das Bertholdbad wird gerungen; als von Familien zu akzeptierendes "Opfer" wird das Hardbergbad mitten in den Ferien geschlossen; Renovierungen und Sanierungen in Schulen bleiben aus; vom Anschaffungsstau selbst bei Kleinzeug in den Häusern der Lehre ganz zu schweigen; und die Giftliste der Verwaltung steht kurz bevor. Aber 50000 Euro für Grünzeug - schwupps, kein Problem. Mit Verlaub: Mit Bürgerorientierung hat das nichts, aber auch gar nichts zu tun. Das ist schlicht eine Zumutung.

Patrick Fritsch, BT 19. 3. 2003





"Verdrehung der Tatsachen"

Reaktion am 20. 3. 2003 von OB Sigrun Lang auf den BT-Artikel von Patrick Fritsch: "Aus diesem Sachverhalt der Verwaltung den Vorwurf zu machen, wir hätten Geld 'freigeschaufelt', ist eine völlige Verdrehung der Tatsachen".


Lesen Sie dazu einen Artikel im BT-Leserforum von Rika Wettstein im BT vom 21. 3. 2003:




Lesen Sie dazu auch:
Was wäre Baden-Baden
ohne ordentliche Berichterstattung?






Perspektiven?

In einer Sitzung des Gemeinderats am 5. Mai 2003 wurde über "Perspektiven" für die Stadtentwicklung Baden-Baden" diskutiert. Der ursprüngliche Titel des 47 Seiten umfassenden, von der Raumaufteilung her großzügigst gestalteten Papiers lautete:
"
Leitbild und Perspektiven für die Stadtentwicklung Baden-Baden einschließlich der Fortschreibung des Stadt- und Kurortentwicklungsplans".

Seit der Sitzung vom 5. Mai 2003 heißt das Papier nur noch "Perspektiven für die Stadtentwicklung Baden-Baden einschließlich der Fortschreibung des Stadt- und Kurortentwicklungsplans". Einen ausführlichen Bericht hierzu lesen Sie Sie hier:



Die Kosten, die für diesen 47-seitigen Wegweiser in die Zukunft angefallen sind, belaufen sich laut Oberbürgermeisterin "lediglich (!) auf 40000 Euro." Damit hätte ausgesprochen bequem der beliebte Kleingolfplatz wieder eingerichtet werden können.





Post von uns

Am 7. Mai 2003 schickten wir an unseren neuen Ersten Bürgermeister ein E-Mail zu dieser Thematik.

E-Mail lesen

Am 26. Mai 2003 erhielten wir vom Ersten Bürgermeister nach einmaligem Nachfragen, ob das Mail ihn überhaupt erreicht habe, und einem darauf folgenden Zwischenbescheid seines Sekretariats eine Antwort.



Auch das Badische Tagblatt hat am 28. Mai 2003 über unsere Initiative berichtet.







Im Februar 2007 votierten wir ein weiteres Mal
pro Kleingolfplatz.

Es sollten noch Monate ins Land gehen, bis eine Wiedereinrichtung des Kleingolfplatzes überdacht wurde. Nach dem Willen Oberbürgermeisters Wolfgang Gerstner, seit Juni 2006 im Amt, soll der Kleingolfplatz an alter Stelle in der
Lichtentaler Allee wieder in Betrieb genommen werden. Für Herbst 2007 steht die Erarbeitung eines Konzepts an.

Widerstand regt sich beim Freundeskreis Lichtentaler Allee, wie die Lokalpresse am 27. August 2007 berichtete. Der Freundeskreis empfiehlt die Suche nach einem alternativen Standort. Es sei wichtig, lies der Freundeskreis in einer Pressemitteilung wissen, "den naturbezogenen Erholungswert der Allee für die Bürger und Gäste Baden-Badens zu bewahren". (BNN und BT, 27.08.2007) Zudem wurde mit den hohen Kosten für Bau und Pflege der Anlage argumentiert. Ein reduziertes Budget erschwere dem Gartenamt bereits jetzt die optimale Pflege des Naturdenkmals Lichtentaler Allee.

Die Höhe des finanziellen Aufwandes hängt nach Meinung des Gartenamtsleiters vom Betreibermodell ab. Er gehe von 90000 Euro aus. "Es müsse wohl ein Pavillon für die Ausgabe von Schlägern und Bällen sowie für den Ticketverkauf errichtet werden. Die Spielbahnen müssten nach dem Vorbild eines 'richtigen Golfplatzes' angelegt werden. Wie bei einem Putting Green müsse der Rasen stets kurz geschnitten sein, 'damit der Ball nicht hoppelt'. Auch die Be- und Entwässerung erfordere einen gewissen Aufwand: Der Rasen müsse 'immer grün sein, auch im trockensten Sommer', [...] andrerseits müsse das Gras nach einem Regenschauer rasch abtrocknen. 'Da steckt Technik drin, und Technik kostet Geld'." (BT, 11.08.2007)

Der Freundeskreis Lichtentaler Alle spricht sich ausdrücklich für die Suche nach einem anderen Standort und nach alternativen Finanzierungskonzepten aus.

Bürgermeister Rückert ist der Meinung, dass mit einem in städtischer Regie betriebenen Kleingolfplatz lediglich 35 Prozent der Kosten erwirtschaftet werden können. (BT, 11.08.2007)

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