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Im 16.
Jahrhundert kamen die Balinesen zum erstenmal mit
den "orang putih", den weißen Europäern
in Berührung. Der Niederländer Cornelis
de Houtman (1565-1599), ein verschlagener Prahlhans
(APA Guide), kam 1597 nach Bali. Ihm verdanken wir
die ersten zuverlässigen Informationen
über die Insel. Houtman entdeckte eine neue
Seeroute von Europa nach Indonesien und war damit
der Wegbereiter für den ostasiatischen
Gewürzhandel der Niederlande - mit fatalen
Folgen für das Archipel.
Am 2. April 1595 wurde eine Flotte von vier
Schiffen (Amsterdam, Hollandia, Mauritius und
Duyfken) unter de Houtmans Kommando in Richtung
Ostasien ausgesandt. Die Expedition hatte von
Anfang an große Probleme. Nach wenigen Wochen
brach Skorbut aus und wegen Unstimmigkeiten
zwischen den Kapitänen der vier Schiffen und
den mitfahrenden Händlern kam es zu
Gewaltausbrüchen, bei denen mehrere Menschen
getötet wurden. Während eines
Aufenthaltes in Madagaskar kam es erneut zu
heftigen Ausschreitungen, die viele weitere
Todesopfer kostete. Die madegassische Bucht, in der
die Schiffe ankerten, wird noch heute "Friedhof der
Holländer" genannt. Erst sechs Monate
später konnten die Schiffe weitersegeln. Am
27. Juni 1596 erreichten sie schließlich
Bantam in West-Java. Nur etwa 100 der
ursprünglich 249 Männer hatten die Fahrt
überlebt.
Nach der Ankunft in Bantam stellten die dortigen
portugiesischen Händler Cornelis de Houtman
dem Sultan vor, der den Niederländern
zunächst freundlich gesinnt war. Houtman
jedoch war weniger freundlich. Er beleidigte den
Sultan und musste Bantam deshalb verlassen, ohne
dass ein Handel zustande kam. Die Schiffe segelten
weiter in Richtung Ost-Java, wo sie in Madura
ankerten. Unterwegs wurden sie von Piraten
angegriffen. Houtman ließ in Madura als Rache
für den Piratenangriff ein Massaker unter der
Bevölkerung anrichten.
Danach nahmen die Niederländer Kurs auf Bali.
Die drei Teilnehmer der Houtman-Expedition die am
9. Februar 1597 in Kuta an Land gingen, wurden von
den Inselbewohnern und vom Fürst Agung in
aller Höflichkeit empfangen. Aernoudt
Lintgens, der Anführer der Gruppe, beschrieb
den Dewa Agung als ein etwa 40jährigen Mann,
der die meiste Zeit in seinem riesigen Palast in
Gelgel zubrachte. Der Fürst umgab sich mit
einem Harem von 200 Frauen und einer
50-köpfigen Zwergentruppe. Lintgen berichtete,
dass bei Ausflügen des Dewis Scharen von
Lanzenträgern dabei waren. Agung saß
entweder in einer Sänfte oder auf einem
Karren, der von zwei weißen Ochsen gezogen
wurde. Houtman selbst ging nur einmal an Land, kurz
vor der Abreise von Bali. Die Heimreise wurde zu
einem denkwürdigem Ereignis. Lintgens kam heil
von der Insel auf eines der Schiffe zurück,
die zwei anderen Besatzungsmitglieder fehlten. Die
beiden Männer hatten beschlossen in Bali zu
bleiben. Sie ließen sich in Gelgel nieder,
lernten die Sprache der Einheimischen und
heirateten Balinesinnen.
Obwohl Houtmans Expedition eine absolute
menschliche und finanzielle Katastrophe war, hatte
sie jedoch einen hohen symbolischen Wert für
die Niederländer. Diese Expedition wurde als
der Beginn der Kolonialherrschaft in Indonesien
angesehen und man durchbrach somit die
Monopolstellung der Portugiesen in dieser Region.
In den nächsten fünf Jahren fuhren
weitere 65 niederländische Schiffe nach
Ostasien und übernahmen einen Großteil
des Gewürzhandels. So erreichte der kleine
Staat Niederlande die Position einer Weltmacht.
(WP)
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