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Staatliche Kunsthalle Karlsruhe -
16. Mai bis 23. August 2009
Vom Glück zu sammeln
Erwerbungen des
Kupferstichkabinetts seit 1995
Das Kupferstichkabinett der Staatlichen Kunsthalle
Karlsruhe besitzt rund 90.000 Blätter und ist
eine der ältesten graphischen Sammlungen in
Europa - seit Mitte des 17. Jahrhunderts werden
sowohl ältere Meister als auch
zeitgenössische Künstler gesammelt.
Über 2400 Blätter konnten seit 1995
für die Sammlung erworben werden, die
Ausstellung "Vom Glück zu sammeln. Erwerbungen
des Kupferstichkabinetts seit 1995"
präsentiert ab 16. Mai 2009 eine Auswahl von
rund 100 Werken. Gezeigt werden Zeichnungen,
Grafiken und Mappenwerke vom 17. Jahrhundert bis
heute, die thematisch und chronologisch angeordnet,
einen Querschnitt durch fast 400 Jahre
Kunstgeschichte bieten.
Die Graphische Sammlung kann betrachtet werden als
ein Bildgedächtnis, das neben Werken, die
für repräsentative Zwecke geschaffen
wurden, auch illustrierte Bücher, Mappen,
Pläne, Ornamententwürfe, technische
Experimente, Vorarbeiten, Skizzen und Probedrucke
beherbergt und damit ein reiches Spektrum
künstlerischer Techniken, Gattungen und
Funktionen von Kunstwerken auf Papier umfasst. Das
Papier und seine empfindlichen Reaktionen auf
Schwankungen von Temperatur, Licht und
Luftfeuchtigkeit setzen besondere konservatorische
Bedingungen für die Aufbewahrung der Werke
voraus, wie etwa eine spezielle Klimatisierung und
ein lichtgeschütztes Lagern in trockenen
Kassetten. Nur selten werden die Blätter
für Sonderausstellungen bis zu zwölf
Wochen ans Licht geholt, die Ausstellung des
Graphischen Kabinetts bietet daher erstmals die
Gelegenheit, die kostbaren Neuerwerbungen der
vergangenen Jahre kennenzulernen.
Der Sammlungsschwerpunkt der letzten Jahre lag auf
der zeitgenössischen Kunst und der
französischen Druckgraphik des 19.
Jahrhunderts, deren Bestände in Karlsruhe
wunderbare Bereicherungen erfuhren. Gleichfalls
konnten die bestehenden Konvolute aus dem 17.
Jahrhundert durch wertvolle Blätter
ergänzt werden. Hierzu zählen ein
monumentales, aus sechs Einzelblättern
bestehendes Radierwerk von Jacques Callot mit
Darstellung der Belagerung von Breda aus dem Jahr
1625, bedeutende Radierungen aus dem Werk Stefano
della Bellas und eine Serie von sechs Kupferstichen
mit der apokryphen Erzählung der
Tobiasgeschichte nach Entwürfen des Malers und
Kupferstechers Augustin Braun.
Für das 18. Jahrhundert sind Zeichnungen von
Hubert Robert und Johann Evangelist Holzer sowie
Reproduktionsgrafiken nach Jean Siméon
Chardin zu verzeichnen, und mit Lithografien von
Honoré Daumier, J. J. Grandville und
Édouard Vuillard wurden herausragende
Erwerbungen für die französische Graphik
des 19. Jahrhunderts getätigt. Ebenfalls aus
dieser Zeit stammen zahlreiche Zeichnungen von
Karlsruher Künstlern, die mit der hiesigen
Akademie in Verbindung standen: Werke von Johann
Wilhelm Schirmer, Ferdinand Keller, Hans Thoma oder
Gustav Kampmann vermitteln in der Ausstellung einen
Eindruck von der reichen Tradition der Badischen
Landschaftsmaler und ihres graphischen ?uvres. Der
1894 bei Wuppertal geborene Carl Grossberg dagegen
ist in Karlsruhe durch sein Gemälde
"Ölraffinerie" aus dem Jahr 1933 bekannt, das
in der Orangerie zu besichtigen ist. Drei furiose
Vorzeichnungen - eine schnelle Skizze, ein frisches
Aquarell und eine minutiöse Bleistiftstudie -
veranschaulichen den künstlerischen Weg zu
diesem Gemälde, das als ein Hauptwerk für
Grossbergs kühle Industrie- und
Technikschilderungen aus dem Umkreis der Neuen
Sachlichkeit gilt.
Weitere Beispiele für die zwanziger Jahre -
eine fruchtbare Zeit künstlerischer Produktion
und wegweisende Epoche für die Moderne - sind
Neuzugänge von Papierarbeiten von Otto Laible,
Käthe Kollwitz und Max Beckmann. Zeichnungen
von Gerhard Hoehme und Hans Uhlmann
veranschaulichen die Abstraktion der
Nachkriegsjahre, während weitere Blätter
von Rainer Ruthenbeck und Franz Erhard Walther
zeichnerische Positionen von Konzeptkünstlern
der siebziger Jahre zeigen. Herausragende Beispiele
für die Farbe als Hauptgegenstand der Kunst
führen dagegen leuchtende Graphiken und
Aquarelle von Rupprecht Geiger, Gotthard Graubner,
Giorgio Griffa und Rolf-Gunter Dienst vor Augen.
Schließlich sind im Grünen Saal
großformatige Werke der Gegenwart zu sehen,
die eher einem minimalistischen Ansatz und einer
Konzentration auf die Linie und die Fläche
folgen: Eine sechsteilige Reihe von
Aquatinta-Radierungen Brice Mardens aus seiner
berühmten "Cold Mountain Series" gehört
ebenso dazu wie zwei monumentale rote
Kreidezeichnungen von Hubert Kiecol, die
Auseinandersetzung mit der strengen Parallele in
den Zeichnungen von Malte Spohr und
Schnittzeichnungen von Katharina Hinsberg.
Die Bandbreite der Neuerwerbungen ist groß
und doch erschließen sich in den Werken
unterschiedlicher Techniken und Epochen auch die
Schwerpunkte und das Sammlungsprofil des Karlsruher
Kupferstichkabinetts: Dazu gehören die
markgräflichen Grundlagen der Altmeistergrafik
in Mittelalter und Barock, die Hinwendung zur Kunst
Frankreichs, die Landschaftskunst des 19.
Jahrhunderts mit dem Hauptaugenmerk auf der
Karlsruher Akademie sowie ein weiter Blick in die
nationale und internationale Kunstszene des 20.
Jahrhunderts und der Zeitgenossen. Dem Besucher
bietet sich damit eine reiche Palette
künstlerischer Produktion aus vier
Jahrhunderten.
Staatliche Kunsthalle Karlsruhe
Hans-Thoma-Straße 2-6, 76133 Karlsruhe
Öffnungszeiten:
Dienstag bis Freitag 10-17 Uhr, Samstag, Sonntag,
Feiertage 10-18 Uhr
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