Fast zeitgleich mit Simon Rattles Antritt als Chefdirigent der Berliner Philharmoniker erschien die Biografie

Simon Rattle.
Abenteuer der Musik.


Es handelt sich hier um das ältere Werk des englischen Journalisten und Rattle-Spezialisten Nicholas Kenyon aus dem Jahre 1987. Mit spannenden Details über Rattles Kandidatur und die Wahlprozesse um die Berliner Philharmoniker, ergänzt und mit vielen weiteren Daten aktualisiert, bietet dieses Buch mehr als nur eine gut recherchierte Biografie: Der aufmerksame Leser wird im entsprechenden Kapitel politische und andere Zusammenhänge erkennen, welche so entschieden hinter der Bühne der Öffentlichkeit die Musiklandschaft Deutschlands (mit)definieren.

Dass Kenyon einen guten Journalisten abgibt, merkt man neben der lebhaften Dokumentation der Berliner Kulturpolitik auch bei der Gesamtgestaltung des Inhalts. Eine erstaunliche Zahl von Interviews und O-Tönen (dabei fehlen keineswegs die kritischen Meinungen) schildert ein sehr differenziertes und lebhaftes Bild des Musikers Simon Rattle. Was aber in diesem sonst so gut fundierten und inhaltlich reichhaltigen Buch fehlt, ist ein Blick hinter Rattles eigene Kulisse. Man kann hier zwar vieles und Interessantes über die Konzertprogramme, die Ideen und die musikalische Entwicklung des Dirigenten erfahren, allerdings kaum etwas über z.B. Rattles gescheiterte erste Ehe. Der Biograf klammert das Privatleben des Spitzendirigenten konsequent aus und lässt dadurch leider viele Fragen unbeantwortet und viele Wünsche offen.
(Kleopatra Sofroniou-von Tavel/Amazon)

"Swing, Rattle und Roll" titelte die Berliner Presse im August 1999 nach der beschwingten Wiedergabe zweier Haydn-Sinfonien durch die Berliner Philharmoniker unter der Leitung von Sir Simon Rattle. Kurz zuvor hatten die 112 stimmberechtigten Orchester-Mitglieder den englischen Dirigenten zum Nachfolger von Claudio Abbado ab der Saison 2002/03 gewählt. Der Beginn einer neuen musikalischen Ära! Nach seinen Auftritten am Dirigentenpult schwelgen Presse und Publikum regelmässig in Superlativen. Sie rühmen seine Bandbreite, die vom Barock bis zum Jazz reicht, seine Fähigkeiten als Orchestererzieher, die er in 18 Jahren an der Spitze des City of Birmingham Symphony Orchestra bewiesen hat, und seine Schlagfertigkeit. Kostprobe: "Berlin ist zu 60% Deutschland, zu 38% New York, und der Rest ist Wilder Westen."

Simon Rattle - Abenteuer der Musik

Simon Rattle. Abenteuer der Musik.
Von Nicholas Kenyon
Gebundene Ausgabe, 334 Seiten, Henschel-Verlag Berlin

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